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Der passionierte Denkmalschützer Jürgen Höhnke schlägt Alarm : Die gefährdetsten Häuser Güstrows

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In der Stadt häufen sich die Problemfälle: Häuser, die bauhistorisch wertvoll sind, aber seit Jahren verfallen. Erst kürzlich musste ein Zaun in der Domstraße 14 gezogen werden, weil der Putz von den Wänden bröckelt.

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2011 | 08:51 Uhr

Güstrow | In der Domstraße und der Gleviner Straße häufen sich die Problemfälle: Häuser, die bauhistorisch wertvoll sind, aber seit Jahren leer stehen und verfallen. Erst vor wenigen Tagen musste ein Zaun in der Domstraße 14 gezogen werden, weil der Putz von den Wänden bröckelt. Ein paar Häuser weiter in der Nr. 21 sieht es nicht viel besser aus, auch nicht in der Gleviner Straße: Das ehemalige Stift Bethlehem und die Häuser, wo einst August der Starke bzw. Zar Peter der Große wohnten, verfallen. Der passionierte Denkmalschützer Jürgen Höhnke schlägt Alarm. In loser Folge stellt SVZ die zehn am meisten gefährdeten Häuser in der Altstadt vor.

"Mehr als 25 Baudenkmale sind in den vergangenen 20 Jahren aus dem Stadtbild verschwunden. Sie wurden abgerissen oder fielen dem Feuerteufel zum Opfer", berichtet Höhnke. Ebenso viele Gebäude würden noch einer Sanierung harren. "Es besteht die Gefahr, dass manches den gleichen Weg geht", fügt der einst ehrenamtlich tätige Denkmalschützer im Landkreis Güstrow hinzu. Höhnke will nicht schwarzmalen, wohl aber mahnen. Auf der anderen Seite gebe es auch positive Beispiele. Höhnke nennt die drei Häuser Am Berge, über deren Rettung er sehr froh ist. Auch für die Gleviner Straße 23 bis 25 - Stadteigentum - hegt der Güstrower Hoffnung.

Rezept: Angebote machen und Druck aufbauen

Nicht unberechtigt: "Wir haben ein Verkehrswert-Gutachten in Auftrag gegeben und sind dabei eine europaweite Ausschreibung vorzubereiten. Parallel dazu soll ein Planungswettbewerb laufen", kündigt Bürgermeister Arne Schuldt an. Es sollen Ideen für die Zukunft der drei Häuser im Stadteigentum entwickelt werden. Möglichen Investoren ein solches Angebot zu unterbreiten, ist für Schuldt ein Element seiner Strategie, deren Ziel der Erhalt und die Sanierung der Häuser in der Altstadt ist. Zum anderen würden immer wieder Gespräche mit den Eigentümern geführt und wenn nötig auch Druck aufgebaut werden. Schuldt nennt zwei Beispiele: Gleviner Straße 1 und Markt 30. Hier beschreite die Stadt den Weg der so genannten Modernisierungsgebote. Damit soll der Eigentümer zur Modernisierung verpflichtet werden. Einen Haken bei dem Verfahren erklärt Schuldt auch: "Klappt es nicht, muss am Ende die Stadt selbst sanieren." Im Falle des Hauses Gleviner Straße 1 hegt Schuldt Hoffnung. Der Eigentümer sei jetzt tätig geworden und habe ein Planungsbüro mit Untersuchungen beauftragt.

Weiter setzt Schuldt auf Signalwirkungen. So habe man zumindest die Hoffnung, dass die weitere Sanierung und damit verbundene Belebung des Derzschen Hofes dazu führt, dass auch im Umfeld - Lange Straße, Hollstraße - Häuser zu neuem Leben erweckt werden.

Seit 2008 gibt es eine Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, des Sanierungsträgers Big-Städtebau, des Bauordnungsamtes und der Unteren Denkmalschutzbehörde. "Wir treffen uns alle acht Wochen. Ziel ist es Verfahren zu beschleunigen", sagt Güstrows Bürgermeister. Oft aber brauche es einen langen Atem, weil Eigentümer kein Interesse haben, Erbengemeinschaften sich nicht einigen oder auch mal ein Haus nach ausgeschlagener Erbschaft herrenlos wird, wie im Beispiel Am Berge 2. Nicht in jedem Fall, so denkt Schuldt, wird es eine Lösung geben. "Aber die Liste der gefährdeten Häuser ist in den vergangenen Jahren schon kleiner geworden", betont der Bürgermeister.


Liste: Gefährdete Häuser in Güstrow

  • Gleviner Straße 1 (zeitweise Wohnsitz von August dem Starken, Weserrenaissance)

  • Gleviner Straße 10 (ehemals Stift Bethlehem, Renaissance bis zum Jugendstil)

  • Schlossstraße 6 (ehemals Altenheim, Renaissance-Fachwerk)

  • Gleviner Straße 6 (zweitweiser Wohnsitz von Peter dem Großen, Renaissance, Klassik)

  • Mühlenstraße 46 (letztes Renaissance-Fachwerkhaus mit leicht überkragenden Etagen in Güstrow)

  • Markt 30 (eines der bedeutendsten Klassik-Häuser)

  • Domstraße 14 (Barock-Palais)

  • Domstraße 21 (Reformbewegung)

  • Domstraße 7 (einst Theateranrechtsbüro, Renaissance, Klassik)

  • Pferdemarkt 45 (letzter Hauch von Klosterhof, Barock)
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