zur Navigation springen
Lokales

19. August 2017 | 01:54 Uhr

Die Schiffe haben Vorfahrt

vom

Neuhof/Grebs | Die Freizeitkapitäne brauchen es, damit sie mit ihren Booten vorwärts kommen. Die Lewitz-Fischer brauchen es, damit sich die Fischzucht rechnet, und die Landwirte brauchen es, damit das Ernten Ertrag bringt. Das Wasser der Müritz-Elde-Wasserstraße ist begehrt, doch trockene und heiße Sommermonate haben dafür gesorgt, dass nicht genug Wasser für alle Interessenten da ist.

1,20 Meter: Steht das Wasser in den tieferen der 32 Teiche des Lewitz-Fisch-Betriebs in Neuhof durchschnittlich so hoch, dann haben die Karpfen genug Nahrung und Sauerstoff, und, wie es Chef Hermann Stahl nennt, "keinen Stress". Seit dem 8. Juli drohen den Tieren stressigere Zeiten, denn seit diesem Zeitpunkt ist der Wasserzulauf aus der Müritz-Elde-Wasserstraße und dem Störkanal in die Lewitz-Teiche um die Hälfte reduziert worden. "Die Schifffahrt hat absolute Priorität", erklärt Michael Lückstädt, Dezernent für Gewässerkunde im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu). Und da die Wasserstraße immer so viel Wasser führen müsse, um eben dies zu gewährleisten, werde der Wasserstand reguliert. Zwar habe man in diesem Sommer vom starken Niederschlag und der geschlossenen Schneedecke im Winter und den damit verbundenen vollen Schweriner und Müritzer Seespeichern profitiert, doch die trockenen Monate hätten diese Regulierung trotzdem nötig gemacht.

Rund 20 Zentimeter, so Stahl, würden derzeit zur normalen Stauhöhe in den Fischteichen fehlen. "Gehen noch weitere 30 ab, dann ist der kritische Punkt erreicht", sagt der Betreiber, der sich über jedes Gewitter, jeden Schauer und jeden Nieselregen freut. Ebenso wie Landwirt Detlef Möller.

Möller ist einer von zwei Geschäftsführern der Grebser Landerzeuger GmbH, der, wie zahlreiche andere Landwirte in der Region auch, vom Wasser der Müritz-Elde-Wasserstraße profitiert. Wenn denn genug da ist. Rund vier Kilometer lang ist der Zuläufer von der Wasserstraße zu einem ausgeklügelten Grabensystem, das rund 700 der 1300 Hektar großen Anbaufläche des Grebser Betriebes bewässert. Bei Mais und Grünland rechnet der 50-Jährige in diesem Jahr mit Ertragseinbußen von 30 bis 40 Prozent. "Wenn der Wasserzulauf aus der Wasserstraße nicht gedrosselt worden wäre, hätten wir zwar einen geringeren Schaden, aber ganz ohne wären wir auch so nicht geblieben", sagt Möller. Dass die Einbußen so hoch sein werden, dafür macht er die an manchen Tagen sengend heiß scheinende Sonne verantwortlich, die ihm buchstäblich die Felder verbrannt hätte. In Zukunft will Möller sich weiter vom Elde-Wasser unabhängiger machen. Einen Tiefbrunnen haben die Grebser schon gebaut, zwei weitere sind in Planung.

Wie lange noch die Wasserzufuhr in Teiche und Gräben auf halber Kraft läuft, steht noch nicht fest. Lewitz Fisch-Chef Stahl nimmts noch bedingt gelassen. Er hält Kontakt zu den zuständigen Behörden und hofft, dass die Stauhöhe nicht weiter fällt, denn gestresste Fische, die will er nun gar nicht haben.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Aug.2010 | 05:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen