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Sozialer Brennpunkt : „Die Platte immer im Hinterkopf"

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Dort, wo das Volx-Mobil auftaucht, brennt es. Sozial im Abseits, häufig sogar mehrfach benachteiligte Menschen wohnen und leben dort, versuchen ihr Leben zu meistern. Nun zieht das Team in einen anderen Kiez um.

svz.de von
erstellt am 17.Nov.2011 | 12:22 Uhr

Dort, wo das Volx-Mobil auftaucht, brennt es. Sozial im Abseits, häufig sogar mehrfach benachteiligte Menschen wohnen und leben dort, versuchen ihr Leben zu meistern. Das Streetworker-Team des in der Trägerschaft der Evangelischen Jugend Schwerin beheimateten Gefährts traf ein Jahr lang im Brennpunkt "Otto-Lilienthal-Straße" in Neustadt-Glewe Kinder und Jugendliche, junge Mütter und auch Familien, die das Leben nicht von der Schokoladenseite her erlebt haben, die immer ihre Heimat, "die Platte", im Hinterkopf tragen.

Das Volx-Mobil reist nun ab, wird für die nächsten zwölf Monate in Hagenow-Kiez halten, um dort mit den Bewohnern gemeinsam Konzepte für ein besseres Miteinander zu erarbeiten. In der Otto-Lilienthal-Straße bleibt die Neue: Sozialarbeiterin Johanna Saguan. Die 28-jährige Mutter dreier Kinder bietet sich dort jüngsten wie älteren Einwohnern als Gesprächspartnerin und Helferin zur Selbsthilfe im Stadtteilbüro an.

Johanna Saguan sowie ihre Volx-Mobil-Mitstreiter Hauke Drephal und Thomas Ruppenthal veranstalteten vorgestern das zweite St. Martinsfest im und vor dem Stadtteilbüro. Die soziale Einrichtung scheint ein bekannter und beliebter Treffpunkt zu sein. Der Zulauf war beachtlich und es entwickelte sich trotz winterlichen Temperaturen eine wärmende Atmosphäre zwischen den Gästen aus der Straße. Den Kindern bereitete das Verkleiden besonders viel Vergnügen, und auch die Aufführung des St. Martin-Spiels war dann für sie ein Klacks. Diese für einige Zeit scheinbar heile Welt habe jedoch Risse, die nicht zu übersehen seien, berichtet das Trio im Gespräch mit der SVZ.

Allein die Abgrenzung der meisten Bewohner in den neueren Hochhäusern gegenüber "den Menschen aus der Platte" teile Menschen und Straße, spricht Johanna Saguan unverblümt diesen Spalt an. "Ich fühle mich hier wohl, weil die Arbeit exakt den Vorstellungen entspricht, die ich mir in meinem Beruf vorstelle. Besonders am Herzen liegt mir der Kontakt zu Müttern mit kleinen Kindern. Sie ,abholen, um gemeinsam neue, positive Schritte für ihre Zukunft in Angriff zu nehmen, dazu bin ich jederzeit ansprechbar", zeigt die Sozialarbeiterin eines ihrer Betätigungsfelder auf. Zum öffentlichen "Müttertreff" lädt Johanna Saguan immer mittwochs von 10 bis 12 Uhr ein. Dort sollen soziale Kompetenzen gestärkt werden. "Besonders arbeitslose Frauen und Mütter möchte ich anbieten, auf die Suche nach Chancen zu gehen", lädt die Sozialarbeiterin ein.

Ein weiteres Angebot ist der regelmäßig donnerstags von 15 bis 17 Uhr stattfindende "Mädchentreff". Ich möchte kreativ versuchen, jungen Mädchen bei der Entdeckung ihrer Identität zu unterstützen. Auf diesem Wege können streit- und gewaltbereite Teenager sich zu wertvollen Mitgliedern sozial-harmonisierenden Gruppen entwickeln, lautet eine andere Zielstellung. Allerdings müssten die Menschen ins Stadtteilbüro kommen, erklärt Saguan: "Ich nehme niemandem Verantwortung ab oder stülpe gar über. Soziale Kompetenz muss in einem wachsen."

Die Angebote sollten die angesprochenen Mütter möglichst bald nutzen, denn die Stelle ist erst einmal für ein Jahr ausgeschrieben und zu je die Hälfte aus Landkreismitteln und von der Stadt Neustadt-Glewe finanziert. Allerdings ist dieses Angebot auch ein sehr junges, denn die noch Neue hat ihre Arbeit erst zu Beginn des Monats aufgenommen. Je größer die Nachfrage der Bewohner, desto wichtiger werden diese Anliegen für die Finanzierer.

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