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Die Fleischindustrie ist bei Arbeitnehmern nicht sonderlich beliebt : Der Kampf gegen den schlechten Ruf

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Die Fleischindustrie hat ein schlechtes Image. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Niedrige Löhne, rauhe Arbeitsbedingungen, Schichtarbeit. Bedingungen, unter denen viele deutsche Arbeitnehmer nicht arbeiten wollen.

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erstellt am 28.Jun.2011 | 05:27 Uhr

Ludwigslust | Die fleischverarbeitende Industrie hat ein schlechtes Image. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Niedrige Löhne, rauhe Arbeitsbedingungen, Schichtarbeit. Bedingungen, unter denen viele deutsche Arbeitnehmer nicht arbeiten wollen. Deshalb drängen immer mehr osteuropäische Arbeiter auf den Markt. Eine Entwicklung, die Uwe Prax von Berenthal seit Jahren mit Sorge verfolgt. Der 40-Jährige ist Betriebsleiter der 123 Mitarbeiter starken Blehe Lebensmittel GmbH in Ludwigslust. Die Firma arbeitet als Dienstleister für die Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten (LFW). Das Unternehmen stellt auf 16 000 Quadratmetern Frisch- und SB-Fleisch vom Rind, Schwein, Kalb und Lamm her.

Immer mehr Mitarbeiter aus Osteuropa

Der Dienstleiter der LFW kämpft gegen das Negativbild der Fleischbranche an. Ein zäher und oft wenig erfolgreicher Kampf. "Uns nervt der negative Ruf", sagt Prax von Berenthal. Die Arbeitsbedingungen seien zumindest bei den LFW nicht so schlecht, wie vielfach vermutet und auch Dumpinglöhne gebe es nicht. "Natürlich sind das keine Spitzenlöhne, aber ein Fleischer beispielsweise verdient im Monat mehr als 2000 Euro", so Prax von Berenthal.

Vor Ort hat sich Gabriele Rahn vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Ludwigslust ein Bild von den Arbeitsbedingungen gemacht. "Eine abwechslungsreiche Arbeit", lautet ihr Fazit. Nicht der leichteste Job zwar, aber zumutbar. Dass Arbeitskräfte aus der Region trotzdem so schwer zu bekommen sind, findet sie schade. "Wir wollen die Firma deshalb in Zukunft bei potentziellen Mitarbeitern bekannter machen", so Rahn.

Auch Fachkräftemangel Thema in der Fleischbranche

Doch auch der Fachkräftemangel macht sich immer deutlicher bemerkbar. "Wir haben keinen Nachwuchs unter den Fleischern", sagt Prax von Berenthal. Ein Problem, das auch in anderen Branchen im Landkreis Ludwigslust von Jahr zu Jahr zunimmt. "Vor ein paar Jahren gab es zu wenige Ausbildungsplätze, heute bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt", so Rahn. Das Ergebnis bekommt auch die Firma Blehe deutlich zu spüren. "Wir suchen händeringend nach Mitarbeitern, könnten sofort fünf Kräfte einstellen - aber es gibt keine Bewerber", so Prax von Berenthals Bilanz. Deshalb muss der Dienstleiter mehr und mehr auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen. Entgegen der Firmenphilosophie: "Eigentlich möchten wir Menschen aus der Region einstellen, weil wir davon überzeugt sind, dass sich dies positiv auf die Qualität auswirkt", so der Betriebsleiter. Aktuell beschäftigt Blehe rund 40 polnische Mitarbeiter. "Dabei hätten deutsche Arbeitnehmer - auch ungelernte - die Arbeit hier vor der Tür", sagt Prax von Berenthal und schüttelt verständnislos den Kopf. Nicht nur nach Zerlegern, Fleischern, Metzgern und Hilfsarbeitern sucht er, sondern auch nach Elektrikern und Mechatronikern für die Maschinen. Die Suche ist jedoch meist erfolglos. Wer sich entgegen dem Trend für einen Anstellung in der Firma interessiert, kann seine Bewerbung und seinen Lebenslauf schicken an: Blehe Lebensmittel GmbH, Schweriner Straße 36, 19288 Ludwigslust.

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