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Lokales

18. Oktober 2017 | 20:52 Uhr

Der kleine Philip macht alles mit links

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erstellt am 07.Sep.2010 | 06:34 Uhr

Güstrow | Der kleine Philip schreibt mit links. Wäre der Zweitklässler früher ein Einzelfall gewesen, gibt es heutzutage immer mehr Kinder und Jugendliche, die den Füller in der linken Hand halten. "Egal in welche Klasse ich gehe, es gibt immer mindestens einen Linkshänder", bestätigt Schulpsychologin Dr. Marlis Börger. Auch die Klasse 2b der Güstrower "Schule am Inselsee" bildet dabei keine Ausnahme: Zwei von 18 Schülern bevorzugen beim Schreiben, Malen und Rechnen die linke Hand.

"Die Händigkeit des Menschen ist genetisch festgelegt", klärt Marlis Börger auf. "Durch die jeweilige Ausprägung wie etwa die Erziehung oder Umwelteinflüsse schreiben auch heute noch einige Linkshänder trotzalledem mit rechts", so die Expertin. Das Gehirn des Menschen gliedert sich dabei in zwei Großhirnhälften, wobei die linke Hälfte für die rechte Hand zuständig ist und anders herum. Beiden können dabei genaue Funktionen zugeordnet werden. Während die rechte Gehirnhälfte vor allem für das abstrakte und verbale Denken (räumliche und bildhafte Darstellung) zuständig ist, sorgt die linke für die non-verbalen Funktionen (Sprache und Logik).

Oftmals ist die Händigkeit mit dem Schuleintritt des Kindes nicht sicher, viele Kinder wechseln beim Schreibenlernen die Hand. Einfache Beobachtungsmöglichkeiten können Abhilfe schaffen: Spontanes Zeichnen oder Radieren, Perlen auffädeln oder Zähne putzen können darüber Aufschluss geben, welche Hand die leistungsfähigere ist. "Im Zweifelsfall ist eine professionelle Beratung bei Schulpsychologen oder speziellen Ergotherapeuten unabdingbar", so Börger "Vom bewussten umerziehen rate ich jedoch immer ab. Teilleistungsstörungen, ein schlechtes Schriftbild oder Konzentrationsstörungen können die Folge sein", sagt sie.

Dass Linkshänder auf dem Vormarsch sind, bestätigt auch Elke Szalma vom Güstrower Schreibwarengeschäft Beynio: "In den letzten beiden Jahren hat die Nachfrage hinsichtlich des Linkshändermaterials erheblich zugenommen. Es gab ein Umdenken. Die Eltern sind umsichtig, gehen auf die Bedürfnisse der Kinder ein und schulen diese nicht mehr zu Rechtshändern um", sagt sie . Um 20 bis 25 Prozent sei der Bedarf in den vergangenen Schuljahren gestiegen, so die Verkäuferin. Das Angebot ist vielfältig: Von den üblichen Schreibgeräten wie Füller oder Tintenroller über Lineal und Anspitzer bis hin zur Schreibunterlage gibt es alles, was das Linkshänder-Herz begehrt.

Auch Philip hat Linkshänderstift und -schere. "Er hat schon früh vieles mit links gemacht und schließlich auch den Füller mit der linken Hand gegriffen", erzählt Vater Maik Dücker. "Probleme hat Philip damit keine, wir haben ihm stets gesagt, dass es völlig normal ist." Darauf weist auch Marlis Börger zielgerichtet hin: "Eltern und Lehrer sollten den Kindern früh den Druck nehmen und ihnen vermitteln, dass die Linkshändigkeit nicht unnormal ist", sagt sie. Desweiteren sollten die Kinder in der Schule stets so sitzen, dass sie beim Schreiben nicht vom Banknachbarn behindert werden.

Die genaue Zahl von Linkshändern ist bis heute umstritten. "Einige Experten gehen von fünf bis 25 Prozent aus, anderen sprechen von 50 Prozent", sagt Marlis Börger. Die Liste prominenter Linkshänder ist dagegen lang: So machten etwa Bill Clinton, Leonardo da Vinci, Paul Mc Cartney oder Albert Einstein alles mit links.

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