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Lokales

24. September 2017 | 12:23 Uhr

Dömitzer Rentner stirbt einen einsamen Tod

vom

svz.de von
erstellt am 23.Jun.2010 | 07:08 Uhr

Dömitz | Einen recht einsamen Tod hatte ein alleinstehender Mann aus der Wallstraße. Die Leiche des 70-Jährigen war am 14. Juni entdeckt worden, nachdem sich Nachbarn über Verwesungsgeruch beschwert und die Polizei alarmiert hatten. Einige Tage später standen bereits Container parat, um die letzten Habseligkeiten des Seniors auf dem Müll zu entsorgen.

"Anzeichen für ein Fremdverschulden und auch ein Selbstmord liegen nicht vor. Der Rentner ist eines natürlichen Todes gestorben. Das haben unsere Untersuchungen ergeben", sagt Thomas Timm, Leiter der Kriminalpolizei Ludwigslust auf SVZ-Anfrage. Die sterblichen Überreste seien deshalb nun zur Bestattung freigegeben worden, fügt der Beamter weiter an. Bis zum 13. April dieses Jahres haben er und sein Team sich bisher mit 24 Todesfällen, überwiegend Suiziden und Unfällen, befassen müssen, bei denen die Ursache nicht eindeutig gewesen sei. "Im letzten Jahr mussten wir landkreisweit 73 Todesfälle untersuchen lassen", so Timm, der auch wert auf die Aussage legt, dass man sehr eng mit der Notfallseelsorge zusammenarbeite.

Der einsame Tod nimmt von Jahr zu Jahr zu - vor allem deshalb, weil die traditionellen Familienstrukturen auseinanderbrechen und es dadurch immer mehr Alleinstehende gibt, vor allem im Seniorenalter. Trotz intensivem Leichengeruch und überfüllter Briefkästen werden die Toten manchmal erst nach Wochen gefunden. Wenn die sterblichen Überreste dann abtransportiert und in der Gerichtsmedizin näher untersucht werden, beginnt die Arbeit der Ermittler. Sie verschaffen sich Zutritt zu den Wohnungen, sichern das Eigentum, suchen nach Bargeld, Wertsachen und Dokumenten. Das hat einen simplen Grund. Damit die Kommune nicht auf den Bestattungskosten der Verstorbenen sitzen bleibt, müssen die Beamten versuchen, mögliche Verwandte ausfindig zu machen. Diese sind laut Gesetz dazu verpflichtet, für die Bestattungskosten dieser so genannten "Fundleichen" aufzukommen. Bei ihren Recherchen nach Hinterblieben offenbart sich den Beamten dann manchmal die Tragödie einer Vereinsamung.

Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland im Jahr 2006 rund 4,5 Millionen alleinstehende Frauen über 65 und 1,5 Millionen alleinstehende Männer in dieser Altersgruppe. Laut einer Erhebung ist unter den jährlich etwa 13 000 Menschen, die sich in Deutschland das Leben nehmen, jeder Dritte älter als 65; die Suizidrate in dieser Altersgruppe hat in den vergangenen 25 Jahren um 14 Prozent zugenommen. Der Hauptgrund ist Einsamkeit.

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