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Lokales

21. November 2017 | 00:14 Uhr

Drogenhandel im Rockerclub

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erstellt am 10.Aug.2012 | 08:41 Uhr

Frankfurt | Wenig gesprächig wirkt das Quintett auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Den vier Männern und einer Frau aus Schwedt (Uckermark) wird bandenmäßiger Drogenhandel vorgeworfen. Sie sollen im vergangenen Jahr versucht haben, in der Grenzstadt ein florierendes Geschäft mit Rauschgift aufzubauen, und zwar "im Kilogrammbereich" wie es in der Anklageschrift heißt. Wie lange die mutmaßliche Bande um den tätowierten, muskelbepackten Hauptangeklagten Udo J. schon aktiv war, lässt sich laut den Ermittlern schwer sagen. Fakt ist jedoch, dass sie bei zwei Drogentransporten vor einem Jahr in Polizeikontrollen gerieten und aufflogen. Zuvor hatte es offenbar umfangreiche Telefonüberwachungen gegeben. In der Anklage ist von "konspirativen Absprachen" per Telefon die Rede.

Im ersten Fall ging es um zwei Kilogramm Marihuana im Wert von 10 000 Euro, die J. bei einem Lieferanten aus Fürstenwalde bestellt hatte. Die Übergabe sollte bei einem Treffen des Berliner Rockerclubs Hells Angels erfolgen. J. traf sich laut Anklage mit dem Lieferanten in der Kreuzberger Kneipe "Jodelkeller", ließ das Rauschgift jedoch von einem der Mitangeklagten aus dem Auto holen und nach Schwedt bringen. Noch im Berliner Stadtgebiet flog der dann mit der illegalen Fracht auf. Zwei Tage später sollte ein weiterer Mitangeklagter 50 Gramm Kokain mit einem Verkaufswert von 2000 Euro bei einem Lieferanten in Hohen Neuendorf abholen. Auch dort wartete bei der Rückfahrt bereits die Polizei.

Doch dazu schweigen die 27 bis 47 Jahre alten Angeklagten lieber. Daran kann auch das Angebot des Vorsitzenden Richters Matthias Fuchs nichts ändern, der dem Quintett Strafmilderung bei entsprechenden Geständnissen in Aussicht stellt. Der mutmaßliche Bandenchef J. lässt sich kein Sterbenswort entlocken. Dabei ist der 47-jährige gebürtige Schwedter längst kein unbeschriebenes Blatt. Soll er Kariere in verschiedenen Rockerclubs gemacht haben. Anfang des Jahres sorgte der arbeitslose Wahl-Berliner für Schlagzeilen, weil er von zahlreichen Messerstichen schwer verletzt mitten auf der Straße im uckermärkischen Kunow lag. Die Ermittlungen zu Tätern und Hintergründen laufen noch.

Das Quintett - allesamt laut Staatsanwalt mit Verbindung zu den Hells Angels - hat laut Anklage gemeinsam mit weiteren Bandenmitgliedern arbeitsteilig agiert. J. machte die geschäftlichen Absprachen, organisierte Transport und Weiterverkauf, teilte die Leute für Kurierdienste, Geldeintreibung und als Späher ein. Gewinne wurden je nach Beteiligung aufgeteilt. Dreh- und Angelpunkt der Drogengeschäfte soll ein Tattoostudio in der Nähe des Schwedter Odercenters gewesen sein, das J. wohl gehörte und von der einzigen Frau im Bunde, Stefanie H. betrieben wurde. Sie ist die einzige, die über ihren Anwalt zum Prozessauftakt etwas verlauten lässt und wenige Fragen beantwortet.

Immerhin waren in ihrer Unterwäsche die 50 Gramm Kokain aus Fall zwei gefunden worden. Zudem war die 27-Jährige erst wenige Wochen vorher wegen Drogenhandels vom Amtsgericht Oranienburg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Stefanie H., die inzwischen ebenfalls in Berlin "neu gestartet" ist, hat allen Grund, ihre Tatbeteiligung herunter zu spielen. Doch sie verstrickt sich in Widersprüche zu früheren Aussagen. Geradezu lächerlich wird es, als H. versucht, die bei der Telefonüberwachung gehörten Absprachen durch Neu-Interpretationen zu verharmlosen. Tenor: "Das Grünzeug war für meinen Hasen gedacht und kein Pseudonym für Marihuana, beim Ticken ging es ums Internet und nicht darum, Drogen zu verticken." Der Prozess wird am Freitag nächster Woche fortgesetzt.

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