Die Stimme Mecklenburgs

<fettakgl>Das ehemalige  Wohnhaus</fettakgl> von Friedrich Griese (Markower Mühle) beherbergt  heute ein Kinderkurheim. Es trägt den Namen des Schriftstellers.<foto>Thomas Zenker</foto>
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Das ehemalige Wohnhaus von Friedrich Griese (Markower Mühle) beherbergt heute ein Kinderkurheim. Es trägt den Namen des Schriftstellers.Thomas Zenker

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17. März 2010, 07:03 Uhr

Parchim | Zum zweiten Mal lädt der Parchimer Heimatbund am Sonnabend dieser Woche zu einem Friedrich-Griese-Tag ein. Anliegen dieser künftig in regelmäßigen Abständen stattfindenden Veranstaltung soll es sein, dass Griese (1890 - 1975) im Gespräch bleibt und (nicht nur) Parchimer wieder Lust bekommen, zu seinen Büchern zu greifen. Fällt doch die Blütezeit seines Früh- und seines Hauptwerkes unmittelbar in seine Zeit in Parchim und Umgebung: Friedrich Griese war von 1913 bis 1926 als Lehrer in Stralendorf tätig und kehrte nach seiner Lehrer- und Dichterzeit in Kiel 1935 erneut nach Parchim zurück. Ihm eilt der Ruf voraus, ein moderner Pädagoge gewesen zu sein und seine Arbeit als Berufung gelebt zu haben. "Vieles, was er hier erlebt und bewirkt hat, ist in sein Werk eingeflossen, das stark geprägt ist vom Darzer Moor. Schade, dass viele Parchimer das gar nicht wissen", bedauert Dr. Klaus-Dieter Feige zutiefst. Der Matzlower gehört gemeinsam mit Museumsleiter Wolfgang Kaelcke zweifellos zu den profundesten Griese-Kennern. Im Vergleich zu Kaelcke vertiefte sich Dr. Feige aber erst vor etwa zehn Jahren und damit relativ spät in dessen Bücher, die ihn seitdem nicht mehr los lassen. "Ich bin von seinen Werken übermannt. Da hat jemand schon vor 70 Jahren geschrieben, wie ich heute denke und fühle. In seinen Worten entdecke ich mein Zuhause, meine Heimat", gesteht Dr. Feige, der zum Beispiel als Ornithologe selbst eine starke Bindung zur Natur hat und dem Dichter brillante Verhaltensstudien etwa von Eisvögeln sowie im Spätwerk eine ausgesprochene Artenkenntnis bescheinigt. Für die beiden Heimatbundmitglieder steht sogar fest, dass Griese "die eigentliche Stimme Mecklenburgs" ist - die es immer noch schwer habe, von der offiziellen Kulturpolitik wahrgenommen zu werden, wie die beiden Initiatoren des Griese-Tages bedauern. Der Schriftsteller siedelte 1947 in die Lüneburger Heide über, nachdem er einer Denunziation wegen im Zuchthaus Altstrelitz und in Fünfeichen einsitzen musste. Griese steht bei einigen Literaturkritikern in der Kritik, ein Blut- und Boden-Dichter gewesen zu sein. Wolfgang Kaelcke und Dr. Klaus-Dieter Feige weisen diesen Vorworf entschieden zurück: "Grieses Bücher sind von einer christlich-humanistischen Grundhaltung geprägt", sagen sie. Das Weltbild des Dichters würde sich z. B. auch in dem Parchim-Roman "Bäume im Wind" erschließen. Eben den literarischen Stellenwert seines Werkes möchte der öffentliche Griese-Tag, der von Parchims Bürgermeister Bernd Rolly erneut mit einem Grußwort eingeleitet wird, wieder ins Gedächtnis rücken. Es gehe nicht darum, den Dichter zu verklären, sondern ihm die verdiente ausgewogene Beurteilung zukommen zu lassen. Griese selbst übte in seinem 1960 erschienenen autobiografischen Roman "Der Wind weht nicht, wohin er will" öffentlich Selbstkritik, sich nicht entschieden vom Nationalsozialismus distanziert zu haben. "Lest seine Bücher am besten selbst", möchten Wolfgang Kaelcke und Klaus-Dieter Feige in die Welt herausrufen. Griese-Einsteigern kann der Museumsleiter zum Beispiel "Das Kind des Torfmachers" oder "Das Dorf der Mädchen" empfehlen. Dr. Feige würde sich mit "Bäume im Wind" oder "Winter" an diesen Autor herantasten. Allerdings sind dessen Bücher nur noch antiquarisch erhältlich. Das Parchimer Museum bewahrt sein schriftstellerisches Schaffen fast vollständig.

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