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Lokales

20. November 2017 | 05:06 Uhr

Die Viadrina als "Brückenbauerin" Ost-West

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erstellt am 13.Jul.2011 | 06:34 Uhr

Frankfurt | Mit Kähnenflussaufwärts: Die 1506 in Frankfurt an der Oder gegründete Universität - als erste brandenburgische Landesuniversität - wurde 1811 geschlossen, nach Breslau (Schlesien) verlegt und mit der dortigen Universität vereint. "Alles wurde verpackt und verladen und auf Kähnen verschifft", sagt Ulrich Knefelkamp, der heute als Professor an der Viadrina lehrt. Sein Arbeitsplatz ist allerdings in Frankfurt (Oder): Denn vor 20 Jahren, am 15. Juli 1991, wurde die Stadt mit der Neugründung der Viadrina wieder Universitätsstandort. Heute sitzen rund 6300 Studenten in den Hörsälen und Seminarräumen an der Oder.

Vor 200 Jahren war es die große Politik, die zu der Verlegung der Viadrina nach Breslau geführt hatte. Hintergrund ist der Frieden zu Tilsit, als Preußen nach Napoleons Kriegszügen Territorium und damit auch Hochschulen verlor. Zugleich sollte in Berlin eine Hochschule gegründet werden, wie Knefelkamp erklärt. Der Viadrina fehlten Einkünfte und neue Studenten. Ein Gutachten schlug vor, sie nach Breslau zu verlegen. Die dortige Hochschule steckte noch in den Kinderschuhen und sollte erweitert werden. Für die Viadrina - lateinisch "Die an der Oder gelegene" - hieß das Umzug. "Am 10. August 1811 war Schluss", sagt der Frankfurter Stadtarchivar Ralf-Rüdiger Targiel. "Alles wurde mitgenommen, auch die Stöcke aus dem Botanischen Garten." Dazu kamen die Bibliothek, das anatomische Theater und viel Inventar.

Mehr als 170 Jahre später, im Herbst 1989, rückte die alte Universität, an der auch die Brüder Humboldt, Thomas Müntzer und Heinrich von Kleist einst studierten, wieder stark in die öffentliche Wahrnehmung. Ein Verein bündelte Initiativen zur Wiedergründung der ersten brandenburgischen Landesuniversität in der Oderstadt. "Die Forderung nach Wiedergründung der Frankfurter Universität war verbunden mit dem Glauben an einen geistigen Neuanfang in der Stadt", erinnert sich Jürgen Grünberg, der sich seinerzeit für die Idee stark gemacht hat. "Ich habe sehr viel Befürwortung erlebt", sagt er. "Der Wille und der Wunsch der Frankfurter nach dieser Universität war beeindruckend. Als die Zustimmung vom Land kam, brach großer Jubel aus." Am 15. Juli 1991 wurde die neue Bildungsstätte formal mit einer Rechtsverordnung errichtet und am 6. September 1991 eröffnet. 1992 begann dann der Lehrbetrieb. Sie erhielt den Namen Europa-Universität und ist inzwischen eine Stiftungsuniversität.

Mit drei Fakultäten - Jura, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften - ist sie interdisziplinär und international ausgerichtet. "Der große Gewinn sind sicher die vielen jungen Studenten aus aller Welt, die auch unser Stadtbild beleben", meint Grünberg, der von 1991 bis 1992 Viadrina-Gründungsbeauftragter der Stadt war und heute selber lehrt.

Laut Universität stammen 2011 im Sommersemester 23 Prozent der Studenten aus dem Ausland. An der Grenze zu Polen gelegen, schlägt die Viadrina eine Brücke nach Ost- und Mitteleuropa: Mit der Universität Posen (Poznan) unterhält sie in Slubice ein gemeinsames Institut, das Collegium Polonicum.

Nach Einschätzung des Viadrina-Präsidenten Gunter Pleuger verfügt die Universität mit ihrer Lehre und Forschung, den internationalen Kontakten und der Grenzlage über optimale Voraussetzungen, sich in den nächsten Jahren als "innovative Forschungs- und Lehreinrichtung" im Zentrum Europas weiter zu entwickeln. "Die Viadrina wird im internationalen Wettbewerb der Universitäten nur als exzellente kleine Universität eine Chance haben", sagt der frühere Diplomat. "Ihr Standort im Einzugsbereich der Metropole Berlin und der Grenze zu Polen erlaubt keine Mittelmäßigkeit."

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