Die Regenzeit spült alles weg

Lale Rohrbeck verbringt ein Jahr in Afrika.
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Lale Rohrbeck verbringt ein Jahr in Afrika.

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23. Oktober 2010, 01:57 Uhr

Rögnitz/Kampala | Zwölf Monate Afrika, ein Jahr fernab der Heimat - nun geht das Abenteuer bald zu Ende. Eine Reise vom Schaalsee an den Viktoriasee nach Uganda, die nicht im Zeichen von Urlaub und Entspannung steht. "Hilfe zur Selbsthilfe" lautet das Motto des Entwicklungshilfeprojekts, an dem die 19-jährige Abiturientin aus Rögnitz mitarbeitet. Von ihrer Arbeit aus Afrika berichtet sie in loser Folge:

Die letzten drei Monate meines Freiwilligendienstes sind angebrochen, und nun geht es noch mal so richtig in den Endspurt. Seit einiger Zeit arbeite ich nun mit dem neuen Freiwilligen von "artefact" (meine Endsendeorganisation) zusammen. Das funktioniert sehr gut und das Projekt geht so schnell voran wie noch nie. Wir haben das Projekt "Crafts Against Poverty" nun mit einigen jungen Frauen aus der Umgebung gestartet. Zunächst haben wir einige Workshops durchgeführt, zur Herstellung der festen Handcreme und und möglichen Verkaufsstrategien. Nun sind die Frauen an einem Punkt an dem sie selbst die Creme herstellen können und sich bemühen sie in der Umgebung zu verkaufen, auf der Straße, an Shops oder auf Märkten. Sie entscheiden selbst wie oft in der Woche sie sich bei YSA treffen (dort haben wir eine Cremeküche eingerichtet) und wie viel Creme sie dann nachproduzieren. Sie stellen außerdem zwei verschiedene Arten von Verpackung her. In der Zwischenzeit erkundigen wir, die Freiwilligen, uns nach größeren Abnehmern wie Kosmetikläden oder Craftsshops.

Die Frauen arbeiten sehr selbstständig und treffen alle Entscheidungen, die das Produkt und den Verkauf betreffen. Auch die Kooperation mit der anderen Organisation in Bushenyi funktioniert sehr gut. Meine Mitfreiwillige dort war vor kurzem in Soroti, dem Distrikt von Uganda der ebenfalls ins Projekt einbezogen werden soll, hauptsächlich durch den Verkauf der Creme. In Soroti herrscht eine sehr hohe Rate an Malariaerkrankungen. Die feste Handcreme enthält Citronellaöl, das Moskitos fernhält. Beim letzten Besuch stellten wir fest, das unsere Kontaktfrau dort bereits eine Gruppe von zehn Frauen zusammen hatte, die alle motiviert darauf warteten mit dem Verkauf zu beginnen. Die Creme hierfür wird dann in Kampala und in Bushenyi von den Frauengruppen produziert. Schon auf der Taxifahrt dorthin verkaufte meine Mitfreiwillige zehn Cremes an Mitfahrer. Ich glaube auf Reisen wird sehr gern diese Art Produkt gekauft, auch in großen Reisebussen ist es üblich das während einer fünfstündigen Fahrt zirka drei Vertreter für Kosmetik oder Medizin ein Stück mitfahren und ihre Produkte vorstellen. Das funktioniert sehr gut, die Leute kaufen sehr viel, vermutlich als Geschenke für ihre Familien. Unseren Förderungsantrag für das Projekt haben wir nochmals an viele Organisationen geschickt. Durch die kleinen Spendengelder die wir schon erhalten haben, war es uns möglich in kleinen Rahmen zu beginnen. Geld für Zutaten und Verpackungsmaterial kommt durch den Verkauf der Creme wieder rein. Somit funktioniert das Projekt auch ohne große Gelder und ist bereits nachhaltig, nur in etwas kleinerem Rahmen.

Die Regenzeit hat begonnen, deutlich spürbar, wenn man während eines Regenschauers in der Innenstadt ist. Alle Straßen weichen auf, überall schwimmt Müll in Pfützen und Menschen wie Transportmittel sind ein einziges Durcheinander. Alle rennen sich gegenseitig über den Haufen, Stau ist so schlimm wie nie, Menschen pieken sich gegenseitig Regenschirme in die Gesichter, Frauen stülpen sich panisch Plastiktüten über die Haare (sonst geht die allseits beliebte Kunsthaarfrisur kaputt und alle Chemikalien werden rausgespült). Man findet nur mit sehr viel Glück ein Taxi, in dem noch ein Platz frei ist. Hat man eines gefunden, muss man erst noch mit zehn wild gewordenen Anderen kämpfen, die ebenfalls den Platz wollen. Wirklich faszinierend, eine Stadt, die eigentlich an Regen gewöhnt sein sollte, geht völlig im Chaos unter, sobald es regnet. Die einzigen, die sich plötzlich wundersam organisieren und über beide Ohren strahlen, sind die Regenschirmverkäufer.

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