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Lebensmittelkontrolleure in 27 000 Betrieben unterwegs : Drei Farben zwischen Genuss und Verdruss

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Ein Kontrollbarometer mit drei Farbbalken soll demnächst den Kunden anzeigen, wie die Überprüfung eines Betriebes verlaufen ist. Ekel-Restaurants sollen keine Chance mehr haben.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 07:51 Uhr

Schwerin | Durch neue Verbraucherschutz-Bestimmungen sehen sich die Lebensmittelkontrolleure im Land zunehmend unter Druck gesetzt. Wenn künftig die Ergebnisse ihrer Kontrollen in Gaststätten, in Geschäften oder in Lebensmittel herstellenden Betrieben veröffentlicht werden sollen, brauchen sie mehr Personal. Das jedenfalls mahnte gestern die Landesvorsitzende des Berufsverbandes, Astrid Schönherr, während einer Tagung des Bundesverbandes in Schwerin an.

Ein Kontrollbarometer mit drei Farbbalken soll demnächst den Kunden anzeigen, wie die Überprüfung eines Betriebes verlaufen ist. Ekel-Restaurants sollen keine Chance mehr haben. Für die Kontrolleure heißt das allerdings, noch mehr Details zu dokumentieren, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich den wahrscheinlich zunehmenden Beschwerden der Betriebsinhaber stellen zu können. Die Landkreise und kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen aber nur 72 Lebensmittelkontrolleure. Astrid Schönherr fürchtet, dass nach der Kreisgebietsreform Stellen abgebaut statt aufgestockt werden. Dabei sei es wichtig, sich um Berufsnachwuchs zu kümmern, allein um den Erfahrungsschatz der gestandenen Mitarbeiter weitergeben zu können.

Die Lebensmittelkontrolleure sind in Mecklenburg-Vorpommern für die regelmäßige Überwachung von 27 000 Betrieben zuständig. Darunter befinden sich nach Angaben des Schweriner Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministeriums 13 000 Küchen sowie 8300 Einzelhändler wie Bäcker, Schlachter oder Käseläden. Die Unternehmen sind in unterschiedliche Risikoklassen eingeteilt. Wer Babynahrung herstellt, wird häufiger kontrolliert als ein Getränkemarkt.

Das wünschenswerte Vier-Augen-Prinzip können die Kontrolleure kaum einhalten. Meistens sind sie allein unterwegs. Die Kontrolleure überprüfen die Hygiene in den Betrieben, aber zum Beispiel auch, ob in der Wurst wirklich jene Zutaten stecken, die auf dem Etikett angegeben sind. Vier von fünf Betriebsinhabern, bei denen Mängel festgestellt werden, zeigen sich einsichtig, so Astrid Schönherr. Allerdings steige der Anteil der eher "schwierigen Kunden" im Verlauf der Jahre. Die meisten Probleme bereiten den Lebensmittelkontrolleuren in der Regel jene Betriebe, in denen schlecht ausgebildetes Personal arbeitet oder die Mitarbeiter oft wechseln. Außerdem müssen die Kontrolleure immer häufiger "Nachhilfe" erteilen, weil zum Beispiel die Voraussetzungen gesunken sind, um eine Gaststätte zu eröffnen. "Die fehlende Ausbildung der Wirte müssen wir dann ausbaden", sagte Schönherr.

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