Boizenburg : Der Papier-Computer Wossidlos

Karin Wulf vom Museum zeigt Ch. Schmitt die noch bis Ende Mai laufende Ausstellung.  Fotos: kfri
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Karin Wulf vom Museum zeigt Ch. Schmitt die noch bis Ende Mai laufende Ausstellung. Fotos: kfri

Direktor des Volkskunde-Instituts Rostock und Chef des Wossidlo-Archivs hielt einen Vortrag im Rathaussaal

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21. April 2015, 13:05 Uhr

Wahrscheinlich gibt es niemanden, der sich besser mit Richard Wossidlo auskennt als er. Doktor Christoph Schmitt, Direktor des Instituts für Volkskunde der Universität Rostock und Leiter des Wossidlo-Archivs, hielt am vergangenen Freitag im Rathaussaal eine Vortrag über den „Zettelmann“.

Dass Richard Wossidlo Sagen, Märchen, Schwänke, Sprichwörter, Redensarten, Rätsel, Flurnamen, Volkslieder, Sitten, Bräuche und auch Zeugnisse der materiellen Kultur gesammelt hat, weiß der eine oder andere. Aber dass er diese Arbeit über einen Zeitraum von 50 Jahren neben seiner Arbeit als Gymnasial-Lehrer bewältigte, ist wohl den wenigsten bekannt.

Zwischen 1883 und 1939 trug der Feldforscher mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems Beiträge von 5000 Erzählerinnen und Erzählern selbst oder durch 1400 sogenannte Korrespondenten zusammen. Am Ende seines Lebens hatte er Feldforschungs-Daten aus 3000 Orten gesammelt. Aus Boizenburg trug unter anderem ein Paul Wegener zu Wossidlos Sammlung bei.

„Das Besondere an Wossidlo ist, dass er, wo es ging, selbst den Kontakt zu den Erzählern vor Ort suchte“, erläuterte Dr. Schmitt. „Anders als die Gebrüder Grimm, die für ihre Märchensammlung selten persönlich unterwegs waren. Damit hat er die Feldforschung neu begründet. Er war gleichzeitig Sammler von Daten und Auswerter. Dadurch wusste er, wo und wen er nach was fragen muss.“

Eine weitere Besonderheit ist die Sammlung der ländlichen plattdeutschen Sprache, um die sich Wossidlo verdient gemacht hat. Denn die meisten damaligen Gelehrten sprachen kein Platt. Aber nur wer einigermaßen die Sprache beherrschte - so wie Wossidlo selbst - konnte beispielsweise auch Redensarten mit ihre Variationen erkennen und sammeln.

Doch besonders bemerkenswert an dem Forscher ist die Art, wie er seine Daten zusammen getragen hat. Er schrieb alles auf Zettel und sortierte sie in hunderte verschiedene Kästen. Man könnte das als Spleen abtun, aber tatsächlich war es eine geniale Art der Wissenschafts-Organisation.

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