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Sanierung des Wiligrader Schlossparkes : Der Schlossherr zeigt endlich Flagge

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Die Erwartungen in Lübstorf und Umgebung sind hoch: In den nächsten zwei Jahren wird ein Teil des Waldparkes nach historischem Vorbild neu gestaltet. Doch das gilt nur für 19 Hektar rund um Schloss und Nebengebäude.

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erstellt am 20.Jan.2011 | 06:53 Uhr

Lübstorf | Die Erwartungen in Lübstorf und Umgebung sind hoch: Mehr als 50 Interessierte kamen am Mittwoch abend in die Schulaula, um zu hören, wie das Land an die Gestaltung des Schlossareals im Ortsteil Wiligrad geht. Fest steht, dass in den nächsten zwei Jahren ein Teil des Waldparkes nach historischem Vorbild neu gestaltet wird. Doch das gilt "nur" für die 19 Hektar rund um Schloss und Nebengebäude, die dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehören. Der beim Schlossneubau Ende des 19. Jahrhunderts einbezogene Waldpark umfasste damals 209 Hektar. Günter Lenz von der Schlossgärtnerei Wiligrad brachte es auf den Punkt: "Wir brauchen ein Gesamtkonzept, das für Jahrzehnte Gültigkeit hat und den Schweriner See, unter anderem mit dem Schlosskomplex Wiligrad, zum überregionalen Anziehungspunkt macht."

Doch so weit ist es noch nicht. Heike Kramer, Dezernatsleiterin bei der Schlösserverwaltung MV, ist froh, dass es jetzt dank Fördermitteln aus Brüssel möglich ist, bei der Parksanierung in Wiligrad "durchzustarten". Nach den notwendigen und langwierigen Abstimmungen mit Forst-, Naturschutz- und Denkmal schutzbehörden soll es Ende dieses Monats losgehen. Zuerst kommt die Uferzone am Steinhang zum Außensee an die Reihe. Alte Wege werden hergestellt, Sitzmöglichkeiten geschaffen, Denkmale und Kleinode restauriert. Bei einigen Einzelstücken, wie Tauffünte, Elisabethquelle und Pumpenhaus, ist das bereits in den Vorjahren geschehen, doch der anstehende Umfang ist weitaus größer.

Noch mehr zu tun ist 2012. Dann sollen die beiden Bunker der Volkspolizei-Schule, für die einst ein Teil des Waldparks gerodet worden und wegen der das Arreal zu DDR-Zeiten abgeschottet war, verschwinden. "Der Wald rückt wieder dichter ans Schloss heran", erläuterte Gartenbauingenieur Dietmar Braune. "So wie es früher war." Vor allem Buchen sollen dafür angepflanzt werden. Doch nicht sie werden das Parkbild bestimmen, sondern Rhododendren. Sie waren schon von 100 Jahren im Bereich um den Schlossteich dominant, die immer noch eindrucksvollen Überreste werden aufgewertet und ergänzt. Wichtige Eckpunkte sind zudem: Beide bisherigen Parkplätze in Schlossnähe verschwinden. Dafür entstehen neben der neuen Buswendeschleife vor dem Marstall Stellplätze für zirka 80 Autos und zwei Reisebusse. Für die modernen Kunstwerke im Skulpturenpark wird ein neuer Standort gesucht. "Die Gespräche dazu mit dem Kunstverein sind auf einem guten Weg", sagte Kramer ohne ins Detail zu gehen. Auf jeden Fall soll 2012 wieder ein Welfen-Löwe auf den verwaisten Sockel vor dem Haupteingang gestellt werden, denn Bau- und Hausherr, Herzog Johann Albrecht, war nicht nur Regent in Mecklenburg-Schwerin, sondern später auch in Braunschweig. Vorgesehen ist auch ein Laubengang mit Rosen. "Es soll ja eine Wiligrader Rose geben", berichtete Braune von seinen Recherchen. "Doch die ist leider noch verschollen."

Braune hob zudem hervor, welche Bedeutung der Wiligrad Waldpark einst hatte. Die Pläne dafür stammten von Armin Sckell. Der Thüringer gehörte einer berühmten Gärtnerdynastie an und war 40 Jahre lang Hofgärtner in Weimar. Von hier stammte die Frau von Johann Albrecht, Herzogin Elisabeth. Und so kam Sckell zu dem Auftrag, den Haushaltsforst am Schweriner Außensee parallel zum Schlossneubau zum Waldpark umzugestalten.

Dem neuen Park wurde rasch eine große Bedeutung beigemessen: Er wurde bis 1945 in einer Reihe mit den Schlossgärten von Schwerin und Ludwigslust genannt. Als beispielsweise 1930 die Deutsche Dendrologische Gesellschaft in Schwerin tagte, war der Besuch in Wiligrad ein Muss. Hier gab es nämlich ganz besondere Gehölze, von denen heute leider nur noch knapp die Hälfte der Arten zu finden ist. Ein Teil dieser Gehölze soll nun zurückkehren.

Bei der nun beginnenden Parksanierung wird das direkte Umfeld der Gebäude ausgelassen. "Dort können wir erst nach der Sanierung der Gebäude beginnen", betonte Braune. Die daher unvermeidliche Frage nach den Gebäude selbst blieb nicht unbeantwortet. Kramer: Die Sanierung des Marstalls beginnt in diesem Jahr. Das Maschinenhaus soll gesichert werden. Für das Schloss selbst gibt es hingegen noch keine konkreten Pläne. Andere Nebengebäude gehören heute Privatleuten und der Gemeinde. Doch mit denen, den in Wiligrad aktiven Vereinen und den Waldbesitzern arbeite die Schlösserverwaltung gut und eng zusammen, damit das Kleinod Wiligrad seine alten Glanz zurückerhält, betonte Braune.

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