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Lokales

11. Dezember 2017 | 03:15 Uhr

Die Nerven liegen blank

vom

svz.de von
erstellt am 07.Apr.2011 | 07:35 Uhr

Mödlich | Die Notwendigkeit der in dieser Woche begonnenen Bauarbeiten auf der B 195 zwischen Lenzen und Dömitz hat keiner der anwesenden Einwohner bestritten. Massive Kritik äußerten Mittwochabend in der Fischerkate Mödlich jedoch Anlieger der Umleitungsstrecke. Diese führt über Seedorf, Breetz und Polz nach Dömitz. Zu schmal, zu gefährlich lautet das Urteil.

"Es handelt sich um eine einspurige Straße, an der Lkw nicht aneinander vorbei kommen", sagt Kurt Wilke aus Seedorf, zugleich stellvertretender Bürgermeister von Lenzen. Schon jetzt würden Lkw stellenweise rückwärts fahren, um einen entgegenkommenden Brummi Platz zu machen. Weniger rücksichtsvolle Fahrer weichen aus, zerstören Bankette und zum Teil Privateigentum.

"Nimmt der Verkehr durch die Umleitung zu, ist das nicht mehr zumutbar, das Dach bebt, die Häuser bekommen Risse", schimpft die Seedorferin Heidrun Schulz. Es gebe keinen Gehweg, Passanten seien gefährdet. Vom Krach während der Nachtstunden wolle sie gar nicht reden. "Der ist enorm", bestätigt Horst Oppenhäuser aus Breetz.

Die Kritik prasselt auf den Landesbetrieb für Straßenwesen als Auftraggeber nieder. Der Vorwurf der Anwohner: "Sie haben sich nie ernsthaft mit der Umleitungsstrecke befasst." Ihre Forderung: "Umleitung weiträumig über Grabow." Ihre Drohung: "Wir machen eine Sitzblockade in Seedorf, stoppen den Verkehr."

Bereichsleiter Jürgen Frank nimmt die Kritik zur Kenntnis, wiegelt nicht ab, "aber warum erfahren wir erst jetzt mit Baubeginn davon und nicht schon im Herbst, als wir über den Straßenbau und die Umleitung informiert haben", entgegnet er. Nun sei es fast zu spät, um Maßnahmen zu ergreifen. Beispiels-

weise hätte man die Strecke an besonders engen Stellen verbreitern können.

Frank räumt ein, dass die Umleitung Schwächen hat, "aber es ist die einzig zur Verfügung stehende". Den Verkehr über Grabow umzuleiten sei unrealistisch, Kraftfahrer würden sich nicht daran halten. Eine Sperrung der Landesstraße über Breetz für Lkw sei ebenfalls nicht durchsetzbar. "Aber wir nehmen die Hinweise ernst, werden uns die Strecke noch einmal anschauen", verspricht Jürgen Frank.

Anwohner der B 195 müssen bis November mit teils erheblichen Einschränkungen rechnen. "Aber jedes Grundstück wird erreichbar bleiben, niemand wird abgeschnitten", versichert Jan Lüttwitz vom Baubetrieb. Während einer Vollsperrung seien die Grundstücke über die Umleitungsstrecke entweder aus Dömitz oder aus Lenzen kommend erreichbar. Die größten Einschränkungen wird es während der Asphaltarbeiten geben. "Der muss abkühlen, stundenweise werden dann einige Grundstücke gar nicht anfahrbar sein", so Lüttwitz.

Busunternehmen seien informiert, der Schülerverkehr damit auch. Über Verlegung der Haltestellen müssen die Verkehrsbetriebe selbstständig informieren. Gewerbetreibende sollten ihre Zulieferer bzw. Speditionen auf dem aktuellen Stand halten.

Im Vorfeld habe man sich bereits mit den Tourismusanbietern verständigt und weitgehende Kompromisse gemacht: "Über die Osterfeiertage und Pfingsten sowie an den Wochenenden wird nicht gearbeitet. Das ist für eine Terminbaustelle keine Selbstverständlichkeit", betont Sven Rosenow vom Landesbetrieb. Die Umleitungsschilder würden während der Wochenenden abgedeckt. Hotellerie und Gastronomie hätten außerdem die Möglichkeit, mit zusätzlichen Schildern entlang der Umleitung für sich zu werben. Die Zufahrt zur Fähre nach Lenzen sei jederzeit frei.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Familie Dreßler mit diesen Kompromissen zufrieden. Sie wies nochmals daraufhin, dass der Landesbetrieb zugesagt habe, die Umleitungsschilder an den Wochenenden vollständig abzudecken. Der Baubetrieb habe davon noch nichts gewusst, meint Jan Lüttwitz. Er sei davon ausgegangen, dass die Schilder mit Klebeband ungültig gemacht würden.

Lüttwitz bat die Anwohner, sich mit Fragen und Kritik direkt an den Bauleiter zu wenden, im Gespräch Lösungen für individuelle Probleme zu finden. Ergebnisse der Baubesprechungen würden in den Schaukästen veröffentlicht und an die örtliche Presse gegeben. Dazu bittet Jürgen Frank die Gemeinde bzw. die Amtsverwaltung um Unterstützung.


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