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Lokales

19. November 2017 | 22:30 Uhr

Dünen ins Bewusstsein zurückholen

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svz.de von
erstellt am 27.Okt.2010 | 07:10 Uhr

Laage | Der Dünenzug an der Recknitz in Laage hat sein Gesicht verändert. Über Jahre wucherten hier die Ginsterbüsche ungestört. Inzwischen ist an vielen Stellen aufgeräumt. Ein gemeinsames Projekt des Heimatvereins und der Stadt sowie des "RecknitzCampus" nimmt Gestalt an.

Zehn Schüler der Kooperativen Gesamtschule sind seit dem Spätsommer einmal in der Woche im Berufsbildungszentrum in Teterow. Sie fertigen für einen Naturlehrpfad, der sich durch die Dünen schlängeln soll, verschiedene Schautafeln an. Rund 40 sollen es werden. Pflanzen sind darauf abgebildet und beschrieben. Zu den Besonderheiten des Dünenzuges - ein anerkanntes Flächendenkmal - gehört das Vorkommen von Kuhschellen, genauer gesagt der Echten Kuhschelle und der Wiesenkuhschelle. Tatsächlich, so bestätigt der Heimatvereinsvorsitzende Manfred Walter, hätten noch einige dieser Pflanzen dem Druck der Ginsterbüsche über Jahre standgehalten.

Wie nebenbei lernen Schüler Berufsbilder kennen

Außerdem fertigen die Schüler drei große Informationstafeln an und sollen auch noch eine Aussichtsplattform bauen. "Das Projekt wird über das Programm ,Stärken vor Ort im Landkreis Güstrow finanziell gefördert", betont Andreas Schröder, Leiter des Bildungszentrums Teterow der BBS "Start" GmbH. Ganz nebenbei, so erzählt er, würden die Schüler verschiedene Berufsbilder kennen lernen. "Sie haben sich mit der Pflanzenwelt befasst, eine Dokumentation erarbeitet, diese vor Publikum vorgestellt und sind nun in der Tischlerei aktiv", berichtet Schröder. Den Schülern der 9. Klasse, so erzählt Antony Heuer, mache die Arbeit in der Holzwerkstatt Spaß. "Besonders, weil wir hier alle zusammen sind und nicht einzeln auf Betriebe aufgeteilt, wie das sonst beim Praxislerntag so ist", fügt Florian Esser hinzu. Bis zum Jahresende läuft ihr Projekt. Die ersten Schautafeln sollen dann aufgestellt sein.

Ehemaligen jüdischen Friedhof abgesteckt

Ein-Euro-Jobber haben derweil bereits in den Binnendünen aufgeräumt und auf einem ersten Abschnitt über den so genannten Judenberg den Pfad abgesteckt und mit einem kleinen Zaun markiert. Fritz Abs (76) schaut immer wieder nach dem Rechten. Er hat das Projekt vor Jahren in Gang gebracht. "Früher war es ein Sonntagsausflug für die Laager. Sie gingen durch die Dünen nach Pinnow, wo es ein Ausflugslokal gab", erinnert sich der Laager. In den letzten Jahren aber sei diese reizvolle Landschaft an der Recknitz völlig in Vergessenheit geraten. Das möchte er ändern, Stück für Stück, wie er betont. Weil alles auch Geld koste. Neben dem Pfad ist auf dem Judenberg bereits der ehemalige jüdische Friedhof dort kenntlich gemacht worden. "Richtigerweise ist es ja der Scheibenberg", berichtet der 76-Jährige. Die Laager Schützenzunft habe früher hier einen Platz gehabt, wo man auf Scheiben geschossen habe. 1852 sei dort auf etwa 300 Quadratmetern ein jüdischer Friedhof angelegt worden. 1926, so weiß Abs weiter, sei mit Albert Mendel, Kaufmann und Vorstandmitglied der städtischen Sparkasse, dort der letzte Jude begraben worden. Mit dem Wegzug der Familie Mendel sei damals das jüdische Leben in der Stadt erloschen. Geblieben ist von der Begräbnisstätte nicht viel mehr als ein paar Eichen und eine Eibe, die vermutlich einmal auf einem Grab stand.

Lehrpfad soll bis Jahresende ausgeschildert sein

Am Judenberg, darüber freut sich Fritz Abs, steht nun endlich auch ein Schild, das auf die Binnendünen als Flächendenkmal auf rund 3,2 Hektar hinweist. Hinter dem Judenberg erstreckt sich rechter Hand die Börnung. Auch dieses Biotop will Abs später mit einbeziehen. Er möchte als nächstes erreichen, dass auch dieser Bereich wieder sein ursprüngliches Aussehen zurück erhält. Dazu müsse erst einmal die Wasserfläche, heute als solche kaum mehr zu erkennen, wieder freigelegt wird. Aber das sei sein nächstes Thema.

Ein Stück weiter auf der höchsten Erhebung, dem Langen Berg, soll die Aussichtsplattform ihren Platz finden. "Von dort bietet sich ein wunderbarer Blick in die Landschaft", schwärmt Fritz Abs. Ob die Plattform noch bis zum Jahresende montiert werden kann, sei fraglich. Wenn das im nächsten Frühjahr passiert, sei es auch in Ordnung, meint der Laager und hofft, dass das neu Geschaffene lange halten wird. In einem sei er sich allerdings ziemlich sicher: Die Schüler, die an der Gestaltung des Lehrpfades mitarbeiten, werden ihn gewiss nicht zerstören.

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