Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

<strong>Durchblick:</strong> Im Wirrwarr der Zelte, Autos und Camping-Busse ist es nicht einfach für die Techno-Freunde, immer das  eigene Basiscamp zu finden.
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Durchblick: Im Wirrwarr der Zelte, Autos und Camping-Busse ist es nicht einfach für die Techno-Freunde, immer das eigene Basiscamp zu finden.

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18. Juli 2010, 05:43 Uhr

Neustadt-Glewe | Sie brauchen kaum Schlaf, dafür gute Kondition und Musik. Viel Musik. Die bekommen die Freunde der elektronischen Töne auf dem Airbeat One-Festival rund drei Tage lang - und das ohne Unterbrechung.

Wo auf dem Segelflugplatz Neustadt-Glewe die grünen Landebahnen zu Ende sind, steigt die Riesenparty. Auch wenn erst es bei Einbruch der Dunkelheit vor den Hauptbühnen und in den Musikzelten voll wird: Eine Ruhe vor dem Sturm gibt es nicht. Dafür einen Campingplatz gleich nebenan , auf dem es rund um die Uhr aus allen Boxen dröhnt.

Ennriko hat den Überblick. Shorts, T-Shirt, Sonnenbrille im Haar - so sitzt der 21-Jährige auf dem Dach seines Kastenwagens in einem Campingstuhl und schaut in die Runde. Seinen Spitznamen hat er schon weg. Bademeister sagen die, die am Basislager der Techno-Freunde aus Kiel vorbeikommen und zum Straßen- und Tiefbauer hochschauen. Ennriko ist erst am Sonnabend angereist, viele seiner Kumpels schon einen Tag vorher. "Dass die anderen schon länger da sind, sieht man doch, oder?" Ja, sieht man. Müde Augen, verschwitzte Shirts, Sonnenbrand. Ennrico sagt, das er heute halblang machen werde. Schließlich sei er der Fahrer und müsse am Sonntag einigermaßen fit sein für die Rückreise. Sein Mitreisender Marcel sieht das anders. Ein Zelt, wie sie zu Hunderten rum herum aufgebaut sind, braucht er nicht. Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da - er wird durchmachen, tanzen zu der Musik, zu den hämmernden Bässen, zu dem Rhythmus und zu dem Takt, den die über 100 Disc Jockeys an diesem Wochenende vorgeben.

Einer dieser Djs ist "Darkcore". Er steht auf einer dieser kleinen Bühnen mitten im Camp und dreht an den Knöpfen eines Mischpultes. Wie viel Watt die Anlage hat, das weiß er nicht genau, aber sie ist laut, so laut, wie es die eingeschworene Festival-Gemeinde mag. Seit sieben Jahren legt der Bremer Platten auf. Hier, beim Airbeat One-Festival, hat er schon zwei Stunden lang Electro-Sound gespielt. Später am Abend ist er noch einmal an der Reihe. "Dann lege ich mit Tana im Main Circus auf", sagt Darkcore, der eigentlich Florian heißt und gelernter Fahrzeuglackierer ist.

Main Circus - dieser Bereich gehört schon zu dem Areal, in dem abends die Bekannteren der Szene spielen. Dominik Eulberg, Felix Kröcher, Toni Rios oder Lexy & K-Paul. Ihre Musik landet nicht in den Mainstream-Hitlisten, aber dort wollen sie die Fans auch gar nicht sehen. "Wäre es Mainstream, dann wäre der Reiz doch weg. So ist man immer noch unter sich", sagt Marcel.

Unter sich - das sind an diesem Wochenende immerhin 10 000 Festival-Besucher. "So viele waren noch nie da", sagt ein Mitarbeiter des Veranstaltungs-Teams. Angefangen hat alles vor neun Jahren, da waren es noch 2000 Besucher, die wenig Schlaf brauchten und gute Kondition hatten.

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