Die Suche nach dem Abendsegler

Nabu-Mitglied Otto Zepper mit einem Fledermauskasten. 15 davon hängen im Lübzer Wald.
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Nabu-Mitglied Otto Zepper mit einem Fledermauskasten. 15 davon hängen im Lübzer Wald.

Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist und keine Insekten mehr fliegen, ziehen sich auch die Fledermäuse in Quartiere zurück, in denen sie den Winter verschlafen. Für Naturschützer die beste Gelegenheit, ihre Bestände zu zählen.

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11. Februar 2009, 06:45 Uhr

Lübz/Plau am See | "Fledermäuse mögen es im Winter kalt, feucht und dunkel", sagt Gerhard Stoßhoff, während er und sein Kollege Henning Striebe den Fledermauskeller der Stadt Lübz mit ihren Taschenlampen durchleuchten. Die Mitglieder der Ortsgruppe des Nabu (Naturschutzbund) sind auf der Suche nach den kleinsten Säugetieren der Welt. Januar bis März ist dafür die beste Zeit, weiß Ralf Koch, Fledermausexperte und Mitarbeiter in der Naturparkverwaltung Nossentiner/ Schwinzer Heide. Dann nämlich fahren die Tiere ihre Körpertemperatur aus Mangel an Nahrung nach unten, ziehen sich in vorwiegend alte Gemäuer zurück und sinken in den Winterschlaf.

Der einstige Munitionskeller auf dem Hof des Volkspolizeiamtes in Lübz ist dafür ideal, zumal er für die nachtaktiven Flughunde mit großen Ziegelsteinen, in deren Ritzen siechlüpfen können, extra umgebaut wurde. Dennoch haben die Nabu-Mitglieder bei ihrer Suche kein Glück. Gerhard Stoßhoff: "Woran es liegt, dass die Fledermäuse den Keller meiden, kann ich nicht sagen."

Abendsegler kehren immer an die gleichen Orte zurück"Fledermäuse sind sehr traditionsbewusste Tiere", weiß Ralf Koch, die immer wieder an den selben Ort zurückkehren, solange die Bedingungen für sie günstig sind. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Nabu-Gruppe die kleinen Flughunde auch schlicht und einfach übersehen haben. Er rät bei der Spurensuche, auch vor dem Quartier nach kleinen braunen Kotkrümeln Ausschau zu halten. Die sind Indiz dafür, dass die Tiere die Herberge zu irgendeiner Zeit angeflogen haben. Seit 20 Jahren beschäftigt sich Ralf Koch bereits mit den Abendseglern, führt Zählungen durch, hält Vorträge. Er hat beobachtet, dass es eine schleichende Vernichtung von Kleinquartieren gibt. "Früher war es gang und gäbe, dass sich im Kartoffelkeller ein braunes Langohr den Winter über zurückzog. Viele Hausbesitzer haben den Untermieter gar nicht bemerkt." Heute hingegen werden aus Kartoffel- oft Heizungskeller.

Laute klingen wie Perlen, die auf den Boden fallenIn dem alten Kellergewölbe der Plauer Burg gibt es die Fledermäuse hingegen noch. Sie kauern ungestört zwischen den Mauerspalten oder hängen mit ihre kleinen Krallen allein oder im dreier Knäuel an der Wand. Insgesamt 26 Tiere - 22 Fransen-, zwei Wasserfledermäuse und zwei braune Langohren - hat Ralf Koch bei seiner gestrigen Zählung, die er einmal jährlich durchführt, gesichtet. "Das entspricht etwa der Anzahl vom vergangenen Jahr", so der Experte. Die Dunkelziffer kann aber noch um einiges höher ausfallen, in der Finsternis des Gebäudes kann schnell ein fünf bis sieben Zentimeter großes Tier übersehen werden. Neben dem Burgkeller ist auch der Dachboden von St. Marien ein beliebtes Quartier bei den Fledermäusen - in jeder Jahreszeit.

In Lübz halten sich die kleinen Insektenvertilger im Sommer gern in den 15 eigens angefertigten Fledermauskästen auf, die die Nabu-Mitglieder im Wald Im Neuen Teich angebracht haben. Gesehen und gehört hat Gerhard Stoßhoff sie dort schon. Der pensionierte Lübzer verfügt nämlich über einen so genannten Fledermausdetektor, der die Ultraschalllaute der Tiere in Töne übersetzt, die auch für das menschliche Ohr wahrnehmbar sind. "Das klingt wie Perlen, die von einer Kette auf den Boden fallen", sagt er. Nur derzeit, wenn die Tiere Winterschlaf halten, nützt ihm das Gerät nichts. Erst Ende März, Anfang April, wenn die ersten Insekten geschlüpft sind, kann man die Fledermäuse nachts wieder fliegen sehen.

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