Dörfer setzen auf alternative Energien

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11. Juli 2010, 07:38 Uhr

Güstrow | Noch in diesem Jahr sollen in Mecklenburg-Vorpommern 50 kleine Städte und Gemeinden auf den Weg zu Bioenergiedörfern gebracht werden. Sie wollen u.a. auf Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien umsteigen. Es geht um Windenergie, Solarzellen und Biogasanlagen. "Im Landkreis Güs trow sind zwei Kommunen auf dem Weg, Jürgenshagen und Tellow. Aus dem Landkreis Bad Doberan gibt es bisher keine Gemeinde, die sich erklärt hat", sagt Bertold Meyer von der Akademie für nachhaltige Entwicklung Güstrow. Die Akademie steuert in einem Netzwerk den Prozess. Dazu gehören u.a. der Städte- und Gemeindetag, die Bioenergieregionen Mecklenburgische Seenplatte und Rügen sowie der neue Verein Netzwerk regionale Energie.

In Jürgenshagen diskutierte die Gemeindevertretung vergangene Woche die weitere Verfahrensweise. Man wolle den Weg zum Bioenergiedorf weiter beschreiten. In zwei Wochen, so Bürgermeisterin Elfriede Schmidt, wolle man sich explizit nur mit dem Thema befassen.

Bisher gab es eine Absichtserklärung, Bioenergiedorf zu werden. Dafür bringt Jürgenshagen Voraussetzungen mit. Es gibt acht Windräder in Jürgenshagen und vier in Klein Sien. In Moltenow arbeitet eine Biogasanlage, die eine Schweinemastanlage mit Energie versorgt und auch die Gebäude des Betreibers heizt. Auf den Weg gebracht ist eine Biogasanlage, die die Agrargenossenschaft Jürgenshagen bauen wird. Bürgermeisterin Elfriede Schmidt: "Wir möchten aber auch Einwohner motivieren, sich mit dem Thema zu beschäftigen, weil wir alle auf diesem Gebiet mehr unternehmen müssen." Schmidt betrachtet das auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht, weil es darum geht, sich in Zukunft von bestehenden Energiequellen unabhängig zu machen.

Bertold Meyer begrüßt diese Initiativen. Es gehe um wertschöpfung, Teilhabe und und vor allem um die Rettung der Natur. Meyer nennt ein Beispiel aus Bollewick, wo er Bürgermeister ist. Die dortige Scheune ist mit Fotovoltaikanlagen gedeckt (400 000 Euro), eine Biogasanlage ist entstanden (1,5 Millionen Euro) und es gibt ein Nahwärmenetz (750 000 Euro).

Auch in anderen Teilen des Landes - das wurde auf einer Beratung von mehr als 160 Bürgermeistern, Landwirten und Mitarbeitern aus Verwaltungen in Grevesmühlen deutlich - ist das Interesse groß, erneuerbare Energien noch stärker zu nutzen. Mittlerweile hätten 80 Dörfer aus dem Land ihr Interesse bekundet, Bioenergiedorf zu werden. Elf Dörfer hätten landesweit diesen Schritt in der Gemeindevertretung beschlossen, so Meyer. Das sei die Basis, um Fördermittel vom Land z.B. für Machbarkeitsstudien oder für Teilfinanzierungen zu bekommen.

Ziel der Akademie sei es, erklärt er , in den nächsten zehn Jahren 500 Bioenergiedörfer - 800 Kommunen gibt es im Land - zu haben. Mögliche Investitionen: vier Milliarden Euro.

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