Die nächste Perle an der Ostsee

Öffnet heute seine Pforten: Das Vier-Sterne-Superior-Hotel steht dort, wo sich zuvor die Bauruine des Kreiskrankenhauses und ehemaligen Kurhauses befand.upstalsboom
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Öffnet heute seine Pforten: Das Vier-Sterne-Superior-Hotel steht dort, wo sich zuvor die Bauruine des Kreiskrankenhauses und ehemaligen Kurhauses befand.upstalsboom

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31. März 2011, 06:00 Uhr

Kühlungsborn | Auch nach Ende der sogenannten Betten-Förderung durch Land und Bund wird an der Ostsee kräftig weiter investiert. In diesem Jahr steht die Eröffnung von Hotels und Herbergen mit Gesamtinvestitionen von 250 Millionen Euro an. Zu den 180 000 Betten im Nordosten kommen 2000 hinzu. Unter den neuen Häusern befinden sich moderne Erholungs- und Wellness-Hotels in Ostseebädern wie Heringsdorf oder Kühlungsborn. Daneben erwarten aber auch Feriendomizile mit hohem symbolischen Charakter ihre ersten Gäste. Auf der Insel Rügen öffnet im einstigen "Kraft durch Freude-Bad"-Prora der mehr als vier Kilometer lange Komplex eine Jugendherberge. "Diese Investitionen machen die Attraktivität des Standortes MV deutlich", freut sich Tourismusverbandschef Bernd Fischer. Heute bekommt die Küste eine neue Perle der gehobenen Hotellerie: die Upstalsboom Hotelresidenz & Spa Kühlungsborn - mit 38 Millionen Euro aktuell die größte touristische Investition.

Wiener Café, Smoker`s Lounge und Genießer-Restaurant

Die gläserne Eingangstür liegt etwas erhöht über der Ostseeallee. Gerade so viel, wie es Platz braucht für die halbrunde Auffahrt, auf denen die Autos der gehobenen Klasse vorfahren werden. Wenn die Koffer ausgeladen sind und die Gäste dem Portier den Autoschlüssel anvertraut haben, werden sie hinter der Glastür über den beigen Marmorboden zur Reception gehen oder noch eine Weile in den schweren Sesseln in der Lobby warten. Das wäre die Gelegenheit, die zahllosen Kristalle am modernen Kronleuchter zu zählen oder sich von seinen Lichtreflexen bezaubern und in Urlaubsstimmung versetzen zu lassen. "Mut zum Luxus haben wir auf jeden Fall", räumt Hoteldirektor Thomas Peruzzo ein.

Vor genau einem Jahr hatte er sein Büro in einem Baucontainer eingerichtet, um den Neubau des Vier-Sterne-Superior-Hotels zu begleiten. "Aber Luxus heißt in unserem Fall nicht Ausgrenzung", rückt Peruzzo seine Maßstäbe zurecht. "Im Gegenteil, er lädt ein." Von Luxus redet der Gastgeber sowieso nicht gern. "Das Wort ist abgegriffen", findet er und bezeichnet sein Haus lieber als "mondän". "Moderne trifft Klassik" habe die Aufgabe für die Innenarchitekten gelautet. Und so finden sich im Hauptrestaurant mit Gartenanschluss gerade Linien, orange Stoffe und alte Balken als Wandverkleidung. Die Smoker`s Lounge wiederum verströmt derart viel des dunklen, ledernden Charmes der vorigen Jahrhundertwende, dass schon Mut dazu gehört, sich zu seiner F6 zu bekennen. Das Wiener Café mit seinen leichten Thonet-Stühlen hingegen entführt in die Zeit der Sacher-Torte und der Melange. Wer im "Genießer-Restaurant Brunshaupten" sich zum Sechs-Gänge-Menü mit Salzwiesenlammrücken, Trüffeln und ausgesuchtem Bio-Käse aus der Region für 119 Euro entschließt, sitzt unter einer Deckenbeleuchtung, die wie eine Ansammlung überdimensionierter Nachttischlampen anmutet.

Fast jeder Einheimische kam in dem Krankenhaus zur Welt

Sein Luxus soll anziehen und nicht abschrecken, sagt Peruzzo. Die Konflikte zwischen dem luxuriösen Grandhotel und der Bevölkerung im nahen Heiligendamm sind ihm durchaus bekannt. Abschotten kann er sich schon allein wegen der 1000 Gastronomieplätze nicht. "Da hoffen wir auf die Laufkundschaft", sagt Peruzzo. Selbst wenn die 152 Zimmer und 18 Suiten ausgebucht sind, reichte die Zahl der Gäste nicht aus, um alle Restaurantplätze zu besetzen. Außerdem baut Peruzzo auf eine gewisse Verbundenheit der Kühlungsborner mit seinem Haus. Schließlich ist bis 1996 fast jeder Einheimische in dem Krankenhaus zur Welt gekommen, das bis 2006 an der selben Stelle leer stand und nach und nach verfiel. Die Architektur der Hotelresidenz erinnere in ihren Grundzügen an das alte Krankenhaus, das wiederum 1906 als Kurhaus Brunshaupten erbaut worden war. Es bedarf allerdings einigen Wohlwollens, um die Ähnlichkeit des neuen Hotels mit dem Vorgängerbau, von dem kein einziger Stein stehen geblieben ist, auf alten Postkarten zu entdecken. Peruzzo aber bleibt dabei: "Wir geben den Kühlungsbornern ein Stück ihrer Geschichte wieder." So manche Familienfeier sei deshalb längst gebucht worden.

Die volle Breite des gehobenen Angebots des Hotels bleibt allerdings den Hausgästen vorbehalten. Den ersten Stock dominiert ein 1300 Quadratmeter großer Spa-Bereich. Dort lassen sich moderne Fitness-Geräte per Chip-Karte direkt auf die Wünsche des Nutzers oder der Nutzerin einstellen. Ein höllisches Rot beleuchtet den Vorraum zu den verschiedenen Saunen.

Teuerste Suite für 1200 Euro in der Nacht

Während das Doppelzimmer für 150 Euro keine allzu hohe Hemmschwelle für Gäste mit gehobenen Ansprüchen darstellen dürfte, kann sich die 1200 Euro für die Luxus-Suite im Dachgeschoss nun wirklich nicht jedermann leisten. Das Bad mit seiner freistehenden Wanne ist größer als die "einfachen" Zimmer in den unteren Etagen. Der Bioethanol-Kamin versprüht moderne Gemütlichkeit, die Antik-Kommode verleiht dem Raum das Mondäne, der Weinschrank und die beiden riesigen Flachbild-Fernseher sind für die Moderne zuständig. Der Blick über die Ostsee wird hier oben von keiner Strandpromenaden-Kiefer mehr verstellt. Nun war Kühlungsborn bislang bekannt und erfolgreich, wenn es darum ging, das touristische Publikum eher in seiner Breite anzusprechen. Was könnte es also sein, das jemanden in eine teure Suite locken könnte? "Kühlungsborn entwickelt sich immer mehr", macht sich Peruzzo ein wenig Mut. "Wir haben hier inzwischen den Yachthafen, die längste Promenade an der Ostseeküste und nebenan in Basthorst auch den höchsten Ausblick."

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