Die Gefahr im Partyglas

<strong>Unvorsichtig: </strong>Offene Getränke sollten beim Discobesuch niemals unbeobachtet bleiben, rät die Polizei.<foto>zvs</foto>
Unvorsichtig: Offene Getränke sollten beim Discobesuch niemals unbeobachtet bleiben, rät die Polizei.zvs

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09. Juli 2010, 08:44 Uhr

Schwerin | Noch keine heiße Spur im Fall der 25-jährigen Schwerinerin, die Donnerstag Früh bei einem Disco besuch offenbar mit so genannten K.O.-Tropfen wehrlos gemacht und dann vermutlich vergewaltigt wurde. Um nicht Opfer von K.O.-Tropfen zu werden, sollten Partygänger im Nachtleben grundsätzlich auf die eigenen Getränke achten, sagt Niels Borgmann, Sprecher der Polizeidirektion Schwerin. "Getränke immer selber holen und niemals unbeaufsichtigt stehen lassen." Auch sollte der Genuss offener Getränke vermieden werden, die fremde Personen anbieten.

Dazu rät auch Petra Clermont von der Beratungs stelle gegen sexualisierte Gewalt der Arbeiterwohlfahrt in Schwerin. Denn: "Es kommt immer wieder vor, dass Drogen ganz gezielt eingesetzt werden, um Frauen und Mädchen zu vergewaltigen."

Hinter K.O.-Tropfen können sich unterschiedliche Substanzen verbergen. Sehr häufig handelt es sich dabei um die Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB). "Die Wirkung von GHB ist dosisabhängig und individuell sehr verschieden", sagt Clermont. In geringen Dosen könne die flüssige Droge entspannend oder enthemmend wirken. Doch auch kleinere Mengen könnten bereits Benommenheit, Übelkeit und Bewusstlosigkeit hervorrufen. Zudem setze die Droge das Erinnerungsvermögen außer Kraft. Das Problem, so Clermont: "Diese Substanzen sind immer leichter zugänglich, aber sehr schwer nachweisbar."

Nach der Einnahme von K.O.-Tropfen merken Be troffene zumeist nur, dass ihn en dämmerig, übel und schwindlig wird - so als hätten sie lediglich zuviel getrunken. "Bereits vor dem Verlust des Bewusstseins machen die Tropfen willenlos und leicht manipulierbar", erläutert die Awo-Beraterin. Dennoch könnten die Opfer noch eine Weile lang normal reden und sich bewegen, ohne dass es für Außenstehende ersichtlich wird, dass sie bereits eine gestörte Wahrnehmung haben. Clermont: "Diese Wirkungsweise erklärt, warum K.O.-Tropfen so häufig in öffentlichen Räumen verabreicht werden: Dem Täter bleibt Zeit, die betäubte Frau oder das Mädchen an einen anderen Ort zu führen."

Nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit haben die Opfer keine oder nur bruchstückhafte Erinnerung an das, was passiert ist. "Die Täter zu belangen ist daher meisten sehr schwierig", sagt Petra Clermont. Ihr dringender Rat: "Bei Unwohlsein sofort an Freunde oder das Personal beispielsweise einer Disco oder Kneipe wenden."

Die 25-jährige Schwerinerin war in der Nacht zum Donnerstag gegen 4 Uhr an einer Baustelle in der Wittenburger Straße in unmittelbarer Nähe einer Diskothek auf der Straße aufge funden worden. Passanten brachten die hilflose Frau in ein Krankenhaus, dort habe der behandelnde Arzt die Polizei informiert, da die Frau vermutlich Opfer einer Sexualstraftat geworden war. Die 25-Jährige könne sich kaum an etwas erinnern, teilte die Polizei mit. Sie sei in der Diskothek gewesen und habe etwas getrunken. Die Ermittler vermuten, dass der Frau etwas ins Getränk gemischt wurde und sie dann widerstandslos missbraucht wurde.

Die Polizei bittet jetzt mögliche Zeugen aus der Diskothek, sich zu melden. Sachdienliche Hinweise nehmen die Beamten unter Telefon 03 85-2 07 00 oder in jeder anderen Polizeidienststelle entgegen.

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