Rockband Omega im Interview : "Die Scorpions waren unsere Vorband"

Die lange Mähne ist seit Jahrzehnten sein Markenzeichen: Omega-Frontmann Janos Kóbor. Ole Steffen Klein
Die lange Mähne ist seit Jahrzehnten sein Markenzeichen: Omega-Frontmann Janos Kóbor. Ole Steffen Klein

Die ungarische Rockband Omega gilt seit fast fünf Jahrzehnten als populärste osteuropäische Rockband. Zum Bandjubiläum hat sich die Band viel vorgenommen. Uli Grunert sprach mit dem" Omega"-Sänger.

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11. Dezember 2010, 04:20 Uhr

Potsdam | Die ungarische Rockband Omega gilt seit fast fünf Jahrzehnten als populärste osteuropäische Rockband. Zum bevorstehenden 50. Bandjubiläum haben sich die Musiker um Janos "Mecky" Kóbor viel vorgenommen. Uli Grunert sprach mit dem "Omega"-Sänger.

Herr Kóbor, ihre Band Omega hat den Ruf, die am längsten aktive Rockband Osteuropas zu sein. Wann ging ihre Karriere tatsächlich los?

Wir haben am Gymnasium angefangen, Musik zu machen. Das war 1959. Wir hatten keine Lust, traditionelle ungarische Tanzmusik zu machen. Elvis war unter Budapester Jugendlichen sehr populär, aber natürlich kamen wir an den nicht heran. Als dann aber in England Cliff Richard ähnliche Sachen machte, schöpften wir Hoffnung. Wir sagten uns: Was die Engländer da machen, das können wir auch!

Wer von Ihren Bandmitgliedern kam eigentlich auf den wirksamen griechischen Buchstaben "Omega" als Markenzeichen der Gruppe?

Wir hatten noch keinen eigenen Namen, als wir in zu einem Auftritt in den Club der Technischen Hochschule Budapest eingeladen wurden. Der Club-Leiter fragte uns, welchen Namen er auf das Plakat schreiben sollte. Wir antworteten: Das ist uns egal. Hauptsache, wir können spielen. Als wir am Abend in den Club kamen, hingen dort Plakate mit: Heute spielt "Omega". Ich fragte: Wer ist denn das? Der Clubleiter antwortete: Das seid ihr!

Im Jahr 1968 hatte Omega mitten im Kalten Krieg als erste Band aus dem Ostblock die Gelegenheit, in London eine Langspielplatte zu produzieren. Das klingt unglaublich?

Unglaublich? Ich weiß nicht, als DDR-Band wäre uns das 1968 mit Sicherheit nicht passiert. Aber wir hatten Glück: Wir wurden als Vorgruppe für ein Konzert von Spencer Davis Group und Traffic in Budapest engagiert. Dort lernten wir deren Manager John Martin kennen. Ihm gefiel unsere Show, er lud uns spontan nach London ein. Dort spielten wir schließlich im Marquee Club. Decca, bei dem auch die Rolling Stones unter Vertrag waren, bot uns einen Plattenvertrag an. So kam es, dass unsere erste Langspielplatte unter dem Titel "Red Star" in England veröffentlicht wurde.

Im Jahr 1970 schafften Omega den internationalen Durchbruch mit dem Hit "Gyöngyhajù làny" (Perlenhaariges Mädchen), der in der Version von Frank Schöbel ("Schreib es mir in den Sand") in der DDR ein großer Erfolg wurde. Was hat sich damals für sie geändert?

Wir hatten die Gelegenheit, den Song auf Festivals in Palma de Mallorca und in Tokio vorzustellen. Danach mausterte sich der Titel zu einem Welthit, wurde unzählige Male gecovert. Nach Frank Schöbel haben auch die Scorpions den Song bearbeitet und in den 1990er-Jahren unter dem Titel "White Dove" veröffentlicht. Zu den Scorpions hatten wir in den 1970er-Jahren einen guten Draht. Sie waren damals unsere Supportband in Westdeutschland. Später war es umgekehrt.

Ihre Band teilte sich die Bühne auch mit Rock-Göttern wie The Who, Queen und den Rolling Stones. Hatten Sie da nicht Riesen-Lampenfieber?

Die Stones haben ja ungefähr zur gleichen Zeit angefangen wie wir. Warum sollten wir da Angst vor ihnen haben? Wir wollten immer unser Ding machen. Aus Rock n Roll wurde Beat und Rock. Dann kam unsere Hard Rock-Phase, aber bald war mir klar, daß wir nie an Deep Purple oder Black Sabbath heranreichen würden. Deshalb war der Weg in den Space Rock genau der richtige.

Auf der neuen CD "Omega Rhapsody" arbeiten sie mit großem Orchester. Das scheint gerade im Trend zu sein.

Wir wollen auf keinen Trend aufspringen. Es ging mir vielmehr darum, aus ausgewählten Songs das Potenzial heraus zu arbeiten, was bei der Ersteinspielung noch nicht vollständig zur Geltung kam. 2011 möchten wir die Rhapsody zusammen mit einem Symphonie-Orchester in ausgewählten Opern-Häusern vorstellen. 2012 feiern wir dann unser 50. Band-Jubiläum mit einer rein instrumentalen Omega-Symphony. Zusätzlich spielen wir ein neues Rock-Album ein. So wie es aussieht, werden wir die meiste Zeit des kommenden Jahres im Studio verbringen.

Von den Puhdys kennen wir den Begriff der Rocker-Rente. Können Sie damit etwas anfangen?

Es gibt in Ungarn viele Bands, die immer wieder laut ihre Abschiedstournee oder ihr Abschiedskonzert ankündigen. Und dann doch weitermachen. Auch eine Art von Marketing. So etwas haben wir nie gemacht. So lange unsere Fans uns hören wollen und so lange wir gesund bleiben, spielen wir weiter.


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