Der Reiterhof ist sein Glücksfall

Dieter Zarse ist auf dem Lande groß geworden, hat viele Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet. Seit 15 Jahren ist er nun auf dem Reiterhof in Passin beschäftigt. Dort beginnt morgen Vormittag das diesjährige große Reitturnier für junge Reiter. Ralf Badenschier
Dieter Zarse ist auf dem Lande groß geworden, hat viele Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet. Seit 15 Jahren ist er nun auf dem Reiterhof in Passin beschäftigt. Dort beginnt morgen Vormittag das diesjährige große Reitturnier für junge Reiter. Ralf Badenschier

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09. September 2010, 01:57 Uhr

Passin | Dieter Zarse zeigt auf die abgegrenzte Pferdekoppel. "Dort bauen wir gerade die Zelte auf, in denen die ganzen Pferde untergebracht werden." Die Strohballen gleich nebenan hat er am Morgen mit Folie abgedeckt. Auf dem Reiterhof in Passin ist in diesen Tagen etwas mehr zu tun als an anderen. Morgen Vormittag um 10 Uhr beginnt das 8. Junior-Ostsee-Championat und das 7. Passiner Jugend-Derby. Es ist eine der größten Veranstaltungen für junge Reiter in Norddeutschland. Dieter Zarse ist seit mehr als 15 Jahren mit dabei. Der Reiterhof Passin ist für den 57-Jährigen ein Glücksfall.

Sechs Jahre war er arbeitslos. In Rühn geboren und aufgewachsen hatte er früh Kontakt zur Landwirtschaft, arbeitete selbst als Traktorist viele Jahre in der LPG Tierproduktion Steinhagen. "Es war eine der ersten, die nach der Wende aufgelöst wurden", erinnert sich Zarse. Er verliert wie viele, die in der Landwirtschaft tägig waren, seinen Job.

Ein Zufall führt ihn auf den Reiterhof Passin. "Meine Tochter hat dort das Reiten erlernt. Da bin ich dann ab und zu mit hingegangen", erzählt Dieter Zarse, der heute in Horst wohnt. Bei den großen Reitturnieren, die einmal im Jahr stattfinden, legte er dann freiwillig mit Hand an. "Irgendwann habe ich mal nachgefragt, ob sie dort nicht einen Job für mich haben", erklärt er. Sie hatten. Seit 1996 ist Dieter Zarse nun der Mann für "alle Fälle". Er bringt morgens das Futter zu den Pferden und mistet die Ställe aus. Außerdem sind 210 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, die der Hof bewirtschaftet. Dort wächst Getreide heran. Das wird vermarktet. Das Stroh ist für die Tiere. Heu wird von den Wiesen geholt. Auch da werden fleißige Hände gebraucht. Und ist etwas zu reparieren, fasst der 57-Jährige mit zu. "Da packt man auch mal nach Feierabend an. Ist z.B. eine Tränke kaputt, wird sie noch heil gemacht, schließlich saufen die Tiere auch nachts." Das sei für ihn selbstverständlich.

Selbstverständlich ist auch, dass ab morgen und bis Sonntag ohnehin keiner auf die Uhr schaut. Immerhin werden in Passin rund 130 Reiter und 270 Pferde erwartet. Sie absolvieren insgesamt 560 Starts in den verschiedenen Spring- und Dressurprüfungen. "Wir hoffen vor allem auf gutes Wetter", sagt Klubchefin Renate Herzog. In den zurückliegenden Jahren seien sie nicht gerade verwöhnt worden. "Für Donnerstag und Freitag ist zwar noch ein wenig Regen angesagt, aber dann soll es ja besser werden."

Vor nunmehr 20 Jahren kamen die Herzogs nach Passin kauften die Anlage. Sofort begannen sie mit den ersten Investitionen, bauten die ersten Ställe aus. "Bereits im April 1991 haben wir dann hier das erste große Turnier durchgeführt", blickt Renate Herzog auf eine erfolgreiche Entwicklung zurück.

Die Turnieren in Passin erfreuen sich alljährlich großer Beliebtheit. Auch in diesem Jahr werden rund 30 Frauen und Männer, Mitglieder des Reitklubs, Pferdefreunde und Kampfrichter, für einen reibungslosen Ablauf der dreitägigen Veranstaltung sorgen. Wer sich abseits des Parcours umschaut, wird dabei sicherlich auch Dieter Zarse treffen.

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