Dorf kämpft für seinen Nachwuchs

Blumen für die Lübzower Ortsvorsteherin Beate Groschinski. Doris Ritzka
Blumen für die Lübzower Ortsvorsteherin Beate Groschinski. Doris Ritzka

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08. Mai 2010, 01:57 Uhr

Lübzow | Mit einer Wahlbeteiligung von 37,8 Prozent zeigten die Lübzower auf der Einwohnerversammlung recht deutlich, dass sie mehr in Perleberg gehört werden wollen. Stimme verleihen wird ihren Anliegen jetzt Beate Groschinski. Einhellig erhielt sie als Ortsvorsteherin das Vertrauen der 34 Anwesenden.

Dann wurde es ein langer Abend mit streckenweise recht emotionalen Debatten. Insbesondere das Thema Spielplatz erregt in Lübzow die Gemüter. Bei 29 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren - fast 30 Prozent der Dorfbevölkerung, wie eine Bewohnerin auflistete - sicher verständlich. Dem Nachwuchs bleibe derzeit nur die Straße oder der Hof.

Im Perleberger Rathaus weiß man um das Problem, so Bürgermeister Fred Fischer. Ein Stück vom Kuchen aus dem Parteivermögen abzubekommen für vier Spielplätze in den Ortsteilen, hat nicht geklappt. Dennoch hat die Stadt 10 000 Euro im Haushalt für Spielplätze eingestellt. Für vier allerdings zu wenig. "Oberste Priorität haben die Vorhaben in Quitzow und Lübzow", betonte Fischer.

Vorausgesetzt die Abgeordneten gehen mit, dann könnte Lübzow mit 5000 Euro für einen Spielplatz rechnen. Angesichts der Preise für Spielgeräte erhielt die Hoffnung aber gleich einen Dämpfer. Die Frage der Lübzower daraufhin - gibt es eine Fördermöglichkeit? Für einen Spielplatz nicht, aber beispielsweise für einen Dorfanger, so Sandra Safran vom Bauamt. Um aber über die Integrierte ländliche Entwicklung in den Genuss einer Förderung zu gelangen, muss dargestellt werden, wie das Vorhaben ein Fundus für die Entwicklung des ganzen Dorfes ist. "Das kriegen wir doch hin", so spontane Äußerungen, und erste Entwürfe eines Angers machten die Runde: Spielplatz, Volleyballnetz, umgestaltetes ehemaligen Feuerwehrhaus und Pavillon oder dergleichen, unter anderem auch als Treff für den neugegründeten Kultur- und Heimatverein - kurzum eine Art Platz, wo sich Jung und Alt ein Stelldichein geben. Der Haken aber, die Ideen dürfen den Finanzrahmen der Stadt nicht sprengen und zum anderen muss eine Förderfähigkeit anerkannt werden.

Dieses "Aber" stieß insbesondere bei Lübzowerinnen auf wenig Gegenliebe. Sie sehen sich und ihren Ortsteil immer wieder hinten angestellt. "In Lübzow passiert nichts, außer das, was wir selber tun."

Diese Einschätzung wurde dann aus den eigenen Reihen etwas relativiert. Denn die neue Straße von Lübzow nach Spiegelhagen sei ein echter Zugewinn und auch der Winterdienst habe super geklappt, abgesehen von kleinen Ausnahmen. Schwer im Magen liegt hingegen, dass von schnellem DSL viel geredet wird aber nichts passiere, und auch mobilfunkmäßig liegt das Dorf im Tal der Ahnungslosen. Irritationen und Schmunzeln gab es hinsichtlich der Einwohnerzahl. Denn auf der tagaktuellen Einwohnerliste fehlte eine Familie, die aber seit längerem in Lübzow wieder zuhause ist.

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