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Lokales

21. August 2017 | 04:54 Uhr

Die Musterung wird ausgemustert

vom

Schwerin | Für Millionen junge Männer war die Musterung in den vergangenen fünf Jahrzehnten ein spannendes Ereignis, beinahe ein Ritus. Auch in Schwerin, wo im vergangenen Jahr rund 9300 junge Männer gemustert wurden. Damit wird es jedoch bald vorbei sein. Denn nach dem Willen von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird mit Aussetzung der Wehrpflicht auch die ärztliche Tauglichkeitsuntersuchung hinfällig. Die Reaktionen in Schwerin sind gespalten.

Im Schweriner Kreiswehrersatzamt stehen die Zeichen auf Abdankung. "Das Hauptgeschäft eines Kreiswehrersatzamtes ist die Musterung - wenn diese wegfällt, ist das für uns ein gravierender Einschnitt", sagt Melanie Ihde, Leiterin des Kreiswehrersatzamtes. Es ist zusammen mit dem Musterungszentrum in Neubrandenburg zuständig für das gesamte Land Mecklenburg-Vorpommern sowie für die Stadt Lübeck und den Landkreis Herzogtum Lauenburg.

Amtsleiterin Ihde sieht das Schweriner Kreiswehrersatzamt von schwerwiegenden Folgen betroffen, sollten sich die Pläne konkretisieren. Sie wünscht sich daher handfeste politische Entscheidungen. "Bundestag und Bundesrat haben noch nichts beschlossen, deshalb fehlt uns bisher die Handlungsgrundlage", so Ihde. Daher bleibe der Verwaltung vorerst nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Soziale Einrichtungen und Verbände in Schwerin sehen mit der Aussetzung der Wehrpflicht Probleme auf sich zukommen. Denn mit dem Wegfall würde auch der bisherige Zivildienst hinfällig werden. Für das Deutsche Rote Kreuz in Schwerin arbeiten aktuell drei Zivis. "Nicht auszudenken, wenn diese Stellen wegfallen würden", sagt Mitarbeiterin Ingrid Kik. Der Kreisverband sei auf diese Stellen angewiesen, so Kik.

Viele Einrichtungen planen allerdings schon seit längerem mit einem starken Rückgang der Zivildienstleistenden. "Uns trifft das nicht unvorbereitet ", sagt Christiane Lazarus, Personalleiterin der Sozius Pflege- und Betreuungsdienste gGmbH. Aktuell gibt es dort noch acht Zivildienstleistende. Für die Zukunft plane man, vermehrt junge Erwachsene für ein Freiwilliges Soziales Jahr einzustellen.

Unter jungen Männern aus Schwerin sind auch zustimmende Töne zu hören. "Ich bin sowieso für die Abschaffung der Wehrpflicht", sagt beispielsweise der 19-Jährige Ole Marten. Er halte es aber für wichtig, einen Ersatz für den Zivildienst zu schaffen.

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erstellt am 14.Sep.2010 | 07:49 Uhr

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