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Lokales

24. September 2017 | 03:30 Uhr

Der Prignitz gehen die Laubenpieper aus

vom

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2011 | 06:29 Uhr

Prignitz | Das Kleingarten idylle in der Prignitz bröckelt: Von den 3940 Parzellen, die der Verband der Gartenfreunde in neun Orten des Landkreises zur Verpachtung hat, stehen gut 17 Prozent leer. In 680 Schrebergärten gibt es niemanden mehr, der sät, jätet, erntet und Rasen mäht. Dass in der vergangenen Woche im Verein im Wittenberger Wüstenweg ein Kleingärtner aus Altersgründen aufgab und sofort ein Interessent übernahm, bezeichnet Wilhelm Zachow als Leiter der Geschäftsstelle des Verbandes als Ausnahme von der Regel.

Besonders Wittenberge, über viele Jahrzehnte eine Kleingartenhochburg, ist vom Rückgang betroffen. 331 der 1809 Parzellen werden nicht mehr bewirtschaftet, das sind mehr als 18 Prozent. In Pritzwalk hingegen liegt der Leerstand bei gut acht Prozent, in Perleberg bei gut 14 Prozent.

"Die Leute sind nach der Wende der Arbeit hinterher gezogen. Es fehlte die mittlere Generation", sagt Zachow. Auch das gilt für Wittenberge im besonderen Maße. Hinzu kommt die demografische Entwicklung, die bundesweit zu einem Rückgang der Laubenpieper führt. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Stadtentwicklung liegt das Durchschnittsalter der Kleingärtner derzeit bei rund 60 Jahren. "Die meisten unserer Mitglieder geben aus Altersgründen auf", untersetzt Zachow diese Tatsache aus Prignitzer Sicht.

Die Folgen belasten den Verband der Gartenfreunde und die einzelnen Vereine mit ihren Gartenanlagen. "Wir als Verband müssen die Pacht für die Gesamtfläche aufbringen, egal, ob die Parzellen bewirtschaftet werden oder nicht", erklärt Zachow. Die einzelnen Vereine müssen mit den leerstehenden Gärten fertig werden. Wer will aber verwilderte Parzellen in seiner Nachbarschaft haben? "So manche Vereinsanlage sieht schon aus wie ein Flickenteppich."

Ein Mittel, wenn auch kein Allheilmittel, ist die Renaturierung der nicht mehr bewirtschafteten Kleingärten. In Wittenberge sind von den 331 nicht belegten Parzellen 157 renaturiert, sprich die Vereine haben - manchmal unterstützt durch Mitarbeiter in geförderten Maßnahmen - Lauben und alle anderen Hinterlassenschaften der ehemaligen Pächter zurückgebaut. Zum Schluss wird Gras eingesät. "Die Pflege dieser Flächen müssen allerdings die verbliebenen Vereinsmitglieder übernehmen", sagt Wolfgang Strutz. Er stand viele Jahre der elbestädtischen Anlage "Paul Klink" vor. Hier sind im Vergleich zu anderen Anlagen viele Leergärten rückgebaut worden. "Renaturierung gibt es aber nicht zum Nulltarif", sagen Strutz und Zachow. Einige hundert Euro, und das reiche manchmal noch gar nicht, könne das pro Parzelle kosten. "Unsere Kasse ist leer", sagt Wilhelm Zachow. Der Gartenverband hat einen Renaturierungsfonds gegründet, in den alle Vereine einzahlen. Dieses Geld reicht nicht mehr aus.

Wenn die Kleingartenvereine den Rückbau nicht mehr alleine schultern können, müsse über öffentliche Förderung nachgedacht werden, so Strutz.

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