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Lokales

18. August 2017 | 03:01 Uhr

Der letzte Wolfshagener Müllermeister

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Wolfshagen | Uwe Volkmann aus Horst kennt die alte Wassermühle in Wolfshagen wie seine Westentasche. Wehmütig steht er vor dem alten Gebäude und denkt an viele Jahre zurück, die er hier verbracht hat. 1966 fing er als Müllerbursche seine Ausbildung an. Damals gab es den Anbau links neben der Mühle noch nicht. "Da war ein Eiskeller, ein riesiger Berg, um den die Fuhrwerke und Traktoren herumfahren mussten, wenn sie das Korn anlieferten", erinnert sich Volkmann. "Oben auf dem Dach, die kleine Holzluke. Da sind wir als Stifte öfter rausgeklettert und haben uns auf dem Dach in die Sonne gelegt. Uns hat da nie einer gefunden" sagt Volkmann schmunzelnd. 1969 schloss er seine Ausbildung als bester Müller-Lehrling der DDR ab.

Wenn er an die Arbeit damals zurückdenkt, dann fällt ihm auch ein, dass es keinen Sozialtrakt gab, der wurde erst später gebaut, von den Mitarbeitern nach Feierabend. "Dann konnten wir auch endlich nach der Arbeit duschen und sauber nach Hause fahren, denn in einer Mühle war es überall staubig", berichtet Volkmann, und davon, dass ohne Soziaräume auf den Walzenstühlen und den Schrotgängen gefrühstückt werden musste.

Zwanzig Jahre hat Uwe Volkmann in der Wolfshagener Mühle gearbeitet, die Riemen aufgelegt, Sojaschrot gemahlen und Mischfutter hergestellt. 1978 hat er seinen Meister gemacht. Konkret hieß das Meister der Getreide verarbeitenden Industrie. 26 Arbeiter waren zu den besten Zeiten der Mühle hier beschäftigt und haben so in den 1980er Jahren bis zu 26 000 Tonnen Mischfutter pro Jahr produziert. Wenn Volkmann die alte Mühle heute so betrachtet, dann " ist es schon traurig, was aus ihr geworden ist, schätzt er ein, fügt aber gleich hinzu: "Schon als ich hier angefangen habe, hat die Mühle mit Wasser nichts mehr zu tun gehabt. Früher war hier mal eine Turbine, die hat Gleichstrom produziert, und im Keller gab es einen Batterieraum, wo der Strom gespeichert wurde. Das ist aber sehr lange her. Zu meiner Zeit wurde die Mühle mit Strom betrieben. Riesige Motoren trieben die Riemenscheiben an, und wir mussten die Riemen immer umlegen, um die Mühle zu stoppen oder in Bewegung zu setzen", beschreibt Volkmann. Im Keller gab es einen Silobunker. Der wurde nicht nur genutzt um Getreide und Schrot zu lagern, sondern auch für den Zivilschutz. Bei einer Übung, so erinnert sich Volkmann, mussten fast alle Wolfshagener in den Silobunker. Aber auch das ist lange her.

Im Hauptgebäude der Mühle wohnte der Müllermeister, in den oberen Stockwerken am Giebel zur Stepenitz hatten zwei Müllerburschen ihre Zimmer. Bis 1986 arbeitete Uwe Volkmann hier, dann übernahm die LPG Wolfshagen die Mühle. "Da wurde dann kein Mischfutter mehr hergestellt, sondern nur noch Schrot", erklärt Volkmann. Im Anbau der Mühles standen Hammermühlen die Gerste und Weizen zu Schrot verarbeiteten. Die großen Mahlsteine standen dagegen still.

Mit dem Müllergruß "Glück zu" verabschiedeten sich die Müller. "Denn bei uns wurden Säcke zugebunden", verdeutlicht Volkmann. Und dieses Zubinden wollte gelernt sein. "Da musste oben am Sack über dem Band eine richtige Rose entstehen. Wenn das nicht so war, kam der Meister mit einem Taschenmesser und schnitt den Sack wieder auf. Bis heute habe ich nicht verlernt, Säcke auf diese Art zu binden, das ist eben einfach so drin", erzählt der letzte Müllermeister der Wolfshagener Wassermühle.

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erstellt am 24.Sep.2010 | 05:03 Uhr

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