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Altenpflegerin mit ungewöhnlichen Mitbewohnern : Die Schlangenfrau von Rastow

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Jedem, der Wohnung von Martina Heitmann zum ersten Mal betritt, ist schlagartig klar, dass hier eine außergewöhnliche Tierfreundin wohnt - mit Hang zur Exotik. Die Altenpflegerin ist mit Tieren aufgewachsen.

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erstellt am 07.Jan.2011 | 06:13 Uhr

Rastow/Schwerin | Als Martina Heitmann die weiße Haustür öffnet, beginnt ihr kleiner Terrier-Mischling ONeil zu bellen. Im Wohnzimmer sitzt Papagei Kali und ruft "Hau ab", sobald ein Gast durch die Tür tritt. Zwei Boas schlängeln sich träge im großen Terrarium, das im hinteren Teil der Wohnstube steht. Jedem, der diese Wohnung zum ersten Mal betritt, ist schlagartig klar, dass hier eine außergewöhnliche Tierfreundin wohnt - mit Hang zur Exotik.

Die Altenpflegerin ist mit Tieren aufgewachsen. Ihr Vater war Schäfer in Carlshof, einem Dorf bei Grabow. Als kleines Mädchen machte sie manchmal ihre Hausaufgaben auf einer Weide, inmitten der blökenden Tiere. "Ich bin damit groß geworden, Tiere zu lieben und auch Tiere zu töten", erinnert sich Martina Heitmann. Im Alter von neun Jahren musste sie zum ersten Mal eine Ente schlachten. Unter Tränen. Doch ihr Vater hatte darauf bestanden. Noch heute schlachtet die Frau mit den kurzen blonden Haaren selbst. Vor allem Gänse. "Mir macht das nichts - ich kenne das nicht anders", sagt die 50-Jährige.

Schlangen bekommen Kaninchen zu fressen

Ihre erste Schlange bekam Martina Heitmann von ihrem Lebenspartner geschenkt. Und wenn es ans Füttern der beiden Boa Constrictors geht, ist Martina Heitmann nicht zimperlich. Für diese kauft sie extra Lebendtiere im Fachhandel. Eine solche Riesenschlange verschlingt ein Kaninchen in einem Stück, das kann bis zu vier Stunden dauern. "Nach der Fütterung sind die Schlangen für zweieinhalb Monate satt", weiß die Fachfrau. Ihren Hund schließt sie während der Fütterung ein. Denn er ist nicht wesentlich größer als ein Kaninchen, die Schlange könnte auch ihn verschlingen. Selbst Menschen sind vor der Schlange nicht sicher. Noch ist die größere der beiden Abgottschlangen, wie die Boas auch genannt werden, "nur" zwei Meter lang. Doch ausgewachsene Exemplare können eine Körperlänge von dreieinhalb Meter erreichen. Es ist die Gefahr, die Martina Heitmann an den Kriechtieren so sehr fasziniert. "Es sind Wildtiere und ich muss mich nach ihnen richten - sie richten sich nicht nach mir", sagt sie. Gerade das sei das Spannende. Vor allem bei der Häutung und wenn die Schlangen hungrig sind, muss sie Acht geben.

Vogelspinne soll kleinen Privatzoo bereichern

Viele ihrer Verwandten allerdings teilen ihre Risikofreude nicht. "Mein Schwager betritt gar nicht erst meine Wohnung", sagt die Wahlschwerinerin und lacht. Mit krächzender Stimme stimmt ihr Neuguineischer Edelpapagei in ihr Lachen ein. Bis zu 70 Jahre alt kann der Papagei mit dem leuchtend bunten Gefieder werden. Auch die Schlangen leben lange. "Das sind eben Tiere fürs Leben", sagt Heitmann und ihre goldenen Ohrringe schwingen im Takt ihrer Worte mit. Ihren kleinen Privatzoo möchte Martina Heitmann gerne noch erweitern. Wiederum um ein exotisches Tier: "Eine Vogelspinne würde sich sehr gut in meinem Terrarium machen", sagt die 50-Jährige. Nur ihr Lebensgefährte, der macht bei dieser Idee ausnahmsweise nicht mit.

Auch in ihrem Arbeitsumfeld ist die besondere Tierliebe von Martina Heitmann bekannt. Viele haben auch dort gemischte Gefühle, wenn sie von ihrem Hobby erzählt. Aber die Altenpflegerin ist überzeugt, dass gerade bei der Betreuung von Demenzkranken ihr diese Erfahrungen zugute kommen. "Die alten Menschen richten sich ebenfalls nicht nach mir, sondern ich muss auf sie eingehen", sagt Heitmann.

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