Bützow: Ehemaliges Pumpenhaus wird als Lagergebäude genutzt : Druckkessel unter Mansardendach

Michael Belosa mag den Charme des ehemaligen Pumpenhauses. Er findet es schade, dass das Gebäude heutzutage nur noch als Lagerraum genutzt. Denn er weiß, dass in anderen Städten solche Häuser als Museum genutzt werden. Nadine Schuldt
Michael Belosa mag den Charme des ehemaligen Pumpenhauses. Er findet es schade, dass das Gebäude heutzutage nur noch als Lagerraum genutzt. Denn er weiß, dass in anderen Städten solche Häuser als Museum genutzt werden. Nadine Schuldt

Sie gelten als Zeitzeugen - Denkmäler begegnen den Menschen in jeder großen und kleinen Gemeinde. In dieser Serie wollen wir einige von ihnen aus unserer Region näher beleuchten. Heute: das Pumpenhaus in Bützow.

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23. November 2010, 10:12 Uhr

Als Michael Belosa bei der Bützower Wasserwirtschaft 1977 zu arbeiten anfing, war das alte Pumpenhaus schon seit vier Jahren nicht mehr in Betrieb. "Es wurde im Volksmund so genannt, aber eigentlich war es das alte Wasserwerk", erzählt Belosa. Er ist heute Gebietsmeister für Wasser bei der Eurawasser Nord GmbH, die das Nass in die hiesigen Haushalte bringt.

Die erste zentrale Wasserversorgung gibt es seit 1916 in Bützow. "Von 1914 bis 1916 wird auch das Pumpenhaus gebaut worden sein", sagt Belosa. Das Wasserwerk sowie der Wasserturm, der auch 1916 entstand und im selben Jahr in Betrieb genommen wurde, markierten in der damaligen Zeit den Ortseingang von Bützow.

Bei dem Wasserwerk handelt es sich um einen Backsteinbau mit Mansardendach. "Solch eine Dachform ist typisch für den Barock oder den Klassizismus", sagt Haiko Hinterthan, Mitarbeiter in der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises. Dieser Stil zeige, dass beim Bau historisierende Gestaltungselemente verwendet wurden. Das Haus war in zwei Hallen unterteilt. "In einer von ihnen standen die Druckkessel", sagt Belosa. Sie reichten zwei bis drei Meter in den Boden hinein. Heute ist das nicht mehr nachzuvollziehen - diese Vertiefung wurde vor einigen Jahren zubetoniert.

Das Pumpenhaus, das heute als Lagergebäude genutzt wird, war von 1916 bis 1973 in Betrieb. "Die Hauptversorgungsleitung in der Wismarschen Straße stammen ebenfalls noch von 1916 und sind noch in Betrieb", erzählt Belosa. Da sei en bis jetzt keine größeren Schäden festgestellt worden.

Doch zurück zum Pumpenhaus. 1973 sei ein neues Wasserwerk mit einem neuen Reinwasserbehälter gebaut worden. Danach sei der Druckkessel im Pumpenhaus aber noch bis 1993 in Betrieb gewesen. Michael Belosa mag den Charme des alten Gebäudes. "Es hing an der seitlichen Eingangstür, die zur Straße weist, früher noch eine schöne Lampe, die reichhaltig verziert war", erinnert er sich. Auch die glatte, altehrwürdige Holztür sei an dieser Stelle nicht mehr vorhanden. Sie wird nun von einer weißen Kunststoff-Tür ersetzt. Das findet Belosa Schade. Ebenso, dass einige der ursprünglichen Fenster durch Kunststoff-Fabrikate ausgetauscht wurden. "Das passt einfach nicht zum Gebäude", sagt der Bützower.Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als die Wasserwerks-Mitarbeiter die Druckkessel bedient haben. "Hier haben richtige Bützower Originale wie Willy Rabe gearbeitet." Allerdings habe ihn Belosa nur wenige Wochen erlebt. "Er ist in Rente gegangen, als ich angefangen habe."

Dennoch: Die Arbeit wurde in dem Betrieb nie langweilig. Schon deshalb nicht, weil die meisten Mitarbeiter noch platt gesprochen haben. "Es war schon lustig, wenn sich die Kollegen am Telefon mit ,Moin und ,Waderwerk gemeldet haben", sagt Belosa und schmunzelt. Zunächst habe er bei den anderen immer nur zugehört. Doch nicht lange: Nach und nach hatte er das Plattdeutsche richtig drauf.

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