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Polizei vermutet Hintermänner auch im Ausland : Die Masche mit dem verlorenen Enkel

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Pfiffige Rentnerin: Einen Enkeltrick-Betrüger hat erst jüngst eine 88-jährige Schwerinerin gekonnt abgewehrt. Wie die Polizei mitteilte, wurde sie von einem bisher unbekannten Mann angerufen. Die fitte Dame legte auf.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 12:16 Uhr

Schwerin | Pfiffige Rentnerin: Einen Enkeltrick-Betrüger hat erst jüngst eine 88-jährige Schwerinerin gekonnt abgewehrt. Wie die Polizei mitteilte, wurde sie von einem bisher unbekannten Mann angerufen. Die fitte Dame quittierte seine Worte: "Tante Lotti, hier ist Michael" mit dem Hinweis auf die Alarmierung der Polizei und dem Abbruch des Gesprächs.

Der Enkeltrick ist keine Seltenheit mehr. Die Masche der Täter ist dabei immer die gleiche: sie rufen einen älteren Menschen an und geben vor, ein Familienangehöriger zu sein, der in Geldnot steckt. Wenn der Angerufene zustimmt, dem vermeintlichen Enkel oder Neffen zu helfen, erklärt der Täter, er könne das Geld nicht selbst abholen und schicke einen Bekannten vorbei. Dieser holt dann das Geld - oft Tausende Euro - vom Opfer an der Haustür ab.

Zwar informiert die Polizei die Senioren inzwischen über dieses Vorgehen und auch Mitarbeiter von Banken sind sensibilisiert. Dennoch: "Die Zahlen steigen und die Täter werden immer erfolgreicher", sagte Joachim Ludwig, Kriminalhauptkommissar in Köln und Experte für den Enkeltrick.

Vertrauen geschaffen

Der Polizeibeamte beschäftigt sich seit Jahren mit der Straftat, kennt Täter und Opfer genau. Er weiß, warum die Gauner oft Erfolg haben. "Die Opfer sind vor allem Frauen, die 75 Jahre und älter sind und allein leben", kons tatierte Ludwig. Aufgrund ihres Alters litten viele von ihnen an Demenz. Er zitierte eine aktuelle Studie der Barmer, nach der 47 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer über 75 an Demenz erkrankt sind. "Allerdings wird die Krankheit bei der Hälfte der Betroffenen festgestellt", betonte der Beamte. Viele Opfer könnten sich also schon bald nach der Tat nicht mehr an das Geschehene erinnern.

Ludwig räumte auch mit verbreiteten Vorstellungen auf. "Den Satz ,Rate mal wer dran ist gibt es nicht", erklärte der Experte. Vielmehr führten die Täter mit möglichen Opfern ein normales Gespräch, um Vertrauen zu schaffen. Außerdem seien beim Enkeltrick keine Einzeltäter am Werke. "Es handelt sich um organisierte Kriminalität, hinter der ein mafios organisiertes Netzwerk aus mehreren Familien steckt", erklärt Ludwig. Um die tausend Roma, die vor allem in Polen leben, rechnet er dazu. Wie dieses Netzwerk arbeitet, sei bekannt, sagte der Experte. Die Opfer werden stets aus dem Ausland angerufen, wahllos und täglich etwa 100 Personen. "Sie suchen nach alt klingenden Namen und versuchen es so lange, bis es klappt. Danach machen sich ,Abholerteams auf den Weg zu den Opfern und holen das Geld ab." Trotzdem sei die Bekämpfung des international operierenden Netzwerkes schwierig. "Es fehlt bisher ein einheitliches Konzept in Deutschland", bemängelte Ludwig. Dies sei jedoch notwendig, da "aufgrund der demografischen Entwicklung diese Straftaten weiter zunehmen werden".

Am Problem vorbei

Auch die präventiven Maßnahmen gingen oft am Problem vorbei. "Jeder weiß, dass er Geld nicht Fremden geben soll, denkt bei der Tat aber nicht daran", erklärte der Experte. Wichtiger sei es, dass Nachbarn und Angehörige mehr auf ihre älteren Mitmenschen achten und bei einer möglichen Straftat eingreifen.

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