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Lokales

21. September 2017 | 23:28 Uhr

Dezernent geht nach acht Jahren

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erstellt am 06.Okt.2010 | 06:16 Uhr

Schwerin | Die Führungsriege der Stadtverwaltung besteht von heute an neben Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) nur noch aus den Dezernenten Dr. Wolfram Friedersdorff (Linke) und Dieter Niesen (SPD). Nach acht Jahren endete gestern die Wahl beamtenzeit von Hermann Junghans (CDU). Er will wieder als Anwalt arbeiten und in Schwerin bleiben.

Die frei gewordene Dezernentenstelle wird nicht wieder besetzt. Dadurch sollen inklusive Dezernenten-Büro im Jahr rund 163 000 Euro eingespart werden. Dem Argument, eine der wenigen Chancen zu nutzen, in der Kernverwaltung zu sparen, waren die Stadtvertreter im März dieses Jahres mit großer Mehrheit gefolgt.

Durch die Neuverteilung der Aufgaben wird die Oberbürgermeisterin künftig auch Fachverantwortung übernehmen. Ihrem Dezernat werden das Kulturbüro, das Theater, das Bürger büro und der Zoo zugeschlagen. SPD-Dezernent Dieter Niesen, der bislang schon für Finanzen, das Amt für Jugend, Schule und Sport, das Amt für Soziales und Wohnen sowie die Arbeitsgemeinschaft zur Grundsicherung zuständig war, zeichnet bald auch für die städtische Beteiligung an den Helios-Kliniken verantwortlich. Dr. Wolfram Frieders dorff (Linke), jetzt schon Dezernent für Ordnung, Umwelt, Wirtschaft, Liegenschaften, Stadtentwicklung und Verkehrsmanagement, übernimmt darüber hinaus das Amt für Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst sowie das Ordnungsamt.

Die erfolgreichste Ausstellung initiiert

Welche Spuren hinterlässt Hermann Junghans? Zwei Namen werden mit Sicherheit auch in mehreren Jahren mit ihm in Verbindung gebracht werden: Er war verantwortlich für das städtische Jugendamt, als die kleine Lea-Sophie verhungerte. Doch letztlich musste nicht er, sondern der damalige Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) am Ende eines langen Aufarbeitungsprozesses seinen Schreibtisch räumen. Und es war Hermann Junghans, der den Mut hatte, eine Arno-Breker-Schau in Schwerin zu zeigen. Es wurde die erfolgreichste Ausstellung des Schleswig-Holstein-Hauses und brachte weltweites Medieninteresse.

Unter der Ägide Junghans hat sich der Kultursommer weiter vergrößert, ist das neu geschaffene Kulturbüro zu einer effizienten Struktureinheit geworden. Dass es kein neues Stadtgeschichtsmuseum gibt, liegt nicht an Junghans - er hatte stets dafür gestritten.

Dennoch schaffte es Hermann Junghans während seiner Zeit als Dezernent nicht, den Eindruck loszuwerden, seinem Amt nicht gewachsen oder an manchen Aufgaben nicht interessiert zu sein - gerade bei öffentlichen Auftritten. Manche Begrüßungsrede des Juristen zeichnete sich durch an Oberflächlichkeit grenzende Kürze aus. Nicht selten mussten Mitarbeiter seiner Fachbereiche ihn sogar öffentlich korrigieren. Manche Panne konnten auch sie nicht verhindern. 2004 etwa verunsicherte Junghans die Eltern von mehr als 4000 Kindern: Während anderswo längst klar war, wie Kommunen und Eltern die ihnen durch das neue Kita-Gesetz aufgebürdeten Mehrkosten auffangen, konnte Junghans lange mit keinen Zahlen aufwarten. Fehlende Übersicht bewies er nochmals 2004: Ohne mit den Trägern der gesetzlich vorgeschriebenen Sozialberatungs- und Altenarbeit je ernsthaft verhandelt zu haben, wollte er den städtischen Zuschuss im Alleingang praktisch auf Null setzen.

Auf der September-Sitzung der Stadtvertretung war Hermann Junghans offiziell von Stadtpräsident Stephan Nolte (CDU) verabschiedet worden. Es waren kurze Worte des Dankes, und es gab einen ebenso kurzen wie höflichen Applaus der Kommunalpolitiker.

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