Die Hüllen sind gefallen

Am Freitag wurde der obere Teil abgerüstet, am kommenden Wochenende soll  die sanierte Fassade des  Kirchplatzes 9 in Gänze zu sehen sein.  Birgit Hamann (2)
1 von 2
Am Freitag wurde der obere Teil abgerüstet, am kommenden Wochenende soll die sanierte Fassade des Kirchplatzes 9 in Gänze zu sehen sein. Birgit Hamann (2)

Mehr als 400 Jahre alt ist das Kaufmannshaus am Kirchplatz 9, eines der ältesten Gebäude Perlebergs. Stück für Stück wird jetzt die restaurierte Außenhülle sichtbar. Drinnen entstehen Wohnungen - wie könnte es bei solch einem Haus anders sein - für alte Menschen.

von
08. September 2009, 08:55 Uhr

Perleberg | Dass ausgerechnet eines der ältesten Häuser der Rolandstadt Raum für zwölf altersgerechte Wohnungen bieten wird, ist gewollt. Bei einer Begehung gestern mit dem Kreisseniorenrat Prignitz erörterte Architekt Klaus Röpke das Konzept und zahlreiche Details, die die Wohnungen für ältere, nicht mehr ganz so mobile Mitmenschen wertvoll machen: Fahrstuhl, einfacher Zugang von der Rückseite aus, ebenerdig eingebaute Duschwannen, breite Türöffnungen. Nur eines der zwölf Quartiere sei allerdings auch rollstuhlgerecht, so Röpke. Dies erfordere einen besonders hohen Aufwand, extra-breite Türen, große Wendekreise insbesondere in Küche und Bad. Den Bauherren und Eigentümern, so Röpke, kam es darauf an, mit den barrierefreien Wohnungen Senioren in die Innenstadt zu holen. Hier befänden sich Geschäfte, Wochenmarkt, Arztpraxen, Behörden quasi gleich nebenan - auf der anderen Seite werde das Zentrum belebt. Die Idee scheint Gehör gefunden zu haben: Alle Wohnungen sind bereits vermietet. Zwischen Oktober und Ende November sollen sie nach und nach bezugsfertig sein. "Bis Weihnachten, denke ich, sind alle Mieter in die Zwei- und Einraumwohnungen eingezogen", schätzt Klaus Röpke. Am Rande erwähnte er gestern, dass die Fassade des Kirchplatzes 9 am Wettbewerb "Beispielhaft saniert" teilnehmen werde. "Im oberen Bereich haben wir das Gerüst vergangenen Freitag abgenommen. Der Rest soll zum kommenden Wochenende fallen." Die Vertreter des Kreisseniorenrates um Gertrud Madaus zeigten sich beeindruckt, lobten besonders, wie hier Barriefreiheit mit Individualität gekoppelt wird. Der Hintergrund des gestrigen Treffens war jedoch ein globalerer. "Wir möchten neue, alternative Wohnformen im Alter ausloten. Betreutes Wohnen gibt es schon vielerorts, aber Wohngemeinschaften zum Beispiel noch gar nicht. Wie kann man so etwas im ländlichen Raum praktizieren? Damit beschäftigen wir uns und schauen uns um", fasst Ma daus zusammen. Im Anschluss an die Stippvisite in Perleberg ging es gestern weiter nach Wittenberge mit dem Ziel Wohnungsbaugenossenschaft Elbstrom. Für ältere Mieter gibt es hier spezielle Betreuungsangebote. "Die kümmern sie wirklich rührend", weiß Gertrud Madaus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen