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Lokales

19. November 2017 | 04:20 Uhr

Durch den Stau ans Meer

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erstellt am 18.Okt.2010 | 07:57 Uhr

Rügen/Usedom | Gran Canaria, Teneriffa und Mallorca verzeichnen deutlich mehr Urlauber als die Ostsee-Ferieninseln - trotzdem sind die Stauprobleme auf den spanischen Inseln nichts im Vergleich zu den Autoschlangen auf Rügen oder Usedom. Der Grund: Die Spanienliebhaber reisen in der Regel mit dem Flugzeug an. Anders auf Rügen oder Usedom. Der Standortvorteil der nahen "Insel um die Ecke" kehrt sich schnell ins Gegenteil. Gerade bei der Anreise in den Ferien und an Feiertagen oder bei Regentagen im Sommer meldet der Verkehrsfunk regelmäßig bis zu 30 Kilometer lange Staus auf den Inseln und deren Zufahrten. Oft beginnen die ersten unfreiwilligen Stopps auf der Autobahn schon nordöstlich von Berlin.

Rügen ist mit jährlich 6,3 Millionen Übernachtungen Deutschlands beliebteste Ostseeinsel. Rund 85 Prozent der 1,3 Millionen Rügen-Urlauber reisen mit dem Auto an, sagt der Leiter der Rügener Tourismuszentrale, Ralf Hots-Thomas. Nur zehn Prozent nutzen die Bahn, die restlichen fünf Prozent kommen mit dem Bus, Wohnwagen oder Flugzeug. Seitdem die Küstenautobahn A 20 fertiggestellt ist, hat sich die Fahrt von der Hauptstadt nach Usedom, der "Badewanne Berlins", von einst vier auf zwei Stunden deutlich verkürzt. "Ohne die A 20 wäre die rasante Tourismusentwicklung auf den Inseln nicht möglich gewesen", weiß Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD).

Seit Jahren ringen Kommunalpolitiker, Touristiker und Naturschutzverbände um ein ausgewogenes Verkehrskonzept - an den Staus hat sich bisher wenig geändert. Dauerstreitobjekt ist auf Rügen der Neubau der B 96 n, die 30 Kilometer von der Rügenbrücke bis nach Bergen in das Herz der Insel führen soll. Landesregierung, Wirtschaft und Tourismusbranche wollen die neue dreispurige Straße parallel zur bestehenden B 96. Ursprünglich sollte sie 2007 mit der neuen Rügenbrücke fertig sein. Die Naturschutzverbände BUND und Nabu legten jedoch Anfang Oktober gegen den Planfeststellungsbeschluss Klage ein - sie fordern statt des 80 Millionen Euro teuren Neubaus einen umweltverträglichen Ausbau der bestehenden B 96 mit Ortsumgehungen um die besonders belasteten Orte Rambin und Samtens. Nach Einschätzung des Greifswalder Tourismusforschers Wilhelm Steingrube wird der Straßenneubau das Problem nicht entschärfen, sondern die bestehenden Staus nur noch weiter auf die Insel verlagern. "Die Lösung liegt in der Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs auf den Inseln", sagt Steingrube.

Auf der Insel Usedom sorgt die Usedomer Bäderbahn (UBB) für Entlastung. Immerhin rund 3,5 Millionen Fahrgäste transportierte die UBB im vergangenen Jahr. Das Modell soll jetzt auch auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst Schule machen. Bis zum Fahrplanwechsel 2016 - so das ehrgeizige Ziel von Verkehrsminister Volker Schlotmann - soll die Darßbahn über die Meiningenbrücke zunächst bis Zingst und später bis Prerow auf die Halbinsel rollen. Auch wirbt Schlotmann dafür, die alte Zugverbindung von Berlin zur Insel Usedom über die Karniner Brücke wieder zu beleben. Ein Wiederaufbau würde aber Schätzungen zufolge rund 120 bis 140 Millionen Euro kosten.

Auf der Insel Usedom wird an einem weiteren Vorhaben gefeilt. Im Projekt "Usedomrad" haben sich zehn Fahrradverleiher zwischen Karlshagen, dem Lieper Winkel und dem polnischen Swindemünde zu einem Verbund zusammengeschlossen. Urlauber können eines von derzeit 100 sonnengelben Projekt-Fahrrädern an einer Station ausleihen und an einer anderen abgeben. Das Projekt wurde vom Bund als eines von acht Projekten für den Modellversuch "Innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme" ausgewählt. "Die Idee ist gut - das Konzept noch nicht ausgereift", sagt Fahrradverleiher Fred Kruggel aus Zinnowitz. Langfristig müsse die Usedomer Bäderbahn mit attraktiven Kombiticketpreisen in das Projekt einbezogen werden. Kruggel hat einen anderen Vorschlag: "Schafft die Ampeln ab und baut Kreisverkehre auf der Insel." Allein diese Maßnahme würde helfen, die Staus deutlich zu reduzieren.

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