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Lokales

18. Dezember 2017 | 10:06 Uhr

Die Wogen glätten sich

vom

Noch vor Kurzem konnte man nicht sagen, wo die Wirbel größer waren: In der Rinne des neuen Borsten-Fischpasses unterhalb der ehemaligen Brüeler Mühle oder um das etwa 310 000 Euro teure Bauwerk. Doch jetzt sind die einstigen Streithähne auf dem besten Weg, echte Partner zu werden. Und auch in der Fischaufstiegshilfe hin zu den Laichplätzen oberhalb der Stadt wird es bald ruhiger werden.

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2009 | 08:31 Uhr

Brüel | Erstmals waren, wie Politiker heute sagen, belastbare Daten die Grundlage für die Verständigung, nicht unbewiesene Meinungen. Wie kam es zu dem Wandel? Nach einem SVZ-Artikel wurde das Schweriner Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) auf die letztlich verfahrene Situation aufmerksam und holte die Beteiligten - den Wasser- und Bodenverband (WBV) Obere Warnow, das Projektbüro Pöyry ibs und den Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern - an einen Tisch. Zuvor wurden die Fließgeschwindigkeiten in der Rinne festgestellt, in der besonders geformte, senkrecht stehende Riegel aus Borsten den Fischen Schutz vor der Strömung beim Aufstieg bieten. Daher der Name Borsten-Fischpass (BFP). Er wurde bisher insgesamt mehr als 20-mal gebaut, Brüel aber ist das Pilotprojekt für MV, "das noch an den Standort angepasst werden muss", wie der auftraggebende WBV betont. Die Messung ergab, "dass im Einlaufbereich des BFP die Fließgeschwindigkeit noch zu hoch ist", wie Geschäftsführerin Andrea Döring feststellt. Damit habe man allerdings gerechnet. Mario Voigt vom Anglerverband vergleicht genau: Bis zu reichlich 2,5 Meter pro Sekunde beträgt dort die Strömung. Der kritische Wert für eine Bachforelle beispielsweise beträgt nach seiner Aussage 0,8 bis 1,3 Meter pro Sekunde, der Aal kann über eine kurze Zeit 0,47 bis 0,87 überwinden. Im jetzigen Zustand funktioniert der Fischpass nicht. Doch selbst der Erfinder Dr.-Ing. Reinhard Hassinger von der Uni Kassel meint nach Kenntnis detaillierter Fotos, dass die Anlage mit relativ wenig Aufwand arbeitsfähig werden kann. Allerdings hatte er auch Bedenken, ob die Fische ausreichend durch eine sogenannte Lockströmung angeregt werden, den Weg nach oben zu nehmen.

Aus heutiger Sicht ist laut Andrea Döring Folgendes geplant: "Änderungen werden vom Planungsbüro Pöyry ibs erarbeitet und mit Herrn Dr. Hassinger abgestimmt. Lösungen können z. B. sein: Einbau von sogenannten Störsteinen und zusätzlichen Borstenelementen im Einlaufbereich (beides soll die Strömung verringern, d. Red.) oder Errichtung eines Staubauwerkes für die zusätzliche Abführung von Wasser" an dem Fischpass vorbei. Ursprünglich wurde fast die gesamte Wassermenge durch die enge Rinne geführt, was aber bei der Kontrollmessung schon verändert war.

"Die Fische brauchen uns als Anwalt" lautet der beinahe schon Schlachtruf des Landesanglerverbandes, als er immer wieder auf eine Kontrolle der modernen, hier noch einmaligen Anlage drängte. In dieser Rolle will er als Partner bleiben, was tätige Hilfe einschließt. Über die jüngste Entwicklung wurden die annähernd 1200 Mitglieder des Regionalverbandes "Altkreis Sternberg" sofort von Mario Voigt informiert. Etliche der Angler sind bereit, sich in Herbst und Frühjahr an einer wissenschaftlich fundierten und von einer unabhängigen Instanz auszuführenden "Fischzählung" zu beteiligen. In der Fachsprache heißt sie "Effizienzkontrolle", was bedeutet, dass die Arten und die Zahl der Flossentiere ermittelt werden, die in der Rinne stromaufwärts schwimmen. Sollte dann ein negatives Resultat herauskommen, droht eine Rückzahlung der Fördermittel.

Doch das scheint gegenwärtig nur eine theoretische Überlegung zu sein. "Eine Rückforderung von Fördergeldern erfolgt, wenn der Zuwendungszweck nicht erfüllt ist", erklärt Geschäftsführerin Döring, "Wir gehen davon aus, dass nach den genannten Nachbesserungen die Funktionsfähigkeit gegeben und damit der Zuwendungszweck erfüllt ist."

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