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Lokales

24. September 2017 | 21:20 Uhr

Der Wald ruft

vom

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2010 | 07:45 Uhr

Prof. Dr. Reiner Sörries ist der deutsche Experte, wenn es um Tod und Bestattung geht. Der 58-Jährige ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal und Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. Außerdem ist er Professor für Christliche Archäologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im vergangenen Jahr erschien sein umfangreiches Werk "Ruhe sanft: Kulturgeschichte des Friedhofs". Benjamin Piel sprach mit ihm über das "Auslaufmodell Frierdhof".

Immer mehr Menschen lassen sich im Wald beerdigen. Hat der gewöhnliche Friedhof überhaupt noch eine Zukunft?

Reiner Sörries: Es wäre sehr schade, wenn nicht. Die Auswahlmöglichkeiten bei der Bestattung haben stark zugenommen. Das führt bei einigen Menschen zu einer Überforderung. Früher gab es nur den konventionellen Friedhof, da fiel die Wahl nicht so schwer.

Beim Friedwald geht der Mensch im großen Ganzen der Natur auf - ist das nicht regelrecht romantisch?

Es schwingt viel Pantheismus mit, das stimmt. Meinem Menschenbild entspricht das allerdings nicht. Der Wert des einzelnen Menschen ist auf dem ursprünglichen Friedhof klarer definiert.

Das Thema Sterben scheint vielen Menschen heute bewusster zu sein. Rückt damit der Tod nicht stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein?

Seit Aufkommen der Hospiz-Bewegung haben die Sterbenden ein größeres Mitspracherecht, was den eigenen Tod betrifft. Schade ist allerdings, dass die Ruheforste sich nicht in der Mitte der Gesellschaft befinden. Friedhöfe auf einem Kirchhof beispielsweise sind Begegnungspunkte der Lebenden mit den Toten. Dadurch erinnert sich der Lebende an seine Vergänglichkeit. Diese Funktion erfüllt der Friedwald nicht in gleicher Weise.

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