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Lokales

21. September 2017 | 05:05 Uhr

Die schönsten Wahlversprechen

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2011 | 07:21 Uhr

Schwerin | "Das Ding ist in deutscher Sprache verfaßt, unzweifelhaft - aber irgend etwas in der Druckerei muß feucht geworden sein: der Verfasser, das Papier oder der Setzer ..." (Kurt Tucholsky)

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Von wegen: Wer ein Wahlprogramm hat, hat die Qual. Denn nun muss er lesen.

FDP: Krasser Verkehr im TV

Beispielsweise das Programm der FDP in Mecklenburg-Vorpommern, in dem mit der Idee einer klaren, einfachen Sprache doch recht neoliberal umgegangen wird. So nämlich: "Zudem wollen wir Möglichkeiten zur Schaffung eines vorfinanzierten Darlehensfonds für kleinteilige F&E-Projekte ausloten sowie Mechanismen zur Unterstützung von Ausgründungen und von wissensbasierten Betriebsübernahmen optimieren." Ein fürwahr krasser Satz, so recht geeignet, Jung und Alt hinterm Nichtwähler-Ofen hervorzulocken. Die Freien Demokraten können aber auch großteilig: "Neben den wichtigen Präventionsangeboten in Schulen wünschen wir uns die Einrichtung einer wöchentlichen Verkehrssendung beim NDR- Fernsehen, ähnlich der viele Jahre erfolgreich in der ARD gelaufenen Verkehrssicherheitssendung ,Der 7. Sinn". Das wünschen sich sicherlich fast alle Mecklenburger und Vorpommern auch ganz dringend. Nach dem siebten Schnaps.

CDU: Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Apropos Fahne: Noch dringender harrt ein Versprechen der CDU der "Realisierung": "Deshalb wollen wir durchsetzen, dass ab 2012 an allen öffentlichen Gebäuden, öffentlichen Einrichtungen und Institutionen an jedem Tag die Fahne unseres Bundeslandes, die Fahne der Bundesrepublik Deutschland und die Fahne der EU wehen". Und wenn gerade kein Wind weht? Dann gibts einen Eintrag ins himmlische Klassenbuch: "Die Einführung von Kopfnoten für Mitarbeit, Ordnung, Fleiß und Betragen bleibt das Ziel der CDU". Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Linke: Wein, Weib und Schulden

Genau, nun sind die Linken auch im Spiel. Offenbar hatten die vaterlandslosen Gesellen wieder mal nur Wein, Weib und Gesang im Kopf, als sie ihr Programm häkelten: "Auch durch das in den vergangenen Jahren entstandene Netz der außerparlamentarischen Frauenstrukturen konnte kontinuierlich auf eine Verbesserung der Situation der Frauen und Mädchen im Land hingewirkt werden. Die Linke setzt sich für den Erhalt und die Förderung dieser Strukturen ein". Man weiß nicht so recht, ob dies eine Drohung sein soll: Erst liebt man ein feurig Weib und nach fünf Jahren sitzt eine außerparlamentarische Frauenstruktur am Frühstückstisch. Der man dann auch noch jeden Tag das nächste Wahlversprechen der Linken predigen muss: "Wir wollen grundsätzlich keine neuen Kredite aufnehmen und langfristig Schulden tilgen". Außer Genosse Holter ist gerade mal wieder anderer Meinung.

Grüne/Freie Wähler: Bingo - Technik, die begeistert

Hilfe in finanzieller Hinsicht kommt aber von den Grünen. Ihr Versprechen: "die Bingo-Umweltlotterie fortzuführen". Mit der gewonnenen Knete wird dann vermutlich gleich die Wirtschaft angeleiert. Bei den Grünen selbstverständlich so: "Wir werden uns für eine Neugründungsprämie für die Gründung von kleinen bis mittelgroßen landwirtschaftlichen Ökobetrieben in Form von Klein-Krediten einsetzen. Besondere Beachtung sollen dabei neue Imkereien und Wanderschäfereien finden." Das ist gut so, denn insbesondere die einst so stolze Wanderschäferei-Branche im Lande hat doch Federn lassen müssen. Von da spannt sich der rote Wollfaden direkt zu den Freien Wählern, die ihrerseits einer Boom-Technologie auf die Sprünge helfen wollen. Sie versprechen "die Schaffung von Produktlinien für die Kohlenstoffchemie durch die Förderung der Zusammenarbeit von Universitäten, Hochschulen und Landwirtschaft." Welcher Kohlenstoffchemiker da federführend an der Erarbeitung des Programms beteiligt war, ist noch unbekannt.

SPD: Märchenhafte Regierung

Kein Wahlprogramm, sondern gleich ein "Regierungsprogramm" präsentiert die SPD. Märchenhaft! Womit der geneigte Leser auch schon im Wald steht: "Wir werden uns dafür einsetzen, dass für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes und als Grundlage für den Tourismus die Wälder erlebbar und zugänglich bleiben." Außer es ist gerade eine dieser Monsterfällmaschinen am Werke - denn nur acht Zeilen später heißt es: "Wir werden die Forstbetriebsgemeinschaften weiter entwickeln, um damit den Holzwirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern zu stärken."

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