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Lokales

23. November 2017 | 12:28 Uhr

Der Renner: Kräuterwanderungen

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erstellt am 08.Okt.2010 | 07:05 Uhr

Laage | Immer mehr Menschen vertrauen nicht mehr allein auf die Schulmedizin. Insbesondere, wenn es sich nur um ein kleines Zipperlein handelt, könnte vielleicht ein Kraut helfen. Gegen alles ist ein Kraut gewachsen, heißt es immer so schön. Edelgard Gruhne (59) weiß auch welches. Vor fünf Jahren entschied sie sich, eine Kräuterhexe zu werden. Heute geht sie mit interessiertem Publikum auf Kräuterwanderung, hält Vorträge und mischt zu Hause Tinkturen, kocht Gelees und macht Kräuterseife.

Leben könne man davon nicht, gesteht die 59-Jährige, aber sie sei in den letzten Jahren immer besser ins Geschäft gekommen und habe vor allem Freude an dem, was sie macht. Dabei ist der Verkauf von Salben und Wässerchen nicht ihr Hauptanliegen. "Ich will den Menschen Wissen über die Kräuter vermitteln", betont Edelgard Gruhne. Bei Vorträgen habe sie schnell bemerkt, dass sie auch etwas vorzeigen müsse, etwas zum Riechen oder zum Kosten. "Dann haben die Menschen eine bessere Vorstellung von dem, was ich ihnen erzähle", erklärt sie. Vorträge fallen meist in die Winterzeit.

Beinwell - Modekraut des Jahres

Von Frühjahr bis Herbst sind es Kräuterwanderungen, zu denen sie gebeten wird. "Der Bedarf an solchen Wanderungen hat ungeheuer zugenommen", berichtet Edelgard Gruhne und hat auch eine Erklärung dafür. Die Menschen würden sich wieder mehr für Kräuter interessieren. Aber viele seien unsicher, ob sie die Pflanzen, wenn sie sie dann selbst sammeln, auch richtig bestimmen können. Ein Experte sei da allemal besser als jede Abbildung in einem Buch oder im Internet. "Und es wächst ja alles vor unseren Füßen", sagt die Laagerin, die schon als Kind vielerlei Wissen über Kräuter und ihre heilende Wirkung von ihrer Großmutter vermittelt bekam. Von Mai bis Oktober bietet sie wöchentlich eine Kräuterwanderung in Rerik an. Im nächsten Jahr, so berichtet sie, habe sie bereits monatliche Veranstaltungen im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide vereinbart. Überhaupt seien es die Naturparks, die immer öfter bei ihr Nachfragen würden. Auch in der Mecklenburgischen Schweiz würde sie zwei-, dreimal im Jahr ihr Wissen über Kräuter mitteilen.

War vor Jahren der Bärlauch stark in Mode gekommen, so ist es aktuell der Beinwell. "Alle Leute wollen was von Beinwell wissen", stellt Edeltraud Gruhne fest und kann eine Menge darüber erzählen. Dabei sei die Wurzel am heilkräftigsten. Die Blüten würden sich höchstens für einen Salat oder als essbare Tischdekoration eignen. Das Modekraut helfe bei Knochenverletzungen und pflege und heile auch die Haut. Die Laager Kräuterhexe empfiehl immer eine innere und äußere Anwendung - Tees und Salben -, und warnt davor Wunder zu erwarten. Kräuter könnten Schmerzen lindern. Eine Abstimmung mit dem Arzt sei immer empfehlenswert.

Edelgard Gruhne selbst schwört auf Schachtelhalm. Das Kraut könne manches Leiden leichter erträglich machen. Es hilft Bindegewebe und Knochen zu festigen, entwässert und entschlackt, säubert Organe und hilft bei Hauterkrankungen. Aber auch Bärlauch verachtet die 59-Jährige nicht. "Er putzt die Adern, hält die grauen Zellen in Schwung und passt auf, dass die Galle nicht überläuft", erzählt Edelgard Gruhne.

Kräuter erobern "beleuchtete Schafweiden"

Die Hochsaison der Kräuter sei vorbei, aber man finde immer noch etwas, zum Beispiel Schafgarbe, vereinzelt noch Johanniskraut und natürlich Gundermann. "Meine Lieblingswürze", schwärmt Edelgard Gruhne. Auch Holunder und Sanddorn können jetzt geerntet und zu Saft gemacht werden. Dabei empfiehlt die Laager Kräuterhexe Kräuter und Beeren am besten auf Brachflächen zu suchen. Was an Ackerrändern wachse, meidet sie. Auch Straßenränder seien nicht unbedingt zu empfehlen. Was hoch wachse wie Holunder oder Weißdorn könne auch dort gepflückt werden. Äußerst vielseitig sei das Angebot in Gewerbegebieten der Kategorie "beleuchtete Schafweiden", wo sich also kaum eine Firma ansiedelte.

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