Die Fans und Kritiker der Esperanza

Ein gut gemeintes Geschenk,  das nicht bei jedermann Anklang findet: die Esperanza soll die Seefahrer begrüßen. Maria Pistor
Ein gut gemeintes Geschenk, das nicht bei jedermann Anklang findet: die Esperanza soll die Seefahrer begrüßen. Maria Pistor

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13. Juli 2012, 11:37 Uhr

Esperanza heißt Hoffnung. Und die hat in Warnemünde Fans und Kritiker. Zumindest wenn es um die gleichnamige Plastik geht, die seit Dienstag von der Mittelmole aus die ankommenden Schiffe begrüßt. Heute um 22.22 Uhr soll die Bronzeskulptur von Ené Slawow offiziell eingeweiht werden. Dazu wird Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) erwartet. Die ersten Reaktionen der Warnemünder auf die gold-schimmernde Frauenfigur sind weitgehend positiv - aber nicht nur. Zwei Jahre hat die Esperanza nun Zeit, die Herzen auch der kritischen Warnemünder zu gewinnen.

Experten haben Bedenken geäußert

Dabei hatte die Esperanza keinen leichten Start im Ostseebad. Als Eyk-Uwe Pap und sein Bruder, die gemeinsam die Baltic-Taucherei und Bergungsbetrieb Rostock GmbH leiten, in den Ortsbeirat kamen, um von ihrer Idee zu berichten, dem Ostseebad eine Statue zu schenken, hielt sich die Euphorie in Grenzen. Das ehrenamtliche Gremium hatte Bedenken: Die Plastik gefiel so manchem nicht, das damals verwendete Material entsprach nicht den Vorstellungen. Außerdem erschien der vorgeschlagene Standort auf der Mittelmole zu exponiert. Immerhin wird das Filetgrundstück gerade entwickelt. Die Planungen hierfür stecken noch in der Anfangsphase.

Eine Expertenrunde wurde hinzugezogen. Dazu zählten Bildhauer Wolfgang Friedrich, die Architekten Michael Bräuer, Ulrich Hammer und Christian Blauel sowie Sachverständige aus dem Kulturamt. "Es hat viele Gegenargumente gegeben", sagt Ortsbeiratsmitglied Regine Pentzien (Grüne). Unter anderem habe es geheißen, die Esperanza harmoniere nicht mit der nahegelegenen Plastik von Werner Stötzer. Außerdem korrespondiere die Größe der Skulptur nicht mit der Weite des Meeres. Regine Pentzien hat sich mittlerweile ein Bild von der Skulptur am vorgesehenen Standort gemacht. Ihr persönliches Fazit fällt ernüchternd aus: "Erschreckend, ich lehne sie ab. Die Frau wirkt in der Weite wie ein Bindfaden."

Heute Abend können sich die Warnemünder und Rostocker selbst ein Bild von der 3,99 Meter großen Figur machen. Für etwas mehr Gold hätte der Künstler selbst plädiert. Er hat als Kompromiss noch Blattgold entfernt. "Vorher hat sie fast bis nach Dänemark gestrahlt", sagt er. Er hätte sich eine Wirkung wie bei der Siegessäule in Berlin gewünscht. Die Esperanza wird lichttechnisch in Szene gesetzt, ein Hingucker von der Westmole aus.

Dieser Anblick wird diejenigen erfreuen, die mittlerweile zu den Fans der Esperanza zählen - wie Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. "Das sieht richtig gut aus. Mir gefällt es, dass die Seeleute und Gäste so begrüßt werden", schwärmt er. Durch die anhaltenden Diskussionen im Vorfeld sei zu viel Zeit verschenkt worden.

Zu den Esperanza-Fans zählt auch Rostocks Oberbürgermeister. Er hatte zur Einweihung des Offshore-Schiffes der Baltic-Taucher zugesagt, die Plastik für zwei Jahre probehalber aufzustellen. "Ich würde mich freuen, wenn die Skulptur ein interessiertes Publikum findet", sagt Methling. Als Schenkende wollen die Brüder Pap mit der Esperanza ihre Verbundenheit mit Rostock und den Seefahrern ausdrücken.

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