Der Liebe wegen ins Zirkusleben

In die Stimme von Marko Morling hatte sich Regine Wohlfahrt einst verliebt, heute führen die beiden gemeinsam durch die Manege. Lars Reinhold
In die Stimme von Marko Morling hatte sich Regine Wohlfahrt einst verliebt, heute führen die beiden gemeinsam durch die Manege. Lars Reinhold

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29. April 2010, 06:30 Uhr

Wittenberge | Seit sieben Jahren tourt Regine Wohlfahrt mit dem Zirkus Probst. Der Liebe wegen hat sie alle Zelte abgebrochen, eine Stelle als Physiotherapeutin aufgegeben und sich in die Welt der Artisten und Dompteure gewagt.

Die ungewöhnliche Geschichte der gebürtigen Mittweidaerin begann 2002 in Zwickau während ihrer Ausbildung. "Wir haben damals immer gescherzt, der Zirkus, der sein Zelt auf dem Platz der Völkerfreundschaft aufgestellt hatte, nimmt uns die Parkplätze weg und wir müssen weiter zur Arbeit laufen", erzählt sie. "Eines Abends haben wir dann zufällig ein paar Zirkusleute in einer Bar getroffen und sind ins Gespräch gekommen. Irgendwie kamen wir so zu ein paar Freikarten und schauten uns die Vorstellung am nächsten Tag an. Als Marko Morling in die Manege trat und die erste Nummer ansagte, habe ich mich sofort in seine Stimme verliebt."

Der Zirkus Probst reiste weiter, doch die Erinnerung an Markos Stimme ließ die junge Frau nicht mehr los. "Probst machte dann noch mehrfach in der Umgebung, unter anderem in Meißen und Dresden, Station, und meine Kolleginnen und ich haben uns noch ein paar Shows angeschaut. Immerhin waren da knackige Artisten dabei, das ist natürlich was für junge Mädels." Auf diese Weise entstand ein immer engerer Kontakt zum Zirkusteam und natürlich zu Marko. "Irgendwann merkten wir, dass da mehr als nur Sympathie ist. So habe ich die Truppe regelmäßig an ihren Auftrittsorten besucht, um Zeit mit Marko zu verbringen.

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung trat sie eine Stelle bei einer Klinik im Schwarzwald an. "Und genau in diese Zeit fiel die Nord-Tournee des Zirkus. Ich bin also manches Wochenende vom Schwarzwald nach Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg gefahren. Sogar mehr als 1000 Kilometer bis nach Rügen, nur um Marko zu sehen", erzählt sie.

Schließlich waren sich beide einig, dass es so nicht weitergehen kann. "Ich kündigte meinen Job, löste die Wohnung auf, verkaufte mein Auto, packte eine Tasche und los gings. Ein radikaler Schritt, aber die Zirkusfamilie hat mich toll aufgenommen und es mir leicht gemacht, mich in das neue Leben einzufinden."

Gemeinsam mit Marko bewohnt sie einen 20-Quadratmeter-Wohnwagen, der Härtetest für jede Beziehung. "Da lernt man sich richtig kennen, denn aus dem Weg gehen kann man sich nicht", bestätigt ihr Freund.

Ihre Profession als Physiotherapeutin musste sie indes nicht ganz aufgeben. "Wenn sich ein Artist etwas verstaucht hat, sind meine Fähigkeiten natürlich gefragt", sagt sie und lächelt. "Aber auch wenn jemand nach einem anstrengenden Aufbautag verspannt ist, kann er zu mir kommen und sich mit einer Massage behandeln lassen."

Doch wer A sagt, muss auch B sagen, und so übernahm die heute 26-Jährige immer mehr richtige Zirkusaufgaben. "Inzwischen moderiere ich mit Marko gemeinsam das Programm, zugegeben nicht so leicht für jemanden mit sächsischem Dialekt", sagt sie mit einem Lächeln. Als Schwangerschaftsvertretung wagte sie sich sogar aufs Pferd.

"Ganz ehrlich, inzwischen liebe ich das Leben in unserem blau-weißen Zirkusdorf. Die harte Arbeit, die an jedem Abend mit Glitzer und Applaus endet ist einfach zu schön." "Ich hatte immer die Hoffnung, dass sie bei uns einsteigt", sagt Mirko. "Und die war nicht umsonst."

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