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Vater Dieter infizierte ihn : Die Grüschows sind "Tauben-verrückt"

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Christian Grüschow ist 31 Jahre und seit dem er elft ist Taubenzüchter. Er liebt die Tiere, Wettflüge, Zucht und eingeschworene Gemeinschaft der Taubenzüchter. Er verbringt jede freie Minute mit seinem Hobby.

Bützow | Christian Grüschow ist 31 Jahre und seit dem elften Lebensjahr Taubenzüchter. Er liebt diese Tiere, die Wettflüge, die Zucht und die eingeschworene Gemeinschaft der Taubenzüchter. Der Bützower, der seinen Taubenschlag bei seinen Eltern in Güs trow, Zum Hohen Rad, hat, verbringt jede freie Minute für sein Hobby. Allerdings muss er seine Leidenschaft mit dem Beruf teilen, der in einer Hamburger Unternehmensberatung ebenfalls den "ganzen Kerl" verlangt. Trotzdem: Es bleiben genügend Möglichkeiten, dieser Freizeitbeschäftigung wirklich zu frönen.

DDR-Taubenzüchter brauchten polizeiliches Führungszeugnis

Die Liebe zu den Tauben hat er vom Vater Dieter Grüschow geerbt. Der 58-Jährige ist seit 1985 Züchter, damals als Sporttaubenzüchter in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) organisiert. Dieter Grüschow: "Ich benötigte für mein Hobby sogar ein polizeiliches Führungszeugnis." Der Hintergrund in der DDR: Tauben konnten Grenzen überfliegen…

Nach der Wende wurden aus den Sporttauben- die Brieftaubenzüchter. Dieter Grüschow ist jetzt Mitglied im Verband Deutscher Brieftaubenzüchter. Paradox: Die Tauben sind aber Zuchttauben und absolvieren vor allem (sportliche) Wettflüge. Christian Grüschow: "Briefe befördern sie schon lange nicht mehr und wenn, dann zum Spaß."

Die 30 bis 35 Züchter der Region, dazu zählen Vereine in Bützow, Güstrow, Laage und Krakow am See, sind in der Reisevereinigung Güstrow organisiert. Darüber stehen im Land zwei Regionalverbände.

Bei den Grüschows sind aber noch mehr "Tauben-verrückt". Selbst Oma Hertha kann von den gefiederten Freunden nicht lassen, auch wenn sie mehr für den "groberen" Teil verantwortlich ist: Dreimal in der Woche säubert sie die Schläge. Und um das Vier-Generationen-Hobby der Grüschows komplett zu machen: Auch der zweieinhalbjährige Enkel Tonio hat schon Spaß an den Täubchen.

Als wir Christian Grüschow gestern treffen und um ein Foto bitten, wählt er seine Lieblingstaube aus. Sie ist allerdings verletzt, weil sie ein Geschwür hat. Damit kann sie an keinen Wettflügen teilnehmen. Sein Vater zeigt die Taube mit der Nummer 254. Es ist das Tier, das in unserer Montagausgabe zu sehen war. Es hatte nach einem Flug von Bromberg (Bydgoszcz) den Nachhauseweg verpasst und war in der Krakow-Information gelandet. Da alle Zuchttauben zwei Ringe an den Füßen haben, auf denen auch die Telefonnummer angegeben ist, gelangte die Nummer 254 über einen Krakower Zuchtfreund schnell in den heimischen Stall.

Dort wurde die Taube von Christian Grüschow inzwischen wieder aufgepäppelt. Dafür sorgen in den Schlägen mehrere Säcke, Kübel und Eimer mit verschiedenen Futtersorten, die Fette, Kohlenhydrate, Proteine, Jod und Mineralien enthalten. Das brachte auch der Nummer 254 wieder Kraft, so dass sie Sonntag aus dem polnischen Lipno über fast 500 Kilometer nach Güstrow fliegen wird. Die Reiseorganisation ist immer die gleiche, auch am kommenden Sonnabend. Christian Grüschow erklärt: "Sonnabend früh werden die Vögel, so nennt der Fachmann die Männchen, und die Weibchen für rund eine Stunde zum Schmusen zusammengesteckt. Das motiviert. Dann kommen sie in kleine Kisten. Ich bringe 48 Tauben zu unserer Einsatzstelle in den Waldweg. Die gehen dann in einer Transportgemeinschaft - Schwerin und Güstrow bilden sie - in einem gemieteten Kabinen-Express nach Lipno auf Reisen. Die Züchter fahren nicht mit. Sie warten zu Hause auf ihre Schützlinge." Am Sonntagmorgen werden sie in die Lüfte geschickt. Christian Grüschow rechnet damit, dass die Tauben nach sechs Stunden wieder in Güstrow sind.

Reiseplan für Jung- und Alttiere von Mai bis September

Im Reiseplan der 50 Alttauben, die die Familie Grüschow hat, stehen von Anfang Mai bis Ende Juli zwölf Wettflüge. Die 80 Jungtiere rauschen im August und September fünfmal durch die Lüfte. Während die älteren Tauben Flüge zwischen 175 und 600 Kilometer absolvieren, schaffen die Jungtiere zwischen 120 und 290 Kilometer. Dafür müssen sie allerdings von Montag bis Freitag fleißig trainieren. In der Umgebung des "Hohen Rades" gibt es daher immer in der Woche große Flugbewegungen.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 06:33 Uhr

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