zur Navigation springen
Lokales

12. Dezember 2017 | 01:25 Uhr

Desaster: Keimzeit auf den Halmen

vom

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2010 | 07:15 Uhr

Gadebusch | Zum Zuschauen verdammt sind derzeit Landwirte in Nordwestmecklenburg. Sie müssen seit Wochen mit anschauen, wie Qualitäts- zu Futterweizen verkommt. Auf den Feldern in und um Gadebusch stellt sich die Situation noch dramatischer dar: Körner fangen auf den Halmen an zu keimen. "Zu sehen ist nicht etwa Getreide mit Unkraut, sondern das ausgekeimte Korn", verdeutlicht Kreisbauernpräsident Jörg Haase.

Inzwischen wachse die Gefahr, dass angebauter Qualitätsweizen nicht einmal mehr als Futterweizen verwendedet werden könne. Es werde ein Abfallprodukt, das in die Heizung wandere. "Mit gequilltem Getreide können Landwirte nichts mehr anfangen. Kühe und Schweine mögen das nicht fressen", verdeutlichte Haase im Vorfeld des Kreiserntefestes in Metelsdorf. "Uns ist absolut nicht zum Feiern zumute. Aber ein Erntefest, gerade wenn es um ein Kreiserntefest geht, bedarf einer zu großen Vorbereitung, um es dann wieder abzusagen", so der Kreisbauernpräsident. Letztlich biete das Fest in Metelsdorf auch die Chance, den Berufsstand des Landwirtes der Bevölkerung näher zu bringen. Gerade in Nordwestmecklenburg zeige sich, dass Einwohner großes Interesse daran haben, wo die landwirtschaftlichen Produkte herkämen und mit welchem Aufwand diese produziert werden. "Wir blasen das Fest also nicht ab, nur weil uns nach Feiern nicht zumute ist", so Haase.

Für die Missernte 2010 gibt es mehrere Gründe. Einer davon war der lange Winter. Im Frühjahr habe sich gezeigt, dass gerade für Weizen und Gerste aufgrund der vorherigen Schneedecke eine Sauerstoff-Unterversorgung bestand. Günstig sei hingegen der Mai gewesen. Das Getreide holte die Entwicklungsverluste aus der Winterzeit wieder auf. "Der Landwirt war wieder guter Dinge und schloss in der Hoffnung einer guten Ernte wieder Verträge mit Händlern ab. Zu dem Zeitpunkt lag der Preis bei 150 Euro pro Tonne bei B-Weizen", so Haase. Relativ pünktlich konnten Landwirte Mitte Juli mit der Ernte der Wintergerste beginnen. Nur die Vegetation beim Weizen lag etwa um 14 Tage zurück. Was dann passierte, ist vermutlich einmalig: Im August fiel das Vier-bis Fünffache an Niederschlägen als normalerweise üblich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen