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Lokales

18. November 2017 | 07:48 Uhr

Die Füße an Deck bekommen

vom

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erstellt am 24.Jan.2011 | 06:54 Uhr

Seehafen | Dieter Wulf (45) und Daniel Remus (30) gehören zu den besten ihres Jahrgangs als angehende Konstruktionsmechaniker. In der Liebherr-Akademie im Rostocker Seehafen überzeugen sie ihre Lehrmeister mit selbst gebauten Modellkranen. Ihre Übernahmechancen in das Unternehmen sind groß. Nicht immer war den zwei Männern das Glück so hold.

Mehr als ein Jahr war Dieter Wulf zu Hause. Dutzende Bewerbungen verschickt und immer die gleiche Antwort bekommen. "Es war frustrierend, denn ich habe mir die ganze Zeit überlegt, was ich tun kann", sagt Dieter Wulf (45). Der gelernte Landmaschinenschlosser wollte nur widerwillig die Hilfe der Arbeitsagentur annehmen. Er wollte selbst aus der Misere herauskommen. Kurzzeitige Beschäftigungen im Tiefbau und Gartenlandschaftsbau haben ihn vorübergehend über Wasser gehalten: "Aber mit einem Auto wurde das Geld schon knapp." Nach eineinhalb Jahren zu Hause hat er dann zufällig gehört, dass Liebherr auf dem Betriebsgelände im Seehafen in einer eigenen Akademie Umschüler weiterqualifiziert. Auf 1200 Quadratmetern bildet die unternehmenseigene Lehrstätte aus.

17 Monate Ausbildung zum Teilezurichter

Schnell beworben lud Akademie-Leiter Wolfgang Kautz den 45-Jährigen zu einem Gespräch ein. "Nach wenigen Minuten war klar, dass wir ihn nehmen", so Kautz. Weil seine Vorkenntnisse und Engagement den Akademie-Leiter überzeugten, konnte Wolf sofort mit seiner 17-Monatigen Ausbildung als Teilezurichter beginnen. Diese erfolgreich absolviert, lernt er nun im Anschluss den Beruf des Konstruktionsmechaniker. Ähnliches Glück hatte Daniel Remus (33). "Als Koch hatte ich vorher nichts mit Werkzeugen zu tun, aber die neue Richtung gefällt mir wegen ihrer Vielseitigkeit, außerdem ist die Arbeit als Koch auch ein gewisses Handwerk", sagt er.

Neben 130 Auszubildenden spezialisiert Liebherr weitere 36 Menschen. "Mit ihnen wollen wir dem Fachkräftemangel in MV entgegenwirken", so der Akademie-Leiter. Da für langzeitarbeitslose grundsätzlich schwer ist, in die Berufswelt zurückzukehren, will Kautz die gestrandeten Menschen durch neue Pässe aktivieren. "Sie brauchen klare Perspektiven und die können sie mit Umschulungen erreichen", meint er. Innerhalb des Unternehmens bietet Liebherr Weiterbilungskurse in verschiedenen Bereichen an. Dazu gehören unter anderem Schweißer-, EDV-, Kommunikationskurse und Führungscoaching. "Mehr als 50 Möglichkeiten bieten wir an", sagt Kautz. Für Remus und Wulf war die Anfangszeit ihrer Ausbildung besonders hart. "Es war schwer wieder reinzukommen, auch wenn ich vieles schon kannte", so Wulf, der schon während seiner Erstausbildung mit Metall gearbeitet hatte. "Aber mit höher festem Stahl hatte ich noch nichts zu tun", sagt er.

Die Weichen für ihre Zukunft haben sich Wulf und Remus gestellt."Nicht nur mit guter Arbeit sondern mit Spaß am lernen und an dem Beruf, überzeugen die beiden ihre Lehrer jeden Tag aufs Neue. Die arbeitslosen Tage vergessen sie dann schnell.

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