Die "Jägerin" wechselt in den Westen

In Niedersachsen wird Johanna Wanka (CDU) Wissenschaftsministerin sein. dpa
In Niedersachsen wird Johanna Wanka (CDU) Wissenschaftsministerin sein. dpa

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19. April 2010, 07:22 Uhr

Potsdam | "Wir werden die rot-rote Regierung jagen" - das versprach Brandenburgs CDU-Vorsitzende Johanna Wanka noch im November vergangenen Jahres auf dem Potsdamer Parteitag. Die Delegierten hatten sie zuvor mit 82 Prozent im Amt bestätigt. Die Jagd unter ihrer Führung dauerte ganze viereinhalb Monate. Jetzt wechselt die 59-jährige Oppositionsführerin als neue Wissenschaftsministerin in das niedersächsische Kabinett von Christian Wulff.

"Es ist natürlich reizvoll, Wissenschaftspolitik in einem Land mit 42 Prozent CDU zu machen", sagte Wanka bei der Vorstellung gestern unumwunden. Da mag sie an das enttäuschende Abschneiden der märkischen Union bei der Landtagswahl am 27. September 2009 gedacht haben, die sich mit nur 19,8 Prozent zufriedengeben musste. Als eine Konsequenz endete die zehnjährige Koalition mit der SPD, die sich überraschend mit der Linkspartei verbündete. Dem rot-roten Bündnis sagte Wanka fortan den Kampf an, erblickte sie doch in dem Schwenk von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) einen Verrat an der friedlichen Revolution von 1989. Dass kurz darauf immer mehr Stasi- Verstrickungen von Linkspolitikern bekannt wurden, schien die frühere DDR-Bürgerrechtlerin in ihrer Haltung vollauf zu bestätigen.

Umso härter muss ihr Weggang die märkische Union treffen, die gerade dabei war, sich unter Wanka in der noch ungewohnten Oppositionsrolle neu zu formieren. Zwar wurde noch im Herbst eine Aufarbeitung des Landtagswahlergebnisses angekündigt, seither war dazu jedoch kaum etwas Analytisches zu hören. Immerhin verharrt die Partei wieder in dem - von Wankas Stellvertreter Sven Petke einmal so genannten - "20-Prozent-Keller", nachdem sie schon einmal fast 27 Prozent (1999) erreicht hatte.

In den Reihen von SPD und Linkspartei dürfte man sich gestern insgeheim die Hände gerieben haben. Denn dort sieht man schon wieder die alten Grabenkämpfe zwischen den rivalisierenden Gruppen in der CDU aufbrechen. So erwartet SPD-Generalsekretär Klaus Ness "einige Turbulenzen" und "Ausscheidungskämpfe", während Linksfraktionschefin Kerstin Kaiser zurückhaltender von "Führungsproblemen" sprach. Wanka selbst versuchte noch in Hannover solche Erwartungen zu zerstreuen. "Man kann nur gehen, wenn man sicher ist, dass die Situation im eigenen Land dadurch keinen Schaden nimmt", sagte sie. Als Oppositionsfraktion sei die CDU in Brandenburg gut aufgestellt und schlagkräftig. CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski kündigte bereits eilig an, dass am besten Wankas bisherige Stellvertreterin in ihren Ämtern als Partei- und Fraktionsvorsitzende, Saskia Ludwig, ihre Nachfolgerin wird. Die Vereinigung beider Posten in einer Hand wäre am effizientesten. Ob die 41-jährige, derzeit hochschwangere Diplomkauffrau am Ende das Rennen macht, soll bereits heute in besprochen werden.

Von den wenigen aus dem engeren Führungskreis der Brandenburger CDU, die sich überhaupt äußern, ist der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende in Elbe-Elster, Michael Stübgen am klarsten: "Saskia Ludwig hat gezeigt, was sie als Fraktionsvorsitzende kann. Sie hat nach der Wahl selbstlos Platz gemacht für Johanna Wanka. Sie ist jetzt natürlich die allererste Wahl für die Nachfolge." Und Stübgen fügt - auch in Anspielung auf die Frage nach dem zukünftigen Landesvorsitz hinzu, dass Ludwig "programmatisch hinreichend profiliert" sei. Es sieht so aus, als laufe nach dem Weggang von Johanna Wanka tatsächlich alles auf die Frau aus Potsdam-Mittelmark zu. Ludwig hat sich bislang vor allem als Wirtschafts- und Haushaltsexpertin der Fraktion profiliert und könnte der Partei tatsächlich auch inhaltlich einen neuen Stempel aufdrücken. In der CDU hat sie so gut wie keine erklärten Gegner. Bekannt ist allerdings, dass das Verhältnis zu Sven Petke nicht all zu gut ist.

Wanka ließ gestern in Hannover alle wissen: "Die CDU in Brandenburg hat schwere Jahre hinter sich." Vielleicht liegen erneut schwere Jahre vor ihr.

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