Der Wahrheit ins Gesicht schauen

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26. April 2010, 06:57 Uhr

Groß Pankow | 39 Orte verschiedenster Größe gehören zur Gemeinde Groß Pankow (Prignitz). Haben sie alle auch in Zukunft Bestand oder wird der demografische Wandel einige im wahrsten Sinne des Wortes aussterben lassen? Eine Frage, mit der sich die Gemeinde konkret beschäftigen möchte. Denn daraus leiten sich Entscheidungen für die künftige Entwicklung ab, sowohl was die soziale als auch die technische Infrastruktur anbelangt.

Anregung dafür gibt den Groß Pankowern ein Modellprojekt der Regionalen Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg in Sachsen-Anhalt. "Dorfumbau - Zukunftsfähige Infrastruktur im ländlichen Raum" ist es überschrieben. Darin wurden zwei Teilräume der Planungsregion untersucht, die besonders unter Bevölkerungsschwund leiden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung stellte die Geschäftsführerin der Regionalen Planungsgemeinschaft, Marion Schilling, beim jüngsten Workshop in Neuseddin vor. Dort trafen sich nämlich Vertreter der drei Brandenburger Gemeinden, unter ihnen auch Groß Pankow (Prignitz), die am Forschungsprojekt "Strategien zum Dorfumbau - Auswirkungen des demografischen Wandels auf ländliche Gemeinden" teilnehmen. Groß Pankows Bürgermeister Thomas Brandt war sofort überzeugt von der sachsen-anhaltinischen Herangehensweise. "Dort wurden sämtliche Dörfer der jeweiligen Regionen analysiert hinsichtlich der Altersstruktur und Bevölkerungsentwicklung. Alle Häuser wurden unter dem Aspekt betrachtet, ob dort in 20 Jahren noch jemand lebt, es heute schon versteckten Leerstand gibt, welche Dörfer künftig verlassen sein werden", erklärt Brandt. Daraus ableitend hätte man in Sachsen-Anhalt klare Ziele definiert für die kommunale Entwicklung. "Wenn es beispielsweise 15 Sportplätze gibt, wurde entschieden, welche erhaltenswert und entsprechend zu entwickeln sind. Gleiches gilt für Kindertagesstätten, um nur einige Beispiele zu nennen", macht Brandt deutlich.

So soll es jetzt auch in Groß Pankow gemacht werden. Konkret soll ermittelt werden,, wie es in den 39 Orten aussieht, welche Entwicklung sich dort vollzieht. "Wir werden dabei sicher einen ganz anderen Blickwinkel auf die Gemeinde bekommen", ist Brandt überzeugt. Aber ebenso davon, dass diese schonungslose Analyse notwendig sei, um die immer begrenzter werdenden kommunalen Mittel so effektiv wie möglich einzusetzen. "Ist es beispielsweise nötig, für mehrere hundertausend Euro die Stepenitzbrücke nach Klein Linde neu zu bauen, oder reicht dort künftig eine Fußgängerbrücke für Besucher, und die Anwohner müssen den Weg über Kreuzburg nehmen", stellt Brandt ein Beispiel in den Raum. Oder die Antwort auf mögliche Bauanträge in Ausbaulagen. "Dann können wir den Leuten sagen, dass es dorthin nie eine Straße geben wird oder nie einen Winterdienst, dass sie ihre Mülltonne selbst bis an die nächste Straßenanbindung bringen müssen." Brandt weiß sehr wohl, dass eine solche Analyse, vor allem ihre Ergebnisse nicht jedem gefallen werden. Aber man müsse der Realität ins Auge schauen, wolle man kommunalpolitisch zukunftsorientiert handeln. Entsprechend werde man das Vorhaben auch der Gemeindevertretung vorstellen. Die Regionale Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg habe Unterstützung zugesagt.

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