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Lokales

18. November 2017 | 02:12 Uhr

Die tödliche Rache des Rigoletto

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erstellt am 15.Okt.2010 | 10:29 Uhr

Rostock | Den Scarpia in der Oper Tosca hat er bereits gesungen, ebenso den Mandryka in der Oper Arabella und den Fliegenden Holländer. Doch der Rigoletto, der fehlte Olaf Lemme bislang noch. "Der war für mich immer eine Wunschpartie", sagt der Sänger aus dem Ensemble des Rostocker Volkstheaters. Nun geht sein Wunsch in Erfüllung: Am heutigen Sonnabend um 19.30 Uhr feiert die Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi im Großen Haus Premiere - mit ihm in der Hauptrolle.

Für die junge Gilda (Jamila Raimbekova) ist die Liebe des Herzogs von Mantua (Garrie Davislim) ein Tor zu einem neuen Leben. Ihr Vater, der bucklige Hofnarr Rigoletto (Olaf Lemme), hält seine Tochter vor aller Welt verborgen. Am Hof ist er derjenige, der für gute Laune zu sorgen hat. Privat achtet er streng darauf, dass sein Ein und Alles, Gilda, nicht mit der schmutzigen Welt des Hofes mit ihrem liebestollen Herzog in Kontakt kommt. Als die Höflinge Rigoletto eins auswischen wollen und seine Tochter - im Glauben, es handle sich um seine Geliebte - entführen, bricht seine Welt zusammen. Als ihm Gilda auch noch ihre geheime Liebe zum Herzog offenbart, gibt es für seine Eifersucht kein Halten mehr. Doch Rigolettos tödliche Rache kehrt sich am Ende gegen ihn selbst.

Schauspielerische und gesangliche Herausforderung

"Nachdem ich den Fliegenden Holländer gesungen hatte, dachte ich, es gibt nichts Schwereres", sagt Lemme. "Doch das stimmt nicht: Der Rigoletto ist noch schwerer." Da habe er all seine schauspielerische Erfahrung einbringen müssen. Denn: "Wer kann sich schon in einen buckligen Narren reinversetzen." Hinzu komme die gesangliche Herausforderung: Lange Arien, viele Duette - er stehe fast ununterbrochen auf der Bühne. Schon im Mai habe er begonnen, sich auf die Oper, die auf Italienisch vorgetragen und ins Deutsche übersetzt wird, vorzubereiten, sagt der 46-Jährige. Seit 1991 arbeitet er am Rostocker Volkstheater. Abgesehen von Gastspielen in Schwerin, Cottbus, Lübeck und Leipzig kam ein Wechsel nicht in Frage. "Ich hatte nie den Mut, freischaffend zu sein." Außerdem fühle er sich mit dem Haus verbunden. "Hier in Rostock habe ich die Chance bekommen, viel auszuprobieren", sagt Lemme. Als er angefangen habe, sei er eine schauspielerische Niete gewesen. Stück für Stück habe er sich alles erarbeitet, auch seine Vielseitigkeit.

"Toll, dass wir einen Sänger im Ensemble haben, der solch einer Partie gewachsen ist", sagt Dramaturg Bernd Hobe. Lemme passe in die Rolle, vom Sängertyp, von der Stimme, von der Statue und auch vom Alter her. Nachdem die Oper Rigoletto seit 1991 nicht mehr am Volkstheater inszeniert worden sei, komme sie jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt. Neben der Hauptrolle seien auch die anderen Rollen "mit tollen, neuen, jungen Ensemble-Mitgliedern" optimal besetzt. Hobe spricht von einem "schönen Sängerniveau". Und auch die Musik selbst verleitet ihn zum Schwärmen. "Verdi selbst hat gesagt, dass Rigoletto eines seiner besten Stücke ist", sagt der Dramaturg. Das Innenleben des Hofnarren, der seine Tochter verliert, spiegele sich grandios in der Musik wider.

Wunschpartie sorgt für Lampenfieber

Verdi habe was vom Singen verstanden, sagt auch Lemme. Die Oper sei gut aufgeteilt. Der 1. Akt, in dem sich der Herzog in seinem Palast auf einem rauschenden Fest amüsiert und der Hofnarr mit den Gästen seinen üblichen Spott treibt, sei zum Aufwärmen. Die größte Herausforderung stelle der 2. Akt dar. "Hier gibt es sehr exponierte Musik und ich kann nicht abspannen", sagt der Sänger, der in diesem Akt als Rigoletto seine von Höflingen entführte Tochter im Palast des Herzogs findet und Rache schwört. Emotional am anstrengendsten sei hingegen der 3. Akt, in dem Gilda beobachtet, wie der Herzog versucht, Maddalena (Takako Onodera) zu verführen. Sparafucile (Mikko Järviluoto), von Rigoletto mit der Ermordung des Herzogs beauftragt, wird dazu überredet, statt des Herzogs den nächsten, eintreffenden Fremden zu töten. Gilda opfert sich.

Normalerweise, sagt Lemme, habe er sein Lampenfieber gut unter Kontrolle. Die Auftritte am Rostocker Volkstheater seien für ihn wie Heimspiele. "Doch bei solch einer Rolle bin auch ich aufgeregt", sagt der Barriton. Endlich auch einmal den Rigoletto zu singen, bedeute ihm viel. Nach diesem Debüt fehlen ihm nicht mehr viele Partien auf seiner Liste. "Mittlerweile habe ich fast alles gemacht." Den Jochanaan in der Oper Salome, den Orest in der Oper Elektra und den Eugen Onegin möchte er allerdings schon noch singen. Vielleicht bekommt er in den kommenden Jahren Gelegenheit dazu.
Weitere Vorstellungen:
21. Oktober um 15 Uhr, 28. Oktober um 19.30 Uhr, 19. November um 19.30 Uhr und 3. Dezember um 19.30 Uhr im Großen Haus des Rostocker Volkstheaters

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