Im Winter auf die Hilfe ihrer Umwelt angewiesen : Die Rollstuhlfahrerin und der Schnee

Ohne fremde Hilfe kann Irene Kruse ihr eingeschneites Auto nicht schneefrei bekommen. Eine Garage könnte den Missstand beheben. Die war schon vor elf Jahren vom Vermieter versprochen, gebaut wurde der Schutz nie. Thorsten Meier
Ohne fremde Hilfe kann Irene Kruse ihr eingeschneites Auto nicht schneefrei bekommen. Eine Garage könnte den Missstand beheben. Die war schon vor elf Jahren vom Vermieter versprochen, gebaut wurde der Schutz nie. Thorsten Meier

Vom Behindertenverband in Ludwigslust fühlen sich die Kruses im Stich gelassen: "Dort setzt man sich nicht für uns ein." Weil die Garage fehlt, brauchen sie Hilfe um ihr Auto schnee- und eisfrei zu bekommen.

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29. Dezember 2010, 08:18 Uhr

Grabow | "Ich sitze im Rollstuhl und keiner hört mir zu", schimpft Irene Kruse. Die 54-Jährige leidet seit dem siebten Lebensjahr unter der Glasknochenkrankheit und sitzt seit 1998 im Rollstuhl. Auch ihr Mann Bernd wurde vom Schicksal nicht verschont, hat spastische Lähmungen, kann sich nur schwer verständlich machen und braucht einen Rollator, um mobil zu sein.

Vor elf Jahren war das Ehepaar Kruse in den Amselring gezogen. "Ausschlaggebendes Argument für uns war das barrierefreie Wohnen zur Miete und die Aussicht auf eine Garage", erinnert sich die gebürtige Polzerin. Doch alles kam ganz anders. "Die Garagen, vier sollten es werden, sind nie gebaut worden. Stattdessen kammen weitere Wohnungen hinzu. Zwischen den beiden Häusern gibt es sieben Stellplätze. Doch wir kommen da gar nicht hin", berichtet Bernd Kruse. Der 61-Jährige ist ebenso empört wie seine Frau. Denn das Auto des Ehepaares steht seitdem an der Straße. "Im Sommer heizt sich der Wagen zwischen 40 und 50 Grad Celsius auf. Jetzt im Winter wird er eingeschneit. Wenn uns nicht ab und zu ein hilfsbereiter Nachbar helfen würde, könnten wir das Auto überhaupt nicht nutzen. Könnten nicht einmal zum Einkaufen fahren."

Mehrfache Anfragen an den Vermieter seien bisher ergebnislos geblieben, beklagen die Kruses weiter, die versuchen, so lange wie möglich selbstständig zu bleiben und nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Drei bis vier Meter hinter ihrer Wohnung endet das Grundstück. Dahinter beginnt öffentliches Grün.

"Einen Carport würden wir zur Not ja noch selbst bezahlen, aber warum sollen wir gleich ein ganzes Grundstück kaufen, um ihn darauf bauen zu lassen", fragt sich Irene Kruse, seit die Stadt signalisiert habe, die Fläche sei zu erwerben. "Der Bürgermeister hat uns sogar angeboten eine Garage in der Nähe des Waldbades zu nutzen. Doch wie sollen wir denn da hin und wieder zurück kommen?"

Vom Behindertenverband in Ludwigslust fühlen sich die Kruses ebenfalls im Stich gelassen. "Dort setzt man sich nicht für uns ein, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist", sagt Irene Kruse, während sie im Rollstuhl sitzend demonstriert, wie weit sie selbst ihr Auto schnee- und eisfrei bekommt. Nämlich so gut wie gar nicht. Nachfragen beim Vermieter verliefen gestern ergebnislos, da dort im Büro bis 5. Januar 2011 Urlaub ansteht. Lediglich Bürgermeister Ulrich Schult stand für eine Stellungnahme zur Verfügung. "Es hat bereits mit dem Eigentümer der Mietwohnung ein Gespräch gegeben. Er kann die Fläche hinterm Haus pachten oder kaufen. Doch bisher hat er sich bei uns als Stadt nie wieder gemeldet. An einer Lösung des Problemes arbeiten wir also schon", sagte der Stadtobere gegenüber der SVZ.

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