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Regionalschüler aus Domsühl lernten wie man in der Wildnis überleben kann : Durchhalten heißt die Devise

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Ferien gehen auch mal anders - wenn man nicht übermäßig empfindlich ist - das haben Siebtklässler der Domsühler Regionalschule erlebt: Für drei Tage fuhren sie in das Lewitzcamp nach Garwitz und erlebten Survival pur.

svz.de von
erstellt am 02.Jul.2011 | 10:11 Uhr

Garwitz | Strandurlaub mit Vollpension oder besser noch All inclusive, Animation, Liftboy, jeden Tag neue Handtücher und ein frisch gemachtes Bett - für die meisten ist das wohl eine übliche Art, Urlaub zu machen. Dass Ferien aber auch anders gehen - vorausgesetzt, man ist nicht übermäßig empfindlich - haben jetzt Siebtklässler der Domsühler Regionalschule live erlebt: Für drei Tage fuhren sie in das Lewitzcamp nach Garwitz und erlebten hier Survival rustikal.

Survival heißt nichts anderes als Überlebenstraining. Und genau das ist die Spezialität von Mario Gurtler. Sein ist das Lewitzcamp in Garwitz an der Elde-Müritz-Wasserstraße. Seit 2004 bietet er für Kinder- und Jugendgruppen, Durchreisende, Wasser- & Radwanderer und Familien seine Survivalcamps an, wahlweise mit Kanu- und Klettertouren.

Quasi zum Schuljahresausklang hatten sich die Domsühler Schüler diesen "Urlaub" ausgesucht. "In die Jugendherberge fahren kann ja jeder", argumentierte Klassenleiterin Petra Weimar gegenüber ihren Schützlingen. Sie, die schon mit früheren Klassen Mario Gurtler gebucht hatte, wollte "mal was anderes" - und die Mädchen und Jungen auch.

So gehörten drei Tage Abenteuer ihnen. "Als erstes mussten wir unsere Unterkünfte bauen. Ganz allein. Wir hatten nur Planen und Äste", erzählt Nick. "Das war nicht einfach. Aber wir haben es geschafft, und es war richtig cool." Er habe, so Mario Gurtler, kaum eingreifen müssen: "Die Kinder waren überraschend gut." Wenn man die Teilnehmer machen lässt, so seine Erfahrung, "entwickelt sich eine Kreativität, wie man sie kaum vermutet". Aber die drei Tage, für die sich der Domsühler Dietrich Grzybowski von den Erlebnistouren Schwerin als Verstärkung und zweiten Survival-Experten geholt hatten, boten viel mehr. Alles drehte sich um die zentrale Frage: Was ist zu tun, wenn man in der Wildnis "strandet". Ohne alles, vielleicht verletzt, kein Handy? Peu à peu erarbeiteten es Gurtler und Grzybowski mit den Mädchen und Jungen. Kaum, dass die Unterkünfte standen, wurde Wasser beschafft. "Ohne Essen geht es recht lange gut", erklärte Mario Gurtler, "ohne sauberes Wasser ist nach drei Tagen Schluss." Das war für die 13-Jährigen nicht neu. Dass man sich aber aus einer Büchse, Holzkohle, Sand, und Gras einen ganz einfachen Wasserfilter bauen kann, schon. "Ganz sauber wird das Wasser nicht, aber man hat was zu trinken und hält vielleicht durch, bis Hilfe kommt", weiß Kevin.

Zu lernen, was man tun muss, um genau dieses Durchhalten zu schaffen, ist Sinn und Zweck der Survival-Camps in Garwitz. "Das haben die Kinder kapiert", freut sich Gurtler über die Früchte seiner Arbeit. Zu denen gehörten u.a. auch Feuermachen ohne Feuerzeug und Streichhölzer, was Christian ganz besonders spannend fand, oder der richtige Umgang mit dem Messer. "Wir haben auch gelernt, von welchen Pflanzen man sich notfalls ernähren kann", erzählt Sandro. " Stimmt: Engerlinge, Würmer und Schnecken lassen wir aber weg, soweit wollen wir denn doch nicht gehen", lacht Mario Gurtler.

Für die Domsühler hatten Mario Gurtler und Dietrich Grzybowski ihr Training "gestrickt" rund um "Lebensrettende Sofortmaßnahmen". Und mit Alexander Schulz, Rettungssanitäter bei der Schweriner Berufsfeuerwehr, den sein Arbeitgeber für Camps, wie das in Garwitz , freistellt, hatten sie auch einen Experten vor Ort. "Für den regulären Erste Hilfe-Kurs, der für den Führerschein notwendig ist, sind die Kids noch nicht alt genug", erklärte er. "Deshalb machen wir auch lebensrettende Sofortmaßnahmen." So gab es (fiktive) Brandopfer, lernten und übten die Kinder Schnitt- und Platzwunden zu versorgen und gebrochene Gliedmaßen steril abzudecken und ruhig zu legen. Am letzten Tag retteten sie bei ihrer Kanutour sogar einen Ertrinkenden aus der Elde… "Es geht nicht darum, dass wir Rettungssanitäter aus den Kindern machen. Wenn ein Verband mal nicht schick aussieht, ist das nicht schlimm. Wichtig ist, dass sie ihn anlegen, wenn es die Situation erfordert. Wichtig ist auch, dass sie grundsätzlich wissen, was zu tun ist", sagt Schulz. Mario Gurtler pflichtet ihm bei: "Mein Eindruck ist, dass immer mehr Leute, alte und junge, Angst haben zu helfen, weil sie fürchten, etwas falsch zu machen. In unserem Durchhaltecamp wollen wir den Schülern diese Angst nehmen, ihnen vielmehr die Sicherheit geben, dass sie etwas wissen und können. Auch wenn sie nicht alles behalten: Vieles von dem, was sie hier erfahren, lernen und üben, wird ihnen oder anderen irgendwann von Nutzen sein."

Für Saskia, Nick, Kevin, Christian und die anderen Domsühler Kinder ist es heute noch schwer vorstellbar. "Ich habe mir schon mal das Handgelenk verstaucht, einen wirklichen Unfall hatte ich noch nie", sagt Saskia. "Aber es kann ja ganz schnell was passieren. Es kann bestimmt nicht schaden, wenn man dann weiß, wie man sich helfen kann."

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