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Lokales

16. Dezember 2017 | 08:31 Uhr

Dienstbereit und trotzdem Buhmann

vom

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2010 | 07:23 Uhr

Sternberg | Der Juli 2010 hat es in sich gehabt. Noch nie in seiner 16-jährigen Amtszeit habe er einen Monat mit so vielen Einsätzen erlebt, berichtet der Wehrführer des Amtes Sternberger Seenlandschaft Olaf Schröder. Und ist zugleich des Lobes voll, ob dem ehrenamtlichen Engagement der Kameraden in den elf Feuerwehren des Amtes. 246 Frauen und Männer bilden hier den aktiven Kern der Truppen und eilten von Einsatz zu Einsatz, darunter nicht nur Brände, sondern auch Rettungseinsätze oder Verkehrsunfälle.

Ausfall wird erstattet

Viele Alarmierungen erfolgten abends oder nachts, so Olaf Schröder. Umso weniger kann er verstehen, wenn Arbeitgeber wenig Verständnis für die Feuerwehrarbeit zeigen oder Mitarbeiter den Feuerwehrmann neben sich "schief ansehen" oder mobben. "Ohne genaue Statistik, aber ich denke rund 70 Prozent der Einsätze sind ohnehin außerhalb der normalen Arbeitszeiten", meint Olaf Schröder. "Wenn dann einmal ein Kamerad zu einer Weiterbildungs- bzw. Qualifizierungsmaßnahme zur Feuerwehrschule nach Malchow gehen soll, so bringt das wirklich keine Firma um. Kein Arbeitgeber bleibt auf den Kosten sitzen, denn der Kamerad hat einen Anspruch auf bezahlte Freistellung. Der Arbeitgeber bekommt ja laut Brandschutzgesetz MV den finanziellen Ausfall erstattet", erläutert Olaf Schröder.

Er kenne aber genügend Fälle, dass Kameraden lieber ihren Jahresurlaub nehmen, um nicht im Betrieb und wegen der Bitte um zweiwöchige Freistellung beim Chef ungünstig aufzufallen. Das gehe gar nicht. Denn gerade diesen engagierten Menschen stehe ein Erholungsurlaub zu. Und Schule sei nun einmal Schule und kein Urlaub, moniert der Amtswehrführer die ihm zugetragene Praxis und fordert mehr Unterstützung von den Arbeitgebern. "Jeder Kamerad sollte sich der Rückendeckung seines Chefs sicher sein", fordert er.

Bei der Alarmierung mehrerer Wehren in der Nacht werde beispielsweise auch darauf geachtet, dass so rasch wie möglich jene Kameraden herausgelöst werden, die am Morgen wieder zur Schicht müssen. " Bei uns gammelt keiner ab und macht sich einen schönen Tag", versichert er. Natürlich gebe es auch viele positive Beispiele im Amtsbereich. Dazu zählte Olaf Schröder beispielsweise alle Landwirte, die Autowerkstatt von Torsten Reiher, das Biodieselwerk EcoMotion und die beiden Dabeler Metallbauer Jens Peters und Jochen Hecht.

So könne auf lange Sicht auch der personelle Schwund bei den Feuerwehren verhindert oder abgemildert werden. Waren es 2004 im Amt noch 272 Aktive, werden aktuell nur noch 246 Frauen und Männer in den dunkelblauen Uniformen gezählt. In der Stadt Sternberg wurde jetzt eine Dienstanweisung für den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz und Technische Hilfeleistung verabschiedet, berichtet Sternbergs Wehrführer Eckhardt Meyer. In ihr sei geregelt, dass "Ausbildungs-, Schulungs- und Einsatzzeiten sowie erforderliche Zeiten für Wartungsarbeiten nach Einsätzen (...) als abgeleistete Dienst- und Arbeitszeit gelten". Gleiches gelte auch für Ruhezeiten nach größeren Einsätzen. Er hoffe, dass dieses Beispiel bald überall Schule mache, so Meyer.

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