zur Navigation springen

Männer- und Gewaltberatung Güstrow besteht seit 15 Jahren : Effektiv gegen häusliche Gewalt

vom

"Es reicht nicht aus, nur etwas gegen die Folgen von häuslicher Gewalt zu tun, sondern auch die Ursachen müssen bearbeitet werden." Davon ist Dieter Schmidt überzeugt. Er leitet die Männer- und Gewaltberatung Güstrow.

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2011 | 05:36 Uhr

Güstrow | "Es reicht nicht aus, nur etwas gegen die Folgen von häuslicher Gewalt zu tun, sondern auch die Ursachen dieser Gewalt müssen bearbeitet werden." Davon ist Dieter Schmidt überzeugt. Er leitet die Männer- und Gewaltberatung Güstrow, die zum Verein "Arche - für Frau und Familie Güstrow" gehört, und in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen begeht. Der Verein Arche, der dieses Jahr auch ein Jubiläum hat und 20 Jahre alt wird, ist in der Region der einzige, der zum Thema "Häusliche Gewalt" Hilfs- und Unterstützungsangebote für Betroffene und Verursacher anbietet. In Güstrow begann der Sozialpädagoge und Gewaltberater Schmidt seine Arbeit mit 15 Fällen. Mittlerweile liegt die Fallzahl bei jährlich um die 110.

Dauerhafte gewaltfreie Konfliktlösung

Vor 15 Jahren im Mai 1996 wurde nach intensiver Vorbereitung und finanzieller Unterstützung des Landkreises Güstrow, der Stadt und dem Sozialministerium die Männer- und Gewaltberatung in Güstrow eröffnet. "Das Ziel der Beratung ist es, eine dauerhafte gewaltfreie Konfliktlösung innerhalb der Ehe oder Partnerschaft zu erreichen", erläutert Schmidt. Dass man gegen die Ursachen der häuslichen Gewalt etwas tun musste, diese Erfahrung machten auch die Mitarbeiterinnen des Frauenschutzhauses Güstrow in ihrer täglichen Arbeit. Mit den Frauen und Kindern wurden die Gewalterfahrungen aufgearbeitet. "Gingen sie zum Partner zurück, da er sich entschuldigte und versprach nicht mehr gewalttätig zu werden, dauerte es meist nur kurze Zeit bis es wieder zu Gewalt kam", so Schmidt. Die Folge konnte u.a. sein, dass es zu einem erneuten Aufenthalt im Frauenschutzhaus Güstrow kam. Um dem entgegenzuwirken wurde die Männer- und Gewaltberatung ins Leben gerufen. "Versprechungen und Absichtserklärungen allein bewirken keine Verhaltensänderung beim Verursacher. Es müssen die Hintergründe, Ursachen und Auslöser für seine Gewalt herausgefunden werden. Dann kann man sie bearbeiten und neue alternative Verhaltensweisen erlernen", sagt Schmidt. "Dazu benötigt er aber Unterstützung und Hilfe von außen, die ich geben kann."

Anfang der 1990er-Jahre nahm die Bedeutung der Arbeit mit den Verursachern von häuslicher Gewalt in Deutschland immer mehr zu. Neben den Angeboten für die Opfer, gab es auch immer mehr Angebote für die Verursacher. In MV entstanden 1993 in Neubrandenburg und 1996 in Güstrow die ersten beiden Männer- und Gewaltberatungsstellen für Verursacher von häuslicher Gewalt. "Nach wie vor ist es so, dass der Verursacher erst einen Leidensdruck verspüren muss, um sich in eine Beratung zu begeben", so Schmidt. Der Leidensdruck kann aus den unterschiedlichsten Gründen entstehen, wie z.B. Polizeieinsatz mit anschließender Wegweisung aus der Wohnung, Anzeige gegen den Verursacher, Partnerin mit Kindern im Frauenschutzhaus, Partnerin will sich trennen, andere Hilfseinrichtungen raten dazu, Auflagen von Gerichten oder Staatsanwaltschaften.

"Die meisten Verursacher erkennen für sich am Ende der Beratung, dass sie viel früher dieses Angebot hätten aufsuchen müssen. Viel wäre den Betroffenen und ihnen erspart geblieben und die ein oder andere Partnerschaft hätte weiter bestand gehabt. Dennoch war es für sie alle ein wichtiger Schritt in ihrem Leben. Mit der Absolvierung einer solchen Beratung besitzen sie Grundlagen für ein zukünftiges gewaltfreies Leben", ist Dieter Schmidt überzeugt.

Die Männer- und Gewaltberatungsstelle Güstrow hat sich zu einem festen Bestandteil des sozialen Hilfenetzes in der Region entwickelt. Für die Arbeit mit den Verursachern von häuslicher Gewalt seien aber auch zukünftig Kooperationen wichtig, so Schmidt. Konkret seien das die Zusammenarbeit mit Polizei, Frauenunterstützungseinrichtungen, der Kinder- und Jugendhilfe, andere Hilfseinrichtungen und die Kooperation mit der Justiz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen