Die Alzheimer-Jäger

Reduziert Ablagerungen im Gehirn um 80 Prozent: Professor Jens Pahnke forscht mit seinem Team Jacqueline Hufrichter und Andrea Volz mit einem Stoff, dass sie aus dem griechischen Eisenkraut gewonnen haben. Matthias Bannert
Reduziert Ablagerungen im Gehirn um 80 Prozent: Professor Jens Pahnke forscht mit seinem Team Jacqueline Hufrichter und Andrea Volz mit einem Stoff, dass sie aus dem griechischen Eisenkraut gewonnen haben. Matthias Bannert

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12. April 2010, 06:53 Uhr

Gehlsdorf | Ritterschlag für Rostocks Alzheimer-Forscher: Am kommenden Montag wird in Gehlsdorf ein neuer Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen eröffnet - eines von nur zwei Helmholtz-Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern. Der neue Standort Rostock/Greifswald, der mit Bundes- und Landesmitteln finanziert wird, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Frühdiagnose von Alzheimer sowie mit der Behandlung der Patienten.

"Mecklenburg-Vorpommern ist das am stärksten alternde Bundesland", erklärt Sprecher Professor Stefan Teipel. Hier werden viele Alzheimerfälle erwartet. Gleichzeitig ist die Ärztedichte gering. "Da macht es Sinn, hier die Forschung anzusiedeln", so Teipel. "MV ist Fokusregion für den demografischen Wandel." Gleichzeitig ist der Aufbau einer Helmholtz-Einrichtung in Rostock eine Bestätigung der bisherigen Forschung. Professor Jens Pahnke hat diese hier entscheidend mit aufgebaut und kam aus der Schweiz zurück an die Küste. "Wir betreiben hier eine inzwischen weltweit angesehen Forschung", sagt Pahnke. Dazu gehört auch ein so genanntes Maushaus mit 2500 Nagetieren. "Bei Mäusen entwickelt sich Alzheimer schon in 45 Tagen", begründet der Alzheimer-Forscher das Experiment.

In den letzten Monaten weihte Pahnke mit seinem Team eine Reihe von neuen Geräten ein. Bis 2013 soll von Rostock und Greifswald Spitzenforschung kommen. Und die ist auch bitternötig. Die Wissenschaftler erwarten bis zum Jahr 2040 weltweit 81 Millionen Alzheimer-Erkrankte - derzeit sind in Deutschland eine Million Menschen betroffen.

Auslöser des Gedächtnisverlustes sind so genannte Ablagerung von Beta-Amyloiden, Plaques, im Gehirn. Forschungsschwerpunkt ist der Abtransport dieser Störenfriede. Dazu wollen die Rostocker spezielle Fresszellen aktivieren. "Wir arbeiten schwerpunktmäßig an der Frühdiagnose", erklärt Teipel. "Das heißt, wir wollen die Erkrankung erkennen, bevor es zum Ausbruch der Demenz kommt." Derzeit gibt keine zugelassene Behandlung für das Vorstadium der Demenzerkrankung.

Doch die Rostocker Forscher sind der Alzheimer-Erkrankung dicht auf den Fersen. Sie prüfen ein Medikament, dass die Ablagerungen verringern soll. "Wir werden die Krankheit nicht rückgängig machen können", sagt Pahnke. "Aber wir können den Prozess aufhalten."

Im Zentrum steht das Griechische Eisenkraut. Aus dem grünen Gewächs können die Alzheimer-Jäger einen Stoff gewinnen, der die gewünschten Effekte erzielt. Pahnke trinkt regelmäßig seinen so genannten Anti-Alzheimer-Tee. "Der Stoff reduziert die Menge der Plaques im Gehirn um 80 Prozent. Den Mäusen geht es mit dem Griechischen Eisenkraut gut. "Derzeit läuft Phase II", berichtet Teipel. "Das ist eine Studie zur Bestimmung der Wirksamkeit, ob die Hinweise aus den Tierversuchen bestätigt werden kann."

Jetzt kommt es darauf an, herauszufinden, welcher Inhaltsstoff genau für die Reduzierung der Ablagerungen verantwortlich ist. "Das testen wir jetzt einzeln aus", sagt Pahnke. Nach den Tests an der Maus kommt der Einsatz im menschlichen Hirn. Dass das griechische Eisenkraut möglicherweise Alzheimer heilen kann, ist nicht unbedingt ungewöhnlich. "Naturheilstoffe finden immer mehr Einzug in die Medizin", sagt Pahnke. Er würde das griechische Eisenkraut nicht als ultimatives Allheilmittel für Alzheimer bezeichnen. "Aber es ist das Innovativste, was wir haben."

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