Der Mann hinterm DJ-Pult

<strong>Marcel Philipp</strong> <foto>julia bartz</foto>
Marcel Philipp julia bartz

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06. August 2010, 01:57 Uhr

Bützow | Aus großen, schwarzen Musikboxen dröhnen laut Musik. Dahinter liegen auf einem Tisch mehrere silberne Koffer mit CDs. Und in der Mitte des Tisches steht eine Musikanlage mit unzähligen Knöpfen. "Damit stelle ich den Klang und die Lautstärke ein", erklärt Marcel Philipp. Er ist in der Region als DJ Harry bekannt und sorgt an Wochenenden auf Dorffesten und Familienfeiern für gute Stimmung. Heute Abend legt er zum Beispiel im "Casa" auf.

"Ich bin selbständig als Promoter und mobiler Diskotheker", beschreibt er seinen Beruf und sucht das nächste Lied heraus. Marcel Philipp arbeitete bereits unter anderem als Betonbauer und Kaufhausdetektiv. Derzeit mache er sich zum Bausanierer und Handelsvertreter selbständig. "Nur von der Musik könnte man nicht leben", erklärt er.

Das Musikmachen ist schon seit 15 Jahren seine Leidenschaft. "Damals war ich 15 und habe an Silvester in Klein Sien im einstigen Jugendklub den DJ gemacht", erinnert er sich. Zu der Zeit hatte er nur eine kleine Anlage. "Nach und nach habe ich meine Gerätschaften und Musiksammlung vergrößert", erklärt Philipp.

Während des Festes kommt ein junges, blondes Mädchen zu ihm und wünscht sich für seine Mutter ein Lied von Andrea Berg. "Na klar, ich hab den Titel hier", sagt er. Nur wenige Minuten später ertönt die Musik von Andrea Berg, und die Mutter des Mädchens flitzt bei den ersten Tönen schnurstracks auf die Tanzfläche.

Während die Tänzer vor ihm Beine und Körper im Takt der Musik bewegen, drückt Marcel Philipp einen Knopf neben seiner Anlage. Ein schnaufendes Geräusch ertönt und eine weiße Wolke steigt von der Nebelmaschine auf. "Der Nebel hat ein Tutti-Frutti-Aroma", erklärt der Bützower und lacht. "Ich achte nun einmal aufs Detail", erzählt er weiter.

Auf Dorffesten spielt DJ Harry nur Schlager und Musik aus den Charts. "Zu Hause habe ich aber alles an Musikrichtungen auf Platten", sagt der 30-Jährige.

Die Arbeit für einen DJ beginnt schon früher als das eigentliche Fest: Zusammen mit einem Freund belädt Philipp einen Transporter mit Lautsprechern, Verstärkern und anderen Utensilien. In seiner Garage liegen etwa 15 Koffer mit CDs. Daraus wählt er einige aus und packt sie mit ein. Neben den CDs hat er noch ungefähr 5000 Schallplatten in seinen Regalen stehen. "Auf den meisten ist Elektro- oder Housemusik", erklärt Philipp. Für diese Musikrichtungen könne man mit Hilfe der Schallplatten die Lieder besser mixen und ineinander einspielen. In seiner Plattensammlung verbergen sich aber auch einige Schätze: "Ein paar Stücke sind noch von 1940", so der Vater eines Sohnes.

"Bei Dorffesten bin meist der erste auf dem Platz und wieder der Letzte, der nach Hause fährt", sagt er. Aber diesen Aufwand nimmt er gerne auf sich. "Reich wird man von dem Musikmachen nicht. Aber Spaß habe ich dafür immer", sagt er. Und wenn er in den frühen Morgenstunden wieder nach Hause kommt, dann warten schon seine Freundin und sein Sohn auf ihn. "Dann bin ich wieder der Familienmensch, so wie jeden Tag", so Philipp.

Auch heute Abend wird DJ Harry wieder mit den Kopfhörern am Ohr und den Platten in der Hand im "Casa" auflegen. Los geht es um 22 Uhr.

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